Part 16

Finn legte ein mörderisches Tempo durch den fast schon unnatürlichen Wald hin, der sich an der Küste erstreckte. Auf Fragen zu der für Argenshire ungewöhnliche Vegetation hatte er von einer vierten Ziehschwester erzählt, die durch ihre Kräfte den Wald entstehen lassen hatte, um den Bau von Katzus erst zu ermöglichen.
Liam packte ihn schließlich an der Schulter und zwang ihn zum anhalten. "Was ist los?", schrie er ihn an. Finn drehte sich zu den anderen um: "Ihr glaubt ja wohl nicht das Vanessa diese Lüge geglaubt hat? Sie spielt mit uns! Wir haben nicht mehr viel Zeit!" Eva trat nun vor ihn: "Warum muss man um meine Person so ein Geheimnis machen? Findest du nicht das du mir eine Erklärung schuldest?" Finn verdrehte die Augen: "Klappe halten Eva! Liam, wir müssen uns aufteilen! Du gehst mit Vernon nach Norden, ihr werdet dort in einen noch dichteren Teil des Waldes kommen! Eine gute Freundin von mir hat sich da zum Training mit ihren Leuten zurück gezogen, du musst sie nach Katzus holen! Sie kennt den Weg! Sag ihr sie soll Käse mitnehmen!" Liam musterte Finn angestrengt und versuchte heraus zu finden wovor der sonst so betont coole Zeitgenosse solche Angst hatte, und wofür er in dieser Situation Käse benötigen könnte. Er nickte schließlich und deutete Vernon ihm zu folgen. Eva blieb mit Finn zurück, dieser scheuchte sie einfach weiter und blieb ihr eine Antwort über das seltsame Verhalten schuldig. 
Nach wenigen Gehminuten erreichten sie einen wunderschönen Garten in dessen Mitte ein prächtiges Landhaus stand. "Wo sind wir?", fragte Eva wieder, aber Finn deutete ihr nur weiter zu gehen. Sie passierten das Haus und erreichten dahinter wieder den Wald, der sich ewig zu erstrecken schien. Schließlich blieb Eva einfach stehen, trotzig ballte sie ihre Hände zu Fäusten. Finn hielt genervt an und drehte sich herum, er wusste das sie keinen Schritt mehr machen würde ohne ein paar Antworten. Also begann er zu sprechen: "Du bist wichtig für Argenshire Eva, es gab einst einen Geist wie den von Amergyn, den weißen Tiger, aber er starb mit dem Fall des dunklen Artefakts. Dieser Geist hat sich in dem Moment seines Todes ein Gefäß gesucht um dort etwas zu hinterlassen damit das Land weiter existieren kann!" Eva starrte lange still auf den Boden vor ihm, dann schien sie zu begreifen was er ihr sagen wollte. "Ich bin das Gefäß, es ging dir nie um mich!" 
Finn deutete ihr weiter zu gehen, aber sie blieb stur stehen. 
"Du hast mich gerettet, warst mein einziger Halt in dieser verrückten Welt, auch wenn du mich immer komisch behandelt hast", ihre Augen füllten sich mit Tränen "aber es ging dabei immer nur darum das Artefakt zu finden!" 
"Was willst du eigentlich von mir?", fuhr Finn sie an "ich habe dir immer gesagt das ich nicht der Held bin den du suchst, du willst einen guten Samariter? Dann hefte dich doch an Liam oder Vernon! Ich bin nur wegen der Mission hier!"
Eva begriff das dieses Gespräch zu nichts führen würde, also folgte sie ihm still weiter durch den Wald, bis sie schließlich am Nachmittag die Rebellenstadt erreichten.
Sie hatte noch nie so etwas überwältigendes gesehen, Ein Turm ragte in der Mitte der Stadt weit über die Baumkrone, alle Gebäude wirkten neu und viele Menschen kamen ihnen entgegen. Einige kannte sie vom sehen her, ehemalige Bewohner von Symetra, Kinder, Frauen und Alte. Sie jubelten Finn zu, riefen ihn den König der Rebellen. Eva entdeckte fuchsähnliche Wesen in allen Farben des Regenbogens, die an den Hausmauern kletterten. Einige näherten sich ihr vorsichtig, dann wurden es mehr, sie umkreisten sie regelrecht. Eva lies sich in Mitten der flauschigen Horde nieder und streichelte die eigenartigen Geschöpfe. Finn musterte sie lange dabei, dann lies er sich ebenso nieder und kraulte einen der kleinen bunten Tiere hinterm Ohr: "Das sind Sums, sie kamen direkt nachdem die Stadt fertig gestellt war! Ich habe sie so genannt weil sie Abends immer ein eigenartiges Summen von sich geben. Was sagst du zu Katzus?" Eva blickte nach oben, viele bunte Vogelschwärme zogen über den Himmel und das Lachen der Kinder lag in der Luft. "Es ist so wunderschön hier, so stelle ich mir das Paradies vor" Finn musste lächeln, ihre Stimme klang so überschwänglich und glücklich. "Komm, wir müssen in den Turm den du sicher schon bemerkt hast, nur dort haben wir einen Überblick und können ausschau nach Liam und Vernon halten"

Liam und Vernon waren tiefer in den Wald vor gedrungen. "Sollen wir über das reden was letzte Nacht passiert ist?", fragte Vernon plötzlich. Liam winkte ab: "Wir sollten uns darauf konzentrieren die von Finn versprochenen Leute zu finden, ich kann mir nicht vorstellen das hier jemand lebt!" Vernon legte langsam seinen Finger auf die Lippen und deutete ihm still zu sein. Liam war immer wieder erstaunt wie gut die Sinne seines Freundes funktionierten, er musste sich konzentrieren um das leise Wimmern zu hören, welches nicht allzu weit entfernt sein konnte. Die beiden nickten sich zu und sprinteten in die Richtung aus der das Geräusch kam, sie fanden ein kleines Mädchen, dass an einem Baum kauerte. Sie sah fast wie eine Puppe aus, blonde Lochen, hellblaue Augen und ein dunkles rotes Kleid. "Was ist los Kleine?", Liam lies sich vor ihr auf die Knie fallen um fest zu stellen, ob sie verletzt war. Erschrocken blickte sie auf und befreite sich geschickt aus seinem Griff, sprintete tiefer in den Wald. "Du machst kleinen Kindern Angst", spottete Vernon "los hinterher!" Die beiden folgten dem Mädchen immer tiefer in den Wald bis sich ihre Spur verlor. 
"Hier ist nichts", Liam hatte das Gefühl das das seltsame Kind einfach verschwunden war. "Sie ist ganz in der Nähe!", erwiderte Vernon "ich kann sie riechen!"  Plötzlich glaubten sie ein Flüstern über sich zu hören, als sie ihre Blicke nach oben richteten entdeckten sie eine kleine Plattform aus Holz, hoch in der Baumkrone. Davon schien es in dieser Gegend einige zu geben. Die beiden staunten nicht schlecht als vor ihnen fast lautlos eine junge Frau landete. Sie war ganz und gar in enges, schwarzes Leder gekleidet und hatte die selben Wasserblauen Augen wie das kleine Mädchen. Ihr Haar war zu einem strikten Mittelscheitel frisiert, wobei eine Seite Pechschwarz und die andere Kastanienbraun war. "Bist du der Anführer von den Baummenschen?", witzelte Liam, aber sein Gegenüber blieb still. "Gehörst du überhaupt zu den intelligenten Lebensformen oder hast du einfach keine Lust auf eine Konversation?", schoss Vernon hinterher. Die Frau warf ihren Kopf zurück und lachte schallend, dabei entblößte sie ihre spitzen Eckzähne. Liam betrachtete die Zähne, er schlussfolgerte das Finn nicht nur Dämonen unter seinen Freunden hatte, sondern auch Vampire. Ein echter Diplomat eben, bedacht die besten Verbündeten an seiner Seite zu wissen. "Wir kommen von Finn", versuchte Liam es noch einmal "er sagt er braucht euch, ihr sollt Käse mitbringen!" Schließlich könnte es sich um einen Code handeln, vielleicht war Käse eine Art Code für die Vampire zu Finn zurück zu kehren. "Damit kann ich schon mehr anfangen", säuselte die Vampirfrau "ich bin Sassy und ihr seit bestimmt Finns neue kleine Freunde aus Amergyn! Das gleichgeschlechtliche Liebespaar!" 
"Also hat er von uns erzählt", stellte Vernon fest "als hätte er gewusst das wir her kommen!" Liam schüttelte nur schnell den Kopf: "Wir sind kein Liebespaar, hier ist überhaupt niemand ein Paar!" Sassy lachte und gab den beiden den Ratschlag, Finn nicht zu unterschätzen, dass war bis jetzt all seinen Feinden zum Verhängnis geworden.
"Cecilia", brüllte sie laut, das kleine Mädchen, dem Liam und Vernon durch den Wald gefolgt waren, landete neben ihnen am Boden, sie lächelte die beiden freundlich an "bring die beiden nach Katzus, wir kommen mit Käse nach, du weißt er ist schwer zu bändigen! Wir wollen ja nicht das er einen der beiden verschlingt!" 

"Was passiert wenn Chrunch hier her kommt?", Eva starrte durch das große Fenster von Finns Turm. Das Gebäude hatte sie fasziniert, so groß und hell. Die weiten Flure und vielen kleinen Zimmer, alles in weiß gehalten, aus Materialien die sie nicht zuordnen konnte. "Er ist schon auf dem Weg!", sagte Finn ohne sich zu ihr um zu drehen "damit habe ich gerechnet, aber nicht mit seiner Armee. Ich hätte es einkalkulieren müssen, in den Lagern waren nur Frauen, Kinder und Alte, keine jungen Männer!" Eva stand auf und stellte sich vor ihn: "Was kann ich tun?" 
Finn wich ihrem Blick aus und wandte sich ab: "Du bleibst hier, ich bringe dich in das kleine Landhaus an dem wir vorbei gekommen sind!" Eva packte ihn an den Schultern und riss ihn herum: "Ist mich verstecken alles was ich tun kann?" 
Finn stieß sie genervt von sich: "Du würdest mir nur im Weg herum stehen! Ich habe einen Plan, aber dafür musst du so weit weg von mir sein wie es geht!" 
Eva wurde immer zorniger, sie konnte nicht verstehen warum man sie zuerst durch das halbe Land schleifen sollte um sie dann außen vor zu lassen. Etwas stimmte hier gewaltig nicht. "Ich dachte irgendwo in mir ist der Geist von Argenshire, dann sollte ich doch einen Sinn erfüllen!", schrie sie ihn an. Finn lehnte sich an das große Fenster und starrte auf den Etan, den er von dort aus sehen konnte. "Ich habe mich getäuscht, du bist nicht das Mädchen das ich gesucht habe!", sagte er schließlich. Eva merkte das er nicht die Wahrheit sagte. 
Ein langsames klatschen lies beide herum fahren, Vanessa war lautlos zu ihnen in den Aufenthaltsraum gekommen. Sie kam auf Finn zu, welcher sofort die Augen verdrehte, und verpasste ihm eine Ohrfeige. Eva starrte sie lange und hasserfüllt an, aber Vanessa schenkte ihr keine Beachtung. "Toll Brüderchen, du hast den Geist von Argenshire, oder besser die Reste davon, gefunden!", sie lies sich auf eines der weißen Ledersofas, die in einer Reihe durch den Raum verteilt standen, fallen und fuhr sich durch die Haare "dann können wir ja gehen, ich habe sowieso nicht verstanden warum Mari uns gezwungen hat dir zu helfen! Du opferst sie, fängst den Dämon und sperrst ihn dahin wo der Pfeffer wächst!" Eva musste schlucken, Finn und seine eigenartigen Ziehschwestern schienen von anfang an mit ihrem Tod geplant zu haben, sie schaute wieder zu ihm, er hatte seinen Kopf an die Scheibe des Fensters gelehnt und schien zu überlegen. "Halt die Klappe Vanessa!", fauchte Finn sie plötzlich an und stellte sich demonstrativ zwischen sie und Eva. "Wie süß, man möchte brechen", säuselte Vanessa und lachte "der dumme kleine Junge hat sich in das dumme kleine Mädchen verliebt und will jetzt alles, was wir hier aufgebaut haben, aufs Spiel setzen damit sie am Leben bleibt!" 
Finn schlug die Hände über dem Kopf zusammen und rannte nervös auf und ab. Schließlich ging er wieder zum Fenster und starrte auf den Etan. "Was meint sie damit?", fragte Eva verwirrt, aber Finn starrte einfach nur aus dem Fenster und gab ihr keine Antwort. "Ich meine das du sterben musst damit der Geist seine letzte Kraft entfachen kann um das dunkle Artefakt zu zerstören, zuerst war Finn das bewusst aber dann ist er immer mehr von unserem Plan  abgewichen, am Flussrand wusste ich dann was gespielt wird!", Vanessa schenkte ihr ein strahlendes falsches Lächeln. Eva starrte weiter zu Finn, dieser zeigte keine Regung. "Ich bin der Meinung du sollst selbst über dein Bescheidenes Leben entscheiden, ach ja, und das aller anderen Bewohner!", Vanessa erhob sich und verließ den Raum. Eva stand nun da mit Finn der nach wie vor keine Anstalt machte mit ihr zu kommunizieren und dieser Saat in ihren Gedanken, die Vanessa hinterlassen hatte.

Comments

  • Author Portrait

    Irgendwie hat die Mari in mir das Bedürfnis Vanessa ein wenig mit der Macht der Natur zu ärgern *lach* Ich freu mich schon auf mehr :)

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media