Die Yacht

"Das darf doch nicht wahr sein!" Silvia hatte sich nicht vorstellen können, mit welch affenartiger Geschwindigkeit das kleine Schlauchboot, das sich mit den Paddeln kaum bewegen ließ plötzlich in die falsche Richtung marschierte. Wie konnte ihr sowas passieren, Sie war doch wirklich ein Sicherheitsfreak. Wie hatte sie ihr Kind nur so einer Gefahr aussetzen können? Sie versuchte verzweifelt , mit hohlen Händen gegenzusteuern, aber der Effekt war gleich Null! Verzweifelt, wie sie war, beging sie nun einen großen Fehler: Sie verließ das kleine Schlauchboot in dem Glauben, sie könne es nach Hause schieben! Als sie ins Wasser glitt, fiel auch ihr Oberteil hinein, welches sie noch fangen wollte. Doch selbst dabei legte das kleine Boot seinen vom Wind bestimmten Weg zurück. Erschrocken schwamm sie nun dem Boot hinterher, dass Oberteil war nicht nicht mehr wichtig, sie konnte das Schlauchboot fast nicht einholen. Mit Müh und Not erreichte sie das kleine Boot und hielt sich mit letzter Kraft daran fest. Panisch versuchte sie , wieder einzusteigen, was natürlich völlig unmöglich war.
Beim Versuch, sich hinein zu wuchten, riss der aufblasbare PVC-Boden dem Rand des Tragschlauches entlang auf. Glücklicherweise saß Tommy am gegenüberliegenden Ende des Bootes. Zu allem Überfluss hatte sie beim sofortigen Loslassen etwas Wasser geschluckt und bekam kaum noch Luft. Sie hustete und spuckte, was ihr noch mehr Kraft abverlangte. Tommy erkannte nun, dass sie sich in Gefahr befanden und begann zu weinen, während Silvia in echter Todesangst nach Hilfe Ausschau hielt. Der Himmel verdunkelte sich. Schwarze Wolken schoben sich mit hoher Geschwindigkeit zusammen. In etwa gleicher Entfernung wie der zum Strand zog ein schnelles Boot mitten am See lautlos seine Spur, wohl auf der Flucht vor dem Sturm in den Heimathafen. Ein Gewitter zog auf und schickte zum Auftakt einen Blitz und einen gewaltigen Donnerschlag. Silvia hatte kaum noch die Kraft, sich am Schwimmkörper des Bootes fest zu halten. "Tommy, du musst winken! Mit beiden Händen winken!" Doch niemand würde sie sehen! Das Boot am Horizont war nur noch von hinten sichtbar und vom Strand waren sie wohl gar nicht mehr auszumachen. Es war auch kein Mensch mehr im Wasser. Silvia machte sich große Vorwürfe! Wie hatte sie so dumm sein können? Da! Das Boot hatte angehalten. Eine Person stand am Heck. Wohl mit einem Feldstecher. Die Person verschwand und das Boot nahm Fahrt auf. Es wendete und kam mit einer Irrsinnsgeschwindigkeit auf die beiden zu. In einiger Entfernung verlangsamte es die Fahrt, wohl um die Wellen gering zu halten. Dann ging der Bug nach unten, die Yacht ging aus dem Gleiten in Verdrängerfahrt und kam vorsichtig längsseits. "Ich glaube ihr Zwei fahrt jetzt besser mit mir weiter!" sagte eine angenehme Männerstimme. Der Mann bremste das Boot punktgenau ab und klappte die Badeleiter am Heck aus. Er erkannte offenbar, das Silvia am Ende ihrer Kräfte war, denn er kam selbst ein paar Sprossen herabgeklettert und sagte: Komm mein Junge, halt dich an meiner Hand fest. Als hätte Tommy das Gewicht einer Feder, hob er ihn einem Kran gleich, mit einer Hand an Bord. Geh zum Steuerrad mein Sohn, ich hol noch schnell deine Mami an Bord. Buchstäblich mit letzter Kraft streckte Silvia dem Mann die Hand entgegen. Als sie seinen festen Griff spürte, wusste sie, er würde sie irgendwie an Bord schaffen, denn sie hatte nicht mehr die Kraft dazu... Er führte ihre Hand an die Leiter. Danach die zweite Hand. Er stellte sich hinter sie, fasste unter ihren Oberarmen hindurch die Leiter und hievte sie so nach oben, wo er sie vorsichtig auf die backbordseitige Liegefläche legte. "Ganz ruhig! Es ist vorbei!" sagte er beruhigend "Sie sind in Sicherheit! Alles wird gut!" 

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