Gedanken

Krul sah aus dem Fenster ihres Palastes. Unten auf den Straßen der Stadt liefen die Menschenkinder herum, die sie gerettet hatten. Sie durften sich in der Stadt frei bewegen, nur einmal alle drei Tage mussten sie Blut spenden gehen. Krul hatte das Gesetz erlassen, dass kein Vampir im Stadtbereich Menschen beißen durfte und überraschenderweise hielten sich ihre Untertanen daran. Und doch wusste sie, dass die Menschenkinder sich hier nicht sehr wohlfühlten. Sie wusste, dass sie nicht einer unterirdischen Stadt, fern von der Sonne leben wollten, doch sie hatte keine andere Wahl, als sie hier festzuhalten. Sie hatte Omnix versprochen es zu tun, weil die Menschen an der Oberfläche zu gefährlich waren und weil inzwischen schon ganz andere Grauen aus dem Erdinneren gekommen waren, die bisher nur in Legenden existierten. Doch die große Katastrophe, die neunzig Prozent der Menschen auslöschte hatte auch bewirkt, dass diese Monster wiedererweckt wurden. Krul betrat die Außenwelt nur manchmal. Sie glich einem Ödland, voller Ruinen und die Natur holte sich langsam aber sicher das wieder, was die Menschen ihr genommen hatte. Nur wenige Siedlungen existierten noch, abseits der großen befestigten Stadt der Menschen. Krul hatte kein Interesse an den Menschen, die dort lebten. Es waren die Bastarde, die mit schwarzer Magie gescherzt haben und so die Apokalypse hervorgerufen haben. Solange sie in ihrer Stadt blieben, sollten sie ihr egal sein. Und doch war das Mädchen besorgt, da diese Menschen sie als Monster darstellten, weil sie die Kinder genommen hatten. Krul wusste, dass der Versuch, ihnen alles zu erklären und Frieden zu stiften, nichts bringen würde. In ihren Augen waren die Vampire die Bösen. Die Bösen würden sich niemals als böse identifizieren. Bei dem Gedanken seufzte Krul innerlich. Die Vampire bezeichnen sich auch nicht als böse. Sie wollten nur überleben und dafür mussten auch Menschen existieren. Doch die Menschen wollten sie alle auslöschen. In Kruls Augen war das der Beweis, dass die Menschen egoistischer waren, als ihr Volk. Sie sah wieder auf die Kinder, die gerade Ball spielten. Omnix war gerade bei diesen Menschen. Er lebte unter ihnen, um Informationen zu sammeln und um herauszufinden, was sie als nächstes vorhatten. "Diese Leute werden euch vernichten wollen", hatte der Reinkarnitor gesagt. "Aber ich würde eher sterben, als zuzusehen, wie eine Rasse von der Erde verschwindet." "Warum tust du das?", hatte Krul ihn daraufhin gefragt. "Willst du nicht eher, dass deine Rasse überlebt?" "Das tut sie auch dann, wenn ihr überlebt. Menschen können immer alleine überleben, aber ihr braucht sie, um das zu tun. Darum helfe ich euch und nicht ihnen, die sich keiner Schuld bewusst sind." Krul musste schmunzeln, als sie sich an seine Worte erinnerte. In seinen Augen waren also wirklich ihre Leute die Guten. Und obwohl sie sich eigentlich nie darum geschert hatte, was Menschen von ihr dachten beruhigte dieser Gedanke die Vampirkönigin von Japan ein wenig.

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