Du packst das, Michl!

Die Tatsache, dass Dimitri Janko, der Ihn gehalten hatte, beim Eindringen in Michaels Zimmer das Schloss beschädigt hatte, und die Tür daher offen stehen blieb, rettete Michael vermutlich das Leben. Als das Zimmermädchen am frühen Morgen die offenstehende Tür wahrnahm, klopfte sie und da sich niemand rührte ging sie hinein und fand den leblosen Körper neben dem Bett von Zimmer 314. Der sofort verständigte Notarzt musste Ihn auf dem Weg in die Klinik zweimal wiederbeleben. Im Bereich unterhalb der Rippenbögen war die Haut teilweise zerfetzt, weitere Untersuchungen zeigten eine kaputte Milz, einen Leberriss, acht gebrochene Rippen von denen eine in die Lunge eingedrungen war, es grenzte an ein Wunder, das sich dieser geschundene Körper wiederbeleben ließ. Ein mehrköpfiges Ärzteteam operierte ihn fast sechs Stunden lang und legte ihn anschließend in einen Tiefschlaf mit künstlicher Beatmung.  Bei seinen Papieren fand man die Karte seines Anwalts, den man schließlich verständigte.

Bertl war bestürzt, als ihn die Nachricht erreichte. Er hatte sich so bemüht, Michael vor einer solchen Erfahrung zu schützen und es war ihm doch nicht gelungen! Michaels Leben hing an einem seidenen Faden. Bertl, der sein uneingeschränktes Vertrauen genoss, hatte sämtliche Vollmachten von ihm erhalten. Er war ab sofort sein Sachwalter. Er nahm sofort Kontakt mit der Kripo auf, die vor Ort Untersuchungen anstellte. Dass es kein Raubüberfall war lag auf der Hand, lagen doch Michaels Brieftasche mit mehreren Hundert Euro und allen Karten sowie seine sündteure Armbanduhr auf dem Nachttisch. Bertl berichtete der Kripo von der Bedrohung durch das Konsortium und schaltete Gerd ein. Gerd, der dritte im Bunde der Jugendfreunde, hatte es tatsächlich geschafft. Er war der Inhaber und Herausgeber des Tagblatts. Bertl sorgte dafür, das Gerd exclusiv, dafür nur nach Absprache mit ihm, berichten durfte. Dies tat er in weiser Vorraussicht, um eventuelle Verschleierungen der Hintergründe durch Polizei oder Staatsanwaltschaft von vorne herein zu unterbinden. Er bestand darauf, dass von den Wertsachen Michaels Fingerabdrücke genommen wurden und diese danach in seine Obhut zu übergeben waren. Michaels Handy nahm er, nach Absprache mit der Kripo an sich, nachdem Diese es in Augenschein genommen hatte.  Seltsam fand er, und Bertl hatte ein gutes Gespür dafür, dass Staatsanwalt Fischer diesen Fall behandelte. Fischer war bekannt dafür, seine Fälle sehr oft und mit fragwürdiger Begründung unter Nachrichtensperre zu nehmen. Bertl fuhr ins Krankenhaus zu Michael. Als sein Sachwalter durfte er zu ihm und das erbarmungswürdige Bild, das sich ihm bot, trieb ihm Tränen in die Augen. Michael lag im Tiefschlaf. Der Tubus war mit Klebeband auf sein Gesicht geklebt und die Geräusche der künstlichen Beatmung trugen auch nicht dazu bei, seinen Zustand stabil wirken zu lassen. Um die Körpermitte war er verbunden worden und wo immer ein Stück Haut im Bauch- oder Brustbereich sichtbar war, war es entweder tiefblau unterlaufen oder mit orangefarbener Desinfektionsflüssigkeit getränkt. Zahlreiche Leitungen waren von seinem zerschundenen Körper ausgehend mit medizinischen Apparaturen verbunden, deren Anzeigen und Geräusche einem Angst machen konnten. Am Rand des Bettes hingen vier transparente Kunststoffbeutel zur Wund-Drainage, die zu einem Viertel mit Blut und Wundsekret gefüllt waren. Er ging zu Michael heran und nahm seine Hand. "Jetzt hammas doch überseh'n, Michl! Dabei hab ich mich so bemüht, dich zu schützen! Aber du bist stark, Michl! Du warst immer der Stärkste und der Dickschädlerdste von uns! Du packst das! I hilf dir dabei, oider Spezi! Mia stelln di wieder auf'd Füass! I kümmer mich um alles! Mach dir keine Sorg'n!" Mit feuchten Augen nahm er nun ein Wenig Abstand und holte Michaels Handy aus der Tasche. Er ging die Anrufsliste durch und blieb bei "Silvie" hängen! Er atmete tief durch. "Jetzt kommt der schwierige Teil!" murmelte er und drückte auf den grünen Hörer...  

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