Kapitel 16

Das schwarze Messer fühlt sich an meiner Kehle eisig an. Im Raum scheint die Temperatur um mehrere Grade gefallen zu sein. Meine Knochen sind stocksteif und meine Gelenke fühlen sich an wie gelähmt.

Durch das Messer werde ich daran gehindert mich um zu drehen oder mich gar zu bewegen, weshalb mir auch der Blick auf die Personen hinter mir verwehrt. Woher ich weiß, dass es Mehrere sind? Ich habe gute Ohren und konnte so ihre Schritte wahrnehmen, doch ich hatte nicht gedacht, dass es so enden würde.

Ich hätte nicht erwartet, dass ich so enden würde. Ich wollte würdevoll sterben und nicht wegen einer total irren Rettungsmission.

Mehrere Leute schließen ihre Hände um meine Arme, um mich unter Kontrolle zu bringen und irgendwohin zu schleifen. Leider kann ich nicht erkenne wohin sie mich bringen, da sie mich hinter sich her ziehen und mein Blick so auf Ruby gerichtet bleibt, der es nicht anders geht. Sie wird genau wie ich von mehreren Leuten an den Armen davon geschleift.

Ihr ist jedoch der Schmerz, der von ihrem Arm ausgeht, in ihrem Gesicht anzusehen. Sie beißt die Zähne aufeinander und versucht wahrscheinlich weder vor Schmerzen laut zu schreien, noch los zu weinen. Es zerreißt mir fast das Herz sie so zu sehen, doch ich weiß, dass ich ihr nicht helfen kann. Dazu müsste ich mich losreißen und es irgendwie schaffen mit ihr von hier zu verschwinden, doch das geht nicht. Wir müssen auf das Zeichen von Hilley warten.

Als die Männer anhalten, drehe ich meinen Kopf zu ihnen um. Wieso halten sie mich an und wo bringen sie mich eigentlich hin? Ich habe Angst, versuche mir aber Nichts anmerken zu lassen. Leider kann ich keinen Blick auf die Ursache unseres Stopps erhaschen.

"Wir bringen dir eine Erbin, Miss Jackson", ruft einer der Männer laut. Seine Stimme ist kratzig. Mit wem redet er da? Ich habe Angst! Was wird jetzt mit mir geschehen? Werden sie mich umbringen und sich dann meine Kräfte aneignen? Das können sie doch nicht so einfach machen, oder?

"Welche?", fragt Jemand mit einer eiskalten Stimme, die mir einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Ich bemerke, dass meine Gliedmaßen leicht zu zittern beginnen. Eigentlich bin ich ja kein ängstlicher Mensch, doch diese Situation fordert echt ihren Tribut. Es ist nicht leicht zu wissen, dass da Jemand ist, der meinen Tod will.

Auf einmal werde ich von mehreren starken Armen auf meine Füße gezogen und umgedreht. Erneut läuft mir ein Schauer über den Rücken und die Panik macht sich in mir breit. Wo bin ich hier nur gelandet?

Wir befinden uns in einem großen nur schwach beleuchteten Raum aus Marmor, der kein einziges Fenster hat. Das habe ich aber auch nicht erwartet. Schließlich sah das Gebäude von außen nicht gerade hell und freundlich aus. Wieso sollte es also von Innen so sein?

Das Einzige, was mich in diesem Raum verwundert, ist ein sehr kalt wirkender Thron aus Metall. Er passt zwar zur Atmosphäre, aber meiner Meinung nach ist der Thron voll Mittelalter und gehört nicht in die Neuzeit.

Als ich fertig damit bin den Thron zu begutachten, fällt mein Blick auf die darauf sitzt. Ich erinnere mich daran, dass einer der Männer sie mit 'Ms. Jackson' angesprochen hat. Ihre langen schwarzen Haare fallen glatt über ihre Schultern und haben einen besonderen Glanz, aber in ihren fast schwarzen Augen brennt etwas abgrundtief Böses. Als unsere Blicke sich kreuzen, scheint es als würde ich auf der Stelle fest frieren, fixiert durch ihren Mörderblick. Ich schlucke schwer.

Die schwarz gekleidete Frau, Ms Jackson, erhebt sich von ihrem Thron und läuft langsam auf mich zu. Sie wirkt wie eine Raubkatze auf der Jagd und ich bin ihre Beute.

Ich fühle mich ausgeliefert, wie ich dort auf den Knien vor ihr Knie. Es hat etwas von Untergebenheit, was mir gar nicht gefällt. Ich will mich aufrichten und mit ihr auf eine Stufe bringen, doch ich traue mich nicht. Mein Körper ist wie gelähmt und die Angst sitzt mir im Nacken.

Als sie bei mir angekommen ist, hebt sie mein Kinn ein Stück in die Höhe, sodass ich meinen Blick nicht von ihr Abwenden kann. "Verrätst du mir deinen Namen, kleine Erbin?", fragt sie freundlich, doch ihre Augen und ihr Auftreten sagen, dass sie kein "Nein" zu lassen wird.

Ich schlucke schwer. Okay, was soll ich jetzt tun? Die Wahrheit sagen? Nein, ich muss lügen. Ich habe keine andere Wahl. Es wäre nicht gut, wenn ich ihr alles über mich erzählen würde. Sie könnte mich aufspüren und das würde für uns alle nicht gut ausgehen. "I-Ich heiße...Lilly...Mendes", lüge ich schnell. Ich weiß wie einfallslos das ist, aber was Besseres ist mir auf die Schnelle nicht eingefallen.

Sie schaut mich mit einem forschenden Blick an und es scheint als würde sie mich durchleuchten. Ich versuche mich zu beruhigen und meinen Atem wieder langsamer werden zu lassen, doch leider klappt das nicht so gut wie erhofft.

Als ich es gerade geschafft habe ein wenig runter zu kommen, beginnen ihre Augen sich zu verdunkeln. Etwas Böses liegt in ihnen.

Ich spüre den Schmerz, bevor ich wirklich sehe was geschehen ist. Dann checke ich es langsam. Sie hat mir eine gescheuert. "Lüg mich nicht an!", schreit sie wütend. Ich halte mir die Wange, wende meinen Blick aber nicht von ihr ab:"Ich lüge nicht!" "Doch, das tust du", ruft sie aufgebracht. Scheiße, was soll ich jetzt tun? "Nein ich lüge nicht", gebe ich verzweifelt zurück. Ich will unbedingt, dass sie mir glaubt. Sie muss mir glauben, sonst bin ich verloren.

Erneut jagt ein starker Schmerz durch meinen Körper, doch dieses Mal will er nicht aufhören. Er strömt von meinem Kopf zu meinen Füßen. Ich spüre wie mein Herz zu rasen und mein Atem sich zu beschleunigen beginnt. Was geschieht mit mir? Wer tut das und warum? Ich sinke zu Boden, schaffe es aber noch meinen Kopf erhoben zu halten. Da erkenne ich auch die Quelle meines Schmerzes.

Es ist diese verdammte Frau. Sie hat ihre Hände auf mich gerichtet und ich sehe zu wie aus ihren Fingern blaue Blitze zu strömen beginnen. Was tut sie mit mir? Ein lauter, schmerzerfüllter Schrei entflieht meinen Lippen. Jemand soll dafür sorgen, dass es aufhört. Diese Schmerzen sind unerträglich. Am liebsten würde ich mir die Haut vom Körper reißen, um das alles nicht mehr spüren zu können. Es scheint als würde das Blut, das durch meine Wehnen fließt, sich erwärmen und zu kochen beginnen. Meine Schreie werden immer lauter und schmerzerfüllter.

Bitte Elementarier, wenn ihr wirklich existiert, helft mir. Rettet mich aus dieser Situation und ich werde echt versuchen meine Kräfte sinnvoll ein zu setzen, aber bitte rettet mich.

Als ich diesen Gedanken zu Ende gedacht habe, hört der Schmerz plötzlich auf und ich kann muss meine Gedanken erst einmal ordnen. Mein Herz hört auf zu rasen und meine Atmung normalisiert sich langsam wieder. Auch mein Blut kühlt sich langsam wieder ab. Das Gefühl ist so berauschend und einfach nur wunderbar. Diese Schmerzen will ich nie wieder spüren.

Ich hebe meinen Kopf wieder und sehe weshalb die ganz in Schwarz gekleidete von mir abgelassen hat. Sie hat sich zu ihrem Thron zurück gezogen und ihr ganzer Körper strahlt Angst aus. Doch wovor hat sie Angst? Ihr Blick ist auf etwas hinter mir gerichtet, weshalb ich hinter mich blicke.

Durch diese schnelle Reaktion kann ich gerade noch sehen wie das Mädchen aus meiner Vision sich vor den Männern, die mich hergebracht haben, aufbaut und ihre Hände ausstreckt. Diese wirken uninteressiert und nicht so als würde es ihnen etwas ausmachen, dass sie da ist, doch die Angst von Miss Jackson zeigt mir deutlich, dass sie lieber Angst haben sollten. Diese Vermutung wird mir bestätigt alt das braunhaarige Mädchen ihre Augen schließt und ihre Hände leicht schließt.

Noch bevor ich die Stirn runzeln kann, hält sie zwei vor Blut triefende Herzen in den Händen. Mir entfährt vor lauter Schreck ein leiser Schrei und ich bewege mich unter starken Schmerzen ein paar Zentimeter von ihr weg. Wessen Herzen sind das? Hat sie die Herzen irgendwie her gezaubert oder sie irgendwem mit ihren Kräften heraus gerissen?

Als zwei der Männer wenige Sekunden später zusammen brechen, wird meine Frage beantwortet. Herausgerissen also! Hätte ich nicht gewusst, dass dieses Mädchen die Luft beherrscht, wäre ich wahrscheinlich auf der Stelle davon gelaufen, doch irgendwie tue ich es nicht. Sie ist wie ich, nur ein bisschen blutrünstiger. Auch sie hat Kräfte wie kein andere auf dieser Welt!

Nun geraten auch die Männer, wie Miss Jackson vor ihnen, in Panik und verstreuen sich im Raum, darauf bedacht so viel Abstand wie möglich von dem Mädchen zu nehmen.

Sie lässt die Herzen fallen und kommt auf mich zu. Ich weiche aus nicht zurück. Meine Angst ist wie weg gefegt. Aus einem total unerklärlichen Grund vertraue ich ihr. Hilley meinte, dass sie in Gefahr ist und wenn sie mich umbringen wollen würde, hätte sie das schon längst getan. Ob sie weiß, dass ich auch eine Erbin bin?

Vor mir bleibt sie stehen und hält sie mir eine ihrer blutüberströmten Hände hin. Ich ergreife sie ohne zu zögern. Von ihr geht eine unglaubliche Wärme aus, die mir die Stärke zurück gibt.

Aus dem Augenwinkel nehme ich jedoch plötzlich einen blauen Blitz war, der mit Lichtgeschwindigkeit auf mich zu zischt. Schnell kneife ich die Augen zusammen und mache mich auf den stechenden Schmerz gefasst, doch dieser bleibt mir verwehrt.

Schon bevor ich meine Augen öffne, weiß ich, was geschehen ist. Ein leichter Wind weht durch den Saal, der die Haare meiner Partnerin durcheinander wirbelt. Sie wirkt stark und ich sehe ihre Entschlossenheit. Nein, das ist keine Entschlossenheit. Es ist Wut. Ungezügelte und uneingeschränkte Wut.

Ich drehe mich um. Dort schwebt der Blitz wie eingefroren nur einige Zentimeter von mir entfernt. Oh Gott, das war total knapp! Sie hat mich also gerettet und will echt nicht, dass mir etwas geschieht.

Ihre freie Hand erhebt sie und lässt, mit einem Schrei, einen starken Wind durch den Saal fegen, der die Männer gegen die harten Steine und den Blitz auf die Frau schlaudert. Darauf folgt ein lautes Knackkonzert brechen der Genicke, als die Männer gegen die Wände prallen und ein schmerzerfüllter Schrei der Frau, die mich töten wollte.

Ich will meinen Blick gerade durch den Saal voller Leichen schweifen lassen, da umklammert das Mädchen meine Hand fester und zieht mich mit sich. Ich weiß nicht wohin sie will, doch ich vertraue ihr. Die im wahrsten Sinne des Wortes, zu einer Leichenhalle gewordene Halle, lassen wir so wie sie ist zurück.

Als wir endlich irgendwo stehen bleiben, vernehme ich eine vertraue Stimme, die meinen Namen ruft. Wir beide fahren sofort herum. Meine Miene hellt sich mit einem Schlag auf. Dort steht Hilley mit Ruby und einem weiteren unbekannten Mädchen im Schlepptau. Tränen steigen mir in die Augen und meine Emotionen scheinen mich zu beinahe zu überwältigen. Ich bin überglücklich sie endlich wieder zu sehen.

So schnell ich kann renne ich auf sie zu. Das Luftmädchen folgt mir schnellen Schrittes. Bei den Menschen, die in den letzten zwei bis drei Tagen zu meiner Familie geworden sind, angekommen, will ich Hilley und Ruby, ja auch Ruby, in die Arme nehmen, doch Hilley hält mich auf:"Dafür haben wir jetzt keine Zeit, Stella. Wir müssen hier sofort raus, sonst kann ich nicht für eure Sicherheit garantieren!" Ich nicke schnell und reiße mich zusammen.

Das unbekannte Mädchen, welches Hilley bei sich hatte, streckt die Hände aus. Ich schaue fragend die Anderen an. "Fast euch an den Händen", Hilley ergreift die rechte Hände des Mädchens, während Ruby die Linke nimmt. Ich nehme Rubys und Hilley die des Luftmädchens. So machen wir weiter und bilden so einen kleinen Kreis. "Und jetzt?", frage ich. "Einfach nicht loslassen", befiehlt Hilley. Ich schließe meine Finger fester um die Hände der Anderen und dann sind wir plötzlich verschwunden.

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