Kapitel 6


Wie versteinert saß ich auf meinem Stuhl. In meinen Ohren dröhnte lautstark mein Herzschlag. Ich konnte es noch nicht fassen. War das wirklich passiert? Hatte ich richtig gehört? Oder war es nur ein böser Traum? War ich wirklich in der letzten Gruppe zusammen mit den zwei Streithähnen Taylor und Andrew? Der Tag wurde immer schlimmer. Zuerst verschlafe ich, dann nimmt auch noch ausgerechnet Haven das Buch in dem ich den Brief von Taylor versteckt hatte und jetzt musste ich mit den beiden Obermachos unseres Jahrganges meine Prüfung absolvieren. Schlimmer konnte es eigentlich nicht mehr werden.

Doch! Ich hätte auch in einer Gruppe mit Magnus landen können! Meldete sich mein Verstand zu Wort. Auch wieder wahr! dachte ich und schielte in die Mitte des Raumes wo er saß.

Wie immer war er von einer Traube Mädchen umgeben die in bewundert anhimmelten. Mit seinen fast zwei Metern Größe, seinem Muskulösen Oberkörper und immer perfekt gestylten schwarzen Haaren sah er gut aus. Verboten Gut! stellte ich genervt und mit einem flauen Gefühl im Magen fest.

Geschockt bemerkte ich zu spät, das Magnus sich zu mir umgedreht hatte und mir jetzt breit grinsend mit seinen grünen Augen zu zwinkerte.

Schnell wandte ich mich mit hochrotem Kopf wieder ab. Dumme Raven! Jetzt wird er dich für einen seiner Fans halten die ihm den ganzen Tag nachliefen, anhimmelten und sich abwechselnd in seinem Bett wälzten! Aber nicht mit mir! An mir wird er sich die Zähne ausbeißen! Dachte ich im Stillen und musste grinsen, den mir war gerade ein Gedanke gekommen der viel Spaß bedeutete.

Mit einem kurzen Blick in Magnus Richtung stellte ich fest, dass er mich mit einem nachdenklichen Blick beobachtete. Das schien der schwarzhaarigen Tussi die neben ihm saß gar nicht zu gefallen. Verzweifelt versuchte sie seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Als sie verstand, wem sein Blick gebührte, straffte sie mich mit einem finsteren Blick der mir nur ein müdes lachen entlockte. Beleidigt von meiner Reaktion und das Magnus ihren Brüsten keine Aufmerksamkeit mehr schenkte, verschränkte sie ihre Arme und schmollte. Was für eine Intelligenzbestie! dachte ich grinsend.

Was dachte sich diese Tussi? Ich würde Konkurrenz für sie werden? Davon träumte er doch nur!

Ein Seufzen holte mich aus meinen Gedanken.

Ich wandte meinen Kopf in die Richtung aus der das Geräusch gekommen war und sah geradewegs in leuchtend blaue Augen.

„Das wird ja ein Spaziergang. Leichter hätten sie es uns nicht machen können.“ erklang die melodische Stimme von Andrew, dem Besitzer der leuchtend blauen Augen.

Er war größer als Taylor, hatte braune kurze Haare und war, genau wie Magnus, der absolute Mädchenschwarm hier in der Akademie. Kurz gesagt: Er war ein Arrogantes, Selbstverliebtes Arschloch, der keinen Finger rührte und lieber andere arbeiten ließ. Allerdings musste ich zugeben, dass ich lieber mit ihm in einer Gruppe war als mit Angela oder Destiny. Er konnte kämpfen. Das hatte ich am eigenen Leib oft genug erfahren.

Taylor schnaubte gereizt. „Ja klar. Wir machen die ganze Arbeit und du holst dir das Lob für etwas was du nicht mal getan hast,“ sprach er meine Gedanken laut aus. Seine Augen funkelten wütend zu Andrew der vor uns saß. Das wird ein schwieriger Tag werden, wenn sie jetzt schon Stritten obwohl die Prüfung noch nicht mal begonnen hatte.

Seufzend ließ ich mich in meinen Stuhl zurückfallen.

„Hört auf zu streiten. Ihr müsst in der Prüfung zusammenarbeiten, schon vergessen? Ich muss diese Prüfung bestehen und ich glaube ihr wollt sie doch auch schaffen. Oder täusche ich mich?“ Ich sah verärgert von einem zum anderen. Beide knurrten etwas was ich als 'Ja' auffasste. „Na also. Dann sind wir uns ja einig,“ beendete ich das Gespräch zufrieden. Andrew nahm sich seinen Stuhl und setzte sich neben Marvin.

Der Direktor ergriff wieder das Wort. „Nun da wir alle Teams haben, lassen wir die Prüfungen beginnen. Team eins steht ja schon in den Startlöchern. Der Rest von euch wartet einfach bis ihr aufgerufen werdet. Ich wünsche euch allen noch einmal viel Glück.“ Mit diesen Worten verließ er den Raum. Leises Getuschel erhob sich.

„Wie lange werden wir jetzt hier warten müssen?“ wisperte mir Marvin aufgeregt ins Ohr.

„Für meinen Geschmack zu lange,“ Murmelte ich und begann wieder nervös rum zu zappeln. Geduld war eine der Eigenschaften die ich nicht besaß. Langsam bereute ich es heute überhaupt mein warmes Bett verlassen zu haben.

„Ich wünschte die Prüfung wäre schon vorbei. Was glaubst du erwartet uns da drin?“ seufzte Marvin leise. Das war eine Frage die mich auch schon länger beschäftigte.

Es war etwas vollkommen Neues das die Kriegerprüfung mitten im Dezember stand fand. Heuer zu Beginn des Schuljahres, am ersten September, teilte uns der Direktor in der alljährlichen Eröffnungsrede mit das wir nur bis Dezember Zeit hatten uns auf unsere Abschlussprüfung vorzubereiten, und nicht wie die Jahrgänge vor uns bis Juni. Ein Schock für die Schwächeren unter uns. Allerdings konnten diejenigen die heute durchfielen im Juni die Prüfung nachholen. Allerdings war das keine Option für mich, der Tochter eines Erzengels.

Die Prüfung soll auch anders ablaufen als bisher: Neu war schon das wir in Teams antraten und nicht alleine. Bis jetzt waren die Prüfungen so gewesen wie die Schaukämpfe: Ein Schüler trat gegen dem anderen an und wer den Kampf für sich entschied hatte die Prüfung bestanden. Nun war das nicht mehr so: Wir mussten eine Aufgabe im Team lösen. Das war alles was wir wussten.

„Na mit Sicherheit kein Teekränzchen mit deiner Oma, die uns Schokokuchen serviert,“ schnaubte Taylor. Er war mal wieder genervt. Was für eine Neuigkeit.

„Ich würde mich nicht mit meiner Oma anlegen wollen, wenn sie wütend ist. Überhaupt nicht, wenn sie ein Kuchenmesser in den Händen hält,“ erwiderte Marvin nachdenklich.

„Ich würde sagen, sie ist dann genau so gefährlich wie Taylor. Ein wütender Teddybär der mit Kaffeelöffeln um sich wirft,“ stänkerte Andrew belustigt und handelte sich damit einen Wütenden Blick von Taylor ein.

„Ich denke Marvins Oma ist um einiges gefährlicher als du,“ knurrte er.

Marvin neigte sich zu mir. „Du tust mir richtig leid, Raven. Mit den zwei Zankhähnen würde ich auch nicht in einem Team sein wollen,“ raunte er mir ins Ohr. Ich tat mir inzwischen selbst leid. Hätte ich den Schaukampf doch nur verloren, dann wäre ich im selben Team wie Marvin.

„Ich kann es leider nicht mehr ändern. Wenn ich es könnte würde ich es, glaub mir,“ seufzte ich.

„Hättest dir doch nur den Bogen an den Schädel hauen müssen,“ kicherte Marvin.

„Sie hätte nur auf dem Boden liegen bleiben müssen. Aber nein, sie muss mir ja ihr Bein in die Knie rammen,“ raunte Taylor verärgert.

„Glaubst du wirklich ich krieche vor dir im Staub? Lieber würde ich sterben,“ zischte ich wütend und funkelte ihn zornig an.

Taylor wandte sein Gesicht. Unergründlich sah er mich eine Weile an, bis er sich schließlich zu mir beugte. Sein warmer Atem streifte meine Haut. Wie erstarrt saß ich da.

„Das, meine Liebe, würde ich nie zulassen,“ hauchte er mir ins Ohr. Gänsehaut lief mir über den Rücken als sein warmer Atem meine Haut streifte. Hitze stieg in mir hoch.

„Warum sagst du so was, wenn du es doch nicht ernst meinst?“ wisperte ich mit zitternder Stimme.

„Ich meine es ernst, kleiner Rabe,“ erwiderte Taylor mit unverhohlenem Ernst in der Stimme.

Mit pochendem Herzen saß ich neben ihm und starrte ihn an. Das konnte er unmöglich ernst meinen.

„Das glaube ich dir nicht,“ hauchte ich kaum vernehmbar.

Mit unergründbarer Miene wandte er sich von mir ab. „Dann beweise ich es dir.“

Mit diesen Worten beendete er die Unterhaltung und ließ mich mit meinen Schuldgefühlen, die jetzt an mir nagten, alleine.

Die Zeit zog sich zäh wie Gummi. Immer wieder öffnete sich die Tür und ein Mentor trat heraus um eine Gruppe zu sich zu rufen. Die Aufgerufenen verabschiedeten sich von ihren Freunden und betraten nervös den Raum. Zurück kam keiner.

„Wo glaubst du ist der Ausgang von diesem Raum? Warum kommt keiner zurück?“ flüsterte mir Marvin nach zwei Stunden des Wartens schließlich ins Ohr.

„Ich weiß es nicht,“ gab ich zu. Je länger wir warteten desto mulmiger wurde mir. Ich hatte das Gefühl das hier ganz und gar etwas sehr schief gehen wird. Die Ganze Operation stand unter einem schlechten Stern.

Links von der Tür stand ein langer Tisch auf dem Wasser- und Saftkrüge standen und allerlei Häppchen. Doch schon allein durch den Gedanken an essen wurde mir übel.

„Du solltest mal was trinken, Raven. Sonst kippst du während der Prüfung um und ganz ehrlich ich habe keine Lust dich durch die Prüfung zu schleifen,“ meldete sich Taylor plötzlich zu Wort.

„Oh hast du das gehört, Marvin. Mister Ich-bin-eine-beleidigte-Leberwurst spricht zu uns. Er macht sich doch wirklich sorgen um mich. Ist das nicht süß?“ stänkerte ich verärgert. „Oder nein, halt. Er macht sich nur sorgen das er mich herumschleifen muss. Ich gebe dir einen Rat, Taylor. Sollte ich umkippen, lass mich liegen. Du schaffst zwar nicht die Prüfung, aber ich möchte auf keinen Fall eine Last für dich sein.“

Wortlos stand er auf und ging geradewegs zu dem Tisch.

„Muss ich euch zwei verstehen?“ verdutzt sah mich Marvin an.

Ich schüttelte nur den Kopf als Antwort. Was sollte ich auch darauf erwidern? Ich verstand uns ja selbst nicht.

„Wie ein altes Ehepaar. Man könnte fast neidisch auf ihn werden,“ ertönte eine tiefe hochnäsige Stimme plötzlich rechts von mir.

Ruckartig drehte ich mich um und sah noch wie Magnus sich mit einer fließenden eleganten Bewegung auf Taylors Stuhl niederlies.

„Was machst du hier, Magnus? Ist es dir zu langweilig geworden dir selbst beim Reden zuzuhören?“ warf ich ihm frech ins Gesicht.

Ein breites Grinsen entstand auf seinem Gesicht. „Dein freches Mundwerk würde ich dir nur zu gerne mal stopfen, Raven.“

„Träum weiter, Magnus. Ich bin keines deiner Hirnlosen Betthäschen,“ erwiderte ich ihm trocken.

„Wer sagt das wir es bis ins Bett schaffen, Süße?“ reagierte er schnell und zwinkerte mir zu.

„Magnus, geh und spiel mit deinen Barbiepuppen,“ zischte ich verärgert.

Langsam beugte sich Magnus näher. „Tu nicht so als würdest du es nicht auch wollen. Ich kann dir mehr bieten als er. Meine Tür steht dir immer offen, wenn du einen richtigen Mann willst.“

Mit einem letzten zwinkern erhob sich Magnus und schlürfte zu seinem Platz zurück. Als auch schon seine Gruppe aufgerufen wurde.

Stocksteif beobachtete ich wie er entspannt nach vorne ging und seinen Mentor mit einem lockeren Schlag auf die Schulter begrüßte.

„Für ihn ist das nur ein Spiel,“ bemerkte Taylor trocken und setzte sich auf seinen Stuhl.

„Na wenigstens muss er sich mit zwei Luschen rum ärgern,“ ergänzte Andrew grinsend. „Das hat er verdient.“

„Wie meinst du das?“ fragte ich neugierig als ich bemerkte das Magnus mit zwei mittelmäßigeren Schülern in einer Gruppe war. Magnus war normalerweise einer der Besten Kämpfer und bei Schaukämpfen genau wie Taylor unschlagbar. Nur nimmt er die Dinge nicht so ernst wie wir anderen! Ging es mir durch den Kopf.

„Ist einfach nicht gekommen, dieser Arsch,“ knurrte Andrew und klang dabei mehr wie eine versetzte Frau als ein Kämpfer. „Dabei hätte ich ihm gestern so gern die Fresse poliert.“

„Wo ist er nicht gekommen?“ fragte ich verständnislos.

„Zum Schaukampf, du Dussel. Er war mein Trainingspartner und zum letzten kam der Idiot einfach nicht. War mal wieder mit etwas ‚anderem‘ beschäftigt. Seine Strafe war das er zurückgesetzt wurde,“ grinste Andrew süffisant.

„Was für eine Neuigkeit,“ murmelte ich trocken, als auch schon die vorletzte Gruppe aufgerufen wurde. Marvin erhob sich zitternd.

„Viel Glück. Du schaffst das,“ rief ich ihm nach als er mit hängendem Kopf seinen Teammitgliedern folgte. Nun waren nur noch wir drei übrig. Plötzlich kam mir der Raum gespenstisch leer vor.

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