Die Bootstour

Silvia hatte Tommy versprochen, am Wochenende mit ihm an den See zum Baden zu fahren, Bei einem Preisausschreiben einer Frühstückskakao-Marke hatte er ein kleines Schlauchboot mit Paddeln gewonnen und wollte damit natürlich unbedingt zum See. Endlich kam ein Sonntag, an dem auch das Wetter passte und so fuhr sie mit ihm zum öffentlichen Freibad. Das Boot, hatten sie an der Tankstelle aufgeblasen. Es passte bei umgelegter Rücksitzbank gerade mal ins Auto. Sie legten eine Decke auf und cremten sich ein. Die Handtasche mit Geld und Handy sperrte sie im Auto ein, den Autoschlüssel versteckte sie unter der Liege-Decke und schon ging es los. Tommy konnte es kaum erwarten. Silvia hatte ihm "Schwimmflügel" an die Oberarme gesteckt, damit nichts passieren konnte und setzte ihn in Ufernähe ins Boot. Sie schob ihn ein Wenig hinaus und setzte sich schließlich zu ihm in das winzige Boot, um ein Bisschen herum zu rudern. Sie wollten ein kleines Stück hinausfahren, damit Tommy auch mal rudern konnte, denn in Ufernähe waren wirklich Hunderte Leute im Wasser und Tommy hätte sicherlich jemanden mit den Paddeln berührt. Als sie vielleicht fünfzig Meter vom großen Getümmel entfernt waren, durfte Tommy übernehmen. Silvia schloss die Augen und lehnte sich zurück. Schön war es hier draußen. Der Lärm war einer angenehm entfernt klingenden Geräuschkulisse gewichen, die Sonne schickte eine wohlige Wärme durch ihren Körper und Tommy hatte sichtlich Freude daran, seine Mama herumzufahren. Silvia öffnete ihr Oberteil und legte es auf den Tragschlauch des kleinen Bootes. In der Öffentlichkeit zeigte sie sich nie oben ohne, obwohl sie sich das leisten hätte können. Aber sie mochte das nicht. Bei Tommy im Boot, abseits der lärmenden Menge genoss sie jedoch die Sonnenstrahlen auf ihrem Körper, die getarnt durch einen stetigen, kaum spürbaren Windhauch ihre Kraft nicht vermuten ließen. Die wohlige Wärme, das entfernte Geschrei der badenden Menge, die geschlossenen Augen... Es dauerte nur Minuten und ihr Körper forderte sein Recht auf Schlaf, welches sie in den vergangenen Tagen so oft vernachlässigt hatte. Tommy jedoch ruderte bald nur mehr mit einem Paddel und verlor sehr bald auch das Zweite. Das wollte er seiner schlafenden Mutter aber nicht auf die Nase binden, er hatte ein wenig Angst, dass sie dann schimpfen würde. 
Silvia hatte wohl an die zwanzig Minuten geschlafen, als der ablandige Wind auffrischte und sie aufwachte. Als sie die mittlerweile erreichte Entfernung zum Ufer erblickte, erschrak sie heftig. "Tommy, wir müssen zurück!" Doch es waren keine Paddel mehr da. "Nur keine Panik!" sagte sie sich, merkte aber sehr bald, das ein Schlauchboot ohne Paddel nur ein Spielball für den Wind war. Gnadenlos trieb das kleine Boot mit Tommy und ihr immer weiter auf das offene Wasser hinaus...

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