Teil 1: Hüter der Zeit ║ Prolog: Metamorphose + Das Erwachen der Raupen

Papilionis – Hüter der Zeit

 

Prolog: Metamorphose

 

Es gibt vielleicht kein größeres Wunder als die Metamorphose. Aus einem Lebewesen wird ein völlig anderes Tier. Vielleicht ist die neue Form größer und stärker. Vielleicht ist sie schneller, schöner oder höher entwickelt. Auf jeden Fall ist sie anders.

Aus einer hungrigen Raupe wird nach einem Leben und wenigen Stunden ein Schmetterling. Das Tier, das sich bisher an den Boden gefesselt von grünen Blättern ernährt hat, schwebt nun sacht durch die Lüfte und trinkt goldenen Nektar. Es entdeckt eine vollkommen neue Welt, neue Möglichkeiten und neue Freiheit.

Noch immer gibt es Feinde und Gefahren, doch der Schmetterling hat Tarnung und Kriechen aufgegeben. Er fliegt, und er stellt sich der Welt um ihn herum.

Doch Schmetterlingsflügel schlagen schnell und sind zerbrechlich. Und meist lebt die Raupe deutlich länger als der Schmetterling.

 

 

 

Teil 1: Das Erwachen der Raupen

 

Der Strom der Zeit erwachte. Es war so weit. Wie ein Atemholen verlangsamte plötzlich etwas die Zeit. Der Strom floss zäh und träge, als würde seine Masse zurück gezogen, zur Quelle. Zum Ursprung aller Zeit. Drei Herzschläge dröhnten laut und langsam. Die Erde bebte für wenige Sekunden, die sich atemlos lang streckten. Nur vier Menschen bemerkten die Veränderung. Sie sahen auf die Sekundenzeiger, die plötzlich still standen. Dann lief die Zeit weiter und die Sekunden schlugen wieder. Der Atem floss ruhig und normal. Was war geschehen? Nur vier Menschen wussten es: Zwei neue Schmetterlinge waren geschlüpft.

 

Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ

 

Caspar schlug keuchend die Augen auf und schlug um sich, als drohte er, in einem Meer zu ertrinken. Er rollte sich auf den Bauch, schnappte nach Luft und hustete.

Er erwartete, dass kaltes Wasser über sein Gesicht lief und seine Kleider durchnässte. Er rechnete fest damit, einen Schwall Wasser auszuspucken und durchsichtige Tropfen von seinen Haarspitzen fallen zu sehen. Er dachte, er wäre in einem kalten Eismeer.

Aber da war nichts. Kein Wasser, kein Meer. Als Caspar seinen Atem beruhigte und seine Kleidung abklopfte, stellte er fest, dass sein Schlafanzug trocken war.

 

Keuchend drehte Caspar sich zurück auf den Rücken und rieb sich mit der gesunden Hand die Schläfen. Was für ein verrückter Alptraum! Er hätte schwören können, dass er grade mitten im Atlantik ertrank! Verwirrt blinzelnd ließ er die Hand sinken. Er war noch immer orientierungslos. Warum sah seine Zimmerdecke so seltsam aus? Er erkannte sie nicht. Misstrauisch kniff er die Augen zu schmalen Spalten zusammen. Seine Decke hatte doch keine Sterne aufgemalt!

Caspar tastete über das ungewohnte Bett und wunderte sich. War er bei einem Schulfreund zum Übernachten? Er konnte sich nicht erinnern. Seine Finger ertasteten auch keine Bettwäsche und keine Decke, sondern etwas weiches, fadenartiges.

Caspar umklammerte die Dinge und riss an ihnen. Ein Ruck und er hielt etwas in der Hand. Als er es vor sein Gesicht hielt, starrte er auf dünne Halme. Im hellen Mondlicht erkannte er Gras.

 

„Was zur Hölle - ?“, Caspar fuhr auf und sprang auf die Füße. Für einen Moment kämpfte er um sein Gleichgewicht auf dem unebenen Boden. Sein linker Fuß war verkrüppelt und drohte, unter dem Gewicht nachzugeben. Wild mit den Armen rudernd blieb Caspar schließlich stehen.

Es bestand kein Zweifel: Er stand auf einer trockenen, grünbewachsenen Ebene. Seine nackten Zehen gruben sich in die kalte Erde. Verwirrt sah Caspar sich um.

Vor dem dunklen Himmel ragten schwarze Schatten bis in die Sterne. Es schienen massige Gebilde zu sein, die Caspar im ersten Moment für kleine Türme hielt. Als er eine Hand darauf legte, ertastete er kalten Stein.

Es waren unbehauene Steine, die mehrere Meter in die Höhe ragten. Sie bildeten einen großen Kreis, in deren Mitte ein weiterer Stein stand. Um den unregelmäßigen Kreis herum standen weitere Steine.

 

Caspar wurde schwindelig und er strich sich die Haare aus der Stirn zurück. Wo war er hier? Und wieso trug er nur seinen Schlafanzug? Während er noch überlegte, hörte er plötzlich ein Geräusch, ein leises Kratzen. Caspar zuckte zusammen und huschte in den Schatten eines der riesigen Steine. Als er sich dort duckte, trat eine dunkle Gestalt auf der anderen Seite in den inneren Kreis. Die Gestalt schlich durch den Schatten. Caspar konnte nicht viel mehr als ein unförmiges Kleid erkennen. Während er noch überlegte, welche Kinderfresser hier herumlaufen konnten – wobei dieses »hier« ebenfalls ein Problem darstellte – wandte sich die Gestalt dem heller werdenden Himmel zu. Das Mondlicht fiel auf das Gesicht eines jungen Mädchens. Caspar atmete aus und rief leise: „Hallo?“

Das Mädchen zuckte beim Klang seiner Stimme zusammen, so wie Caspar zuvor. Sie blieb geduckt stehen, einen unförmigen Gegenstand in der linken Hand.

Caspar verließ sein Versteck mit erhobenen Händen: „Ich wollte dich nicht erschrecken!“

Das Mädchen zischte leise, während Caspar in die Mitte des Steinkreises ging und einen Steinwurf von ihr entfernt stehen blieb.

 

Sie musterte ihn und richtete sich dann scheinbar entspannt auf: „Wer bist du?“

Ihre Stimme war kehlig und rau. Caspar konnte verfilzte, braun-graue Haare sehen, die ein grobknochiges Gesicht mit einer großen Nase umrahmten. Die Augen des Mädchens lagen tief in ihren Höhlen und huschten flink über Caspars Körper auf der Suche nach versteckten Waffen. Für einen Moment verharrte der Blick auf seiner linken Hand, die nach innen geknickt war und auf dem linken Bein, dessen Fußspitze sich ebenfalls nach innen schob.

„Ich bin Caspar.“, sagte Caspar, der sich unauffällig in den linken Arm kniff. Langsam kam ihm alles vor wie ein schlimmer Traum. Aber er wachte nicht auf, obwohl ihm die Schmerzen durch den Arm schossen.

„Ich heiße Jane.“, sagte das Mädchen langsam. Beim Sprechen bewegte sie die Hände, als müsste sie gestikulieren: „Wo bin ich?“

Caspar zuckte mit den Schultern und sah sich um. Der Himmel färbte sich langsam rot, und die Steine standen noch immer wie dunkle Bedrohungen um sie herum.

„Ich habe keine Ahnung.“, langsam drehte er sich im Kreis. Jane betrachtete ihn misstrauisch. Caspar bemerkte, dass sie einen Stein in der linken Hand hielt, der erstaunlich scharf aussah. Er machte einen Schritt zurück und deutete darauf: „Du wolltest mich doch nicht angreifen, oder?“

Jane legte den Kopf schief und zuckte mit den Schultern: „Ich wollte mich verteidigen.“

Mit entsetztem Blick ließ Caspar den Blick über das fremde Mädchen wandern, das ihm bis zur Schulter reichte. Sie trug seltsame, formlose Kleidung aus … Fell? Es schien tatsächlich das Fell irgendeines gefleckten Tieres zu sein. Um die Hüfte hielt ein Lederband das Kleidungsstück zusammen. Caspar bemerkte, dass das Mädchen seinen Schlafanzug mit Autos ebenso verständnislos musterte, wie er ihre Steinzeitaufmachung.

Das alles war ihm nicht geheuer. Er schlang die Arme um den Oberkörper und blies Luft durch die Wangen: „Du bist bestimmt irgendeine von diesen LARPern, oder? Es gibt für das hier eine logische Erklärung?“, fragte er mit zitternder Stimme.

Jane sah sich um: „Ich bin nicht hier eingeschlafen. Aber ich bin hier aufgewacht. Und es ist wärmer geworden.“

Caspar klapperte mit den Zähnen: „Also, mir ist kalt.“ Er trat von einem Bein auf das andere: „Was machen wir jetzt? Wir müssen jemanden finden -“

 

„Sch!“, machte Jane heftig zischend wie eine Schlange. Sie duckte sich und presste einen Finger auf die Lippen. Caspar erstarrte mitten im Satz. Als er grade schon fragen wollte, was los sei, hörte er es auch: Stimmen näherten sich.

Jane schlich geduckt in den Schatten eines Steines. Caspar folgte ihr auf steifen Beinen. Während Jane sich vollkommen geräuschlos bewegte, raschelte das Gras unter Caspars Schritten.

Sein Atem stieg als kleine Wolke vor seinem Gesicht auf. Es wurde langsam heller – anscheinend ging die Sonne auf. Lange würden ihnen die Schatten der Steine keine Deckung mehr geben.

Plötzlich erstarrte er, an eine Felswand direkt neben Jane gepresst. „Ach du heilige Scheiße!“, entfuhr es ihm.

Jane drehte sich um und machte erneut „Sch!“

„Das ist Stonehenge!“, flüsterte Caspar aufgeregt. „Wir sind im Stonehenge!“

Jane sah ihn verständnislos an: „Was?“

Bevor Caspar antworten konnte, ertönte plötzlich ein lauter Ruf: „Hallo? Jemand zuhause?“

Es war die rauchige Stimme einer Frau. Anscheinend war sie sehr nah. Caspar und Jane hielten die Luft an. Caspar zitterte, nicht nur vor Kälte. Das alles konnte doch nur ein Traum sein! Es war unmöglich, dass er nur mit seinen Schlafanzug bekleidet durch das Stonehenge marschierte!

Die Frauenstimme ertönte wieder: „Hallo! Ist hier jemand?“

Caspar beugte sich leicht vor: „Sind das noch mehr Leute, die hier aufgewacht sind?“

Jane legte eine Hand auf seine Brust und schielte um ihn herum. Caspar rümpfte leicht die Nase, als ihm der Geruch nach Schweiß und Dreck in die Nase stieg, der von dem kleinen Mädchen ausging.

„Es sind vier.“, knurrte sie. „Keine Waffen.“

Caspar lehnte sich von ihr weg und weiter aus der Deckung. Jetzt konnte auch er die vier Gestalten sehen, die durch die Steine hindurch auf die Mitte des Kreises zugingen. Im Licht der Dämmerung erkannte er vier Gestalten in uniform grauer Kleidung. Zwei Frauen, einen alten Mann und...

 

„Papa?“, Caspar stolperte aus der Deckung heraus, ohne dass sein Gehirn den Befehl an die Muskeln gegeben hatte.

„Caspar?“, fragte der hochgewachsene Mann und Entsetzten malte sich auf seinen Zügen ab: „Du?!“

Knapp einen Meter voreinander blieben die beiden stehen. Der dunkelhaarige Mann starrte auf den schlaksigen Jungen mit den unordentlichen, roten Haaren und der verkrüppelten linken Seite herab herab. Der Junge sah den streng wirkenden Mann an wie einen Fremden.

„Was geht hier vor?“, flüsterte Caspar schließlich. Ein leises Rascheln verriet Jane, die sich ebenfalls aus der Deckung wagte und hinter Caspar zum Stehen kam.

Sein Vater antwortete nicht. Stattdessen drehte er sich zu seinen drei Begleitern um: „Das ist mein Sohn! Das geht nicht!“

Caspar zuckte zusammen. Sein Vater hatte ihn noch nie verteidigt. Die ganze Situation kam ihm so überaus falsch vor. Überhaupt, sein Vater hatte selten ein Wort mit ihm gewechselt. Caspar konnte nicht behaupten, dass die Anwesenheit dieses Mannes die Situation erträglicher machte.

Eine der beiden Frauen trat nach vorne und legte Caspars Vater eine Hand auf die Schulter: „Der Strom der Zeit hat entschieden, Liam. Wir können uns nicht widersetzen.“ Es war eine recht junge Frau, mit kupferfarbener Haut und großen, rehbraunen Augen. Sie hatte schwarze, lockige Haare, die ihren Kopf wie eine kleine Wolke umgaben. Caspar kannte sie nicht. Warum sprach sie auf diese vertraute Weise mit seinem Vater?

 

„Das geht nicht!“, wiederholte Caspars Vater. „Nicht mein Junge! Nicht auch noch er!“

Caspar spürte, wie er fröstelte. Nicht auch noch er? Was meinte sein Vater?

Die dunkelhäutige Frau zog Caspars Vater sanft nach hinten. An ihrer Stelle trat die zweite Frau vor. Sie war bereits älter und hatte weiße Haare, deren Spitzen hellblau eingefärbt waren. Die Haut war so bleich wie das Mondlicht, nur die Augen feurig rot. Sie lächelte Caspar an und offenbarte unheimlich große Zähne. Obwohl ihre Haare weiß waren, schien sie nicht älter als vielleicht gut erhaltene sechzig zu sein. Sie wirkte sportlich.

 

„Du musst also Caspar Baker sein.“, sagte die Frau: „Ich habe schon einiges von dir gehört. Sylvester erzählt viel von dir.“

Sie warf Caspars Vater einen schnellen Blick zu. Caspar erinnerte sich, dass er den vollen Namen seines Vaters – Sylverster Liam Baker – auf dessen Ausweis gesehen hatte. Allerdings gab es niemanden, der noch >Sylvester< zu dem strengen Mann sagte.

Die Frau streckte Caspar eine Hand entgegen: „Mein Name ist Lydia Iphigenia Hope Phoenix. Du kannst Lydia sagen.“

Automatisch schüttelte Caspar die erstaunlich dürre Hand. Der Name sagte ihm nichts. Die Haut der Frau war trocken wie Papier und er konnte die Fingerknochen und Sehnen darunter spüren. Trotzdem war Lydias Griff kräftig.

Die weiße Frau deutete der Reihe nach auf die anderen drei:

„Das ist Dakuri:“ Der zweite Mann trat vor, mit wettergegerbter, brauner Haut, einer runzeligen Glatze mit nur noch wenigen Haaren um die Ohren und einem schlohweißen Bart, der ihm bis zu den Knien ging.

„das ist Daria Villasana:“, die junge Frau, die Caspars Vater noch immer am Arm hielt.

„und das ist Sylvester Liam Baker.“ Caspar wollte schon sagen, dass ihm das durchaus klar war, da bemerkte er, dass Lydia sich auch an Jane gewandt hatte. Das Mädchen kam jetzt vorsichtig näher. Caspar bemerkte, dass sie ihren scharfkantigen Stein misstrauisch umklammert hielt.

Sie betrachtete alle unter dichten Augenbrauen hervor: „Ich heiße Jane.“, sagte sie langsam. Die kurzen Finger ihrer freien Hand öffneten und schlossen sich wieder zur Faust. Caspar sah schwarze Streifen unter den Fingernägeln.

 

Lydia lächelte unvermindert: „Ich freue mich, Jane und Caspar! Ihr habt sicherlich viele Fragen, die wir - “

„Wo bin ich?“, riefen Caspar und Jane gleichzeitig.

Lydia brach irritiert ab: „Im Stonehenge. In der Nähe von Amesbury in England.“

„Ja, aber wie sind wir hierher gekommen?“, hakte Caspar nach. Seine Stimme stieg ein wenig in die Höhe: „Wie bin ich hierher gekommen und warum habe ich nur meinen Schlafanzug an?“

„Ach ja.“, sagte Lydia. „Tja, dazu wollte ich grade kommen! Es ist nämlich so - “, sie wurde erneut unterbrochen.

„Ihr seid Papilionis.“, sagte Caspars Vater. „Zeitreisende, wenn ihr so wollt. Der Strom der Zeit hat euch ausgewählt. So wie uns vor vielen Jahren.“

„Was?“, fragte Caspar entsetzt und verwirrt. Sein Vater lächelte freudlos: „Wir haben es alle zuerst nicht geglaubt. Aber so unwahrscheinlich es auch klingt, es ist wahr. Wir können durch die Zeiten reisen – und durch den Raum auch, nebenbei bemerkt.“

Caspar schüttelte mit offenem Mund den Kopf: „Das glaube ich nicht!“

„Du wirst.“, widersprach sein Vater: „Du gehörst jetzt zu uns. Ihr beide seid die nächste Generation an Papilionis. Ihr könnt euch dieser Verantwortung nicht entziehen.“

Caspar starrte auf die vier ernsten Gesichter, die ihn betrachteten, allesamt aus dem scheinbar identischen grauen Kragen heraus: „Ihr seid verrückt!“

Hinter ihm schnaubte Jane zustimmend: „Wahnsinnige!“

Caspar verschränkte die Arme und brachte zwei stolpernde Schritte zwischen sich und die vier Erwachsenen. Schließlich stand er neben Jane: „Wieso sollten wir euch glauben?“

„Reicht es euch, dass ihr auf unerklärliche Weise aus eurem Bett heraus im Stonehenge gelandet seid, und zwar...“ Caspars Vater sah auf seine Uhr am Handgelenk: „um 1600 v. Chr., kurz nachdem Stonehenge verlassen wurde?“

Caspar starrte seinen Vater sprachlos an: „Was?“

„Kurz vor Sonnenaufgang am 22. Juni.“, fügte Dakuri hinzu. Der alte Mann hatte bisher geschwiegen und nur nachdenklich den Himmel betrachtet.

„Natürlich, es sind Sommerschmetterlinge.“, sagte Daria grinsend.

„Der 22. Juni?!“, entfuhr es Caspar: „Es ist doch August!“

„Es war Winter!“, zischte Jane neben ihm.

 

Die vier Erwachsenen schüttelten ihre Köpfe: „Zeit spielt keine Rolle.“, sagte Lydia.

Caspar spürte, dass ihm schwindelig wurde. Jane neben ihm atmete schwer und war scheinbar ebenso verwirrt.

„Beruhigt euch.“, sagte Caspars Vater. „Ihr werdet alles noch früh genug verstehen. Ich kann euch beiden versichern, dass euch keine Gefahr droht – jedenfalls auf keinen Fall hier und jetzt.“

Caspar hatte keineswegs vor, sich derartig abspeisen zu lassen. Doch sein Kopf schwirrte so vor Fragen, dass er keine einzige formulieren konnte.

Als die Sonne langsam aufging, wandten die Erwachsenen dem hellen Licht die Gesichter zu. Daria lächelte die beiden Kinder freundlich an: „Ihr habt sicher viele Fragen. Wir bringen euch jetzt in unser Quartier, dort werden wir einige klären können.“

Die Erwachsenen fassten sich an den Händen und bildeten eine Reihe. Der alte Dakuri fasste die Hand von Caspars Vater Liam, und der wiederum legte Caspar seine Hand auf die Schulter. Lydia fasste die Hand von Daria, und Daria die Hand von Jane, bis sie zwei gespiegelte Gruppen darstellten, vom ältesten Mann zum jüngsten und von der ältesten Frau zu Jane. Caspar und Jane standen nebeneinander, beäugten sich kritisch und fassten dann die Hand des jeweils anderen.

„Nicht loslassen.“, schärfte Liam ihnen ein. Die Kinder nickten folgsam, dann leuchtete die Welt um sie auf.

 

Ihre Füße verloren den Boden. Goldenes Licht wie der Sonnenschein hüllte sie vollkommen ein, und ein Geruch wie süßer Honig entstand. Dann folgte ein Ziehen in der Magengrube, als wäre man auf einer Achterbahn und plötzlich im freien Fall.

Im nächsten Moment standen alle sechs in einem achteckigen Raum, der von einem Kronleuchter erhellt wurde.

Daria trat hinter die Kinder und legte jedem von ihnen eine Hand auf die Schulter: „Willkommen, Caspar. Und willkommen, Jane. Der Strom der Zeit hat euch angenommen.“

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Zeichnung von Ifrit van Nox: http://ifritnox.deviantart.com/art/Papilionis-624692367

Comments

  • Author Portrait

    Diese Geschichte klingt wirklich interessant, ebenso wie das erste Kapitel ^^ Ich mag vor allem auch den Vergleich zwischen der Metamorphose eines Schmetterlings und der so plötzlich auftauchenden Bestimmung der beiden Papilionis... Mal wieder großartige Arbeit!

beta
Fairy Dust

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