»Warten« [12.01.] Zwölfte Scherbe

Warten

Gipfelweit thront banges Schweigen,
ankert schwer im harten Stein.
Deutlich will es sich nicht zeigen,
sich nicht seiner selbst bezeugen
und die Nacht zieht auf, allein.

Stunden, sie versinken klaglos,
nichts als Warten bleibt mir übrig.
Frische Spuren künden weglos,
doch im Eis versunken leblos
von dem Leben, zart und silbrig.

Dieses Bild, es war der Abschied;
gestern lag geschlagen er.
Doch fragil dies Sehnsuchtslied,
ein Narr darin zu vieles sieht;
allein das Jetzt schenkt mir Gewähr.

So braucht die Welt auch jenes Schweigen,
bangt sie noch so sehr darum.
Leere will sich immer zeigen,
der Verstand kann’s nicht bezeugen
und der Morgen dämmert stumm.

Comments

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    EIn nachdenkliches und trauriges zugleich.

  • Author Portrait

    Es wirkt traurig, dein Gedicht, und gleichzeitig finde ich darin so viel Tiefe, die den Weg weist!: "... allein das Jetzt schenkt mir Gewähr. So braucht die Welt auch jenes Schweigen, bangt sie noch so sehr darum." Schöner kann man es kaum ausdrücken!

  • Author Portrait

    Zu warten ist ein ganzes Leben, es braucht halt alles seine Zeit, nichts wird auf einen Schlag gegeben, selbst wenn die Seele danach schreit.

  • Author Portrait

    Dieses Gedicht hört sich für mich so aussichtslos an oder verstehe ich es nicht richtig!

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