Das Leben geht weiter

Selina wusste gut genug mit mit mir umzugehn, um mich nicht ständig Trübsal blasen zu lassen. Immer wenn sie mir auf ihre Art mit unscheinbaren kleinen Gesten ihre Liebe zeigte, und sie war und ist darin unschlagbar, wurde mir klar, dass es Gotteslästerung wäre, nicht dankbar zu sein, für den Ausgang unseres großen Abenteuers. Ich war oft soweit gewesen nicht mehr an einen guten Ausgang glauben zu können. Aber sie hatte mich immer wieder aufgerichtet und schließlich hatten wir überlebt. Nun mussten wir in der Klinik dafür sorgen, dass unserem Vorhaben nichts im Wege stand. Wir brauchten einen Architekten für die Erweiterung des Westflügels, den ich nachmittags einmal grob skizziert hatte. Schließlich braucht man fertige Pläne um eine Baugenehmigung zu erlangen. Auch musste ich mich darum kümmern, einen Konzern zu finden, der die Herstellung meiner Energiegewinnungsanlagen übernehmen sollte. Ich wollte gerne europäische Firmen unter Vertrag nehmen, aber das ganze sollte lukrativ für die Stiftung bleiben. Die Rechte an der Erfindung musste ich behalten, da ich sie sonst möglicherweise nicht mehr an soziale Projekte entgeltlos vergeben dürfte. Es ist nicht einfach eine neue Erfindung auf den Weg zu bringen. Nicht einmal, wenn man sie stiftet. Hier war wieder Bertl gefragt. Was Tommy betraf, fand ich mich ab damit, dass er eben sein halbes Leben mit einer falschen Information verbracht hatte. Selina hoffte zwar, seine Oma könne ihn überzeugen, aber ich machte ihr klar, dass da keine Wärme mehr war. Der Junge hatte mich, egal ob nun zu Recht oder Unrecht, nicht lieblos, sondern kalt abblitzen lassen. Nicht, weil da nichts mehr war, sondern weil er über all die Jahre ein Feindbild aufgebaut hatte, das er hassen konnte. Das tat er auch. Und ich sagte mir, ich hatte genug Unrecht erfahren mit dem Attentat; damit, dass mich Silvia, wenn auch für Tommy, im Stich gelassen hatte, (Jawohl: Im Stich gelassen!) und dann auch noch dem Jungen erzählt hatte, ich hätte die beiden im Stich gelassen. Auch wenn das kindisch klingen mag, Ich legte keinen Wert mehr darauf, ob er mich irgendwann rehabilitieren würde oder nicht. Ich würde anständiger Weise dafür Sorge tragen, dass seine Oma finanziell zurechtkam, damit der Junge ein zu Hause hatte. Ein Sohn, als den ich ihn einmal akzeptiert und geliebt hätte, würde er nie mehr werden. Der Zug war abgefahren. Als ich Selina das erklärte, lehnte sie sich mit feuchten Augen an mich. "Das ist sehr schade! Ich hätte mir das anders gewünscht. Vor Allem für dich! Aber ich werde deine Entscheidung so wie alle deine Entscheidungen akzeptieren, weil sie vermutlich genauso richtig ist, wie alle deine Entscheidungen es bisher waren." - "Diese Entscheidung, Selina, war nicht meine! Die hat der Junge getroffen, nicht ich. Aber ich habe sie akzeptiert und damit ist für mich abgeschlossen. Ich hab es nicht nötig, mich ständig für die Fehler anderer zu verantworten und ich hab ein großes Herz. Wer weiß, was uns die Zukunft bringt. Wichtig ist für mich nur deine Liebe, Schatz! Für die würde ich wieder und wieder kämpfen, doch für keine Andere mehr..." - "Meine Liebe hast du dir für zwei Leben verdient Michael, sie gehört nur Dir..."

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