48

                                                         ANNA

Verschlafen öffne ich meine Lider. Das Licht der Sonne bahnt sich einen Weg durch die dicken Leinenvorhänge. Eigentlich müsste ich schon bei Luna sein. Als ich jedoch einen Blick auf Alex werfe, wie er friedlich schläft und sein Brustkorb sich stetig hebt und senkt, kann ich mich nicht von ihm losreißen. Ich habe schon lange nicht mehr so gut geschlafen. Ich fühle mich sicher in seinen Armen und würde am liebsten für immer von ihnen umschlungen sein.
Eingehüllt in diesen warmen Mantel, seine warme Brust an meinem Rücken und seinem Herzschlag, der ruhig und gleichmäßig auf meine Haut trifft.
Er ist bei mir geblieben. Er ist nicht gegangen und dieses Wissen zaubert ein Lächeln in mein Gesicht.
Noch immer in Gedanken höre ich von draußen laute Stimmen und Schritte, die sich uns nähern. Dann werde ich von einem lauten Klopfen erschreckt. Bevor ich etwas tun kann, öffnet sich die Tür mit einem lauten Knall. Bitte lass das nicht wahr sein. In diesem Moment laufe ich an wie ein Feuerball. Denn Mike, Peter und David stehen plötzlich im Zimmer und ihnen scheint der Schock ebenfalls, so wie mir ins Gesicht geschrieben zu sein.
Schnell ziehe ich mir die Decke bis zum Kinn hoch, um mich irgendwie zu bedecken. Alex ist noch immer nicht wach und somit stoße ich ihm mit meinem Ellbogen leicht an seine Schulter. Ich und die Jungs sehen uns noch immer mit diesem Blick an, bis Mike reagiert und die Jungs an der Schulter packt, um sie vor die Tür zu befördern. Noch bevor er hinausgeht und Alex wach wird, blickt er in meine Augen.

„Anna, bitte beeilt euch. Luna ist weg.“

Ein erschrockenes „Was“ kommt über Alex Lippen, der sich jetzt neben mir aufgerichtet hat. Mike stoppt noch kurz, bevor er die Tür wieder schließt und sieht uns noch mal an.

„Beeilt euch einfach, wir warten vor dem Haus auf euch.“

In dem Moment, indem die Tür wieder ins Schloss fällt, hüpfe ich schnell auf und ziehe mir die Sachen von gestern an. Die mir Alex vom Leib gerissen hat. Noch immer kann ich es nicht glauben und zu gerne würde ich es jetzt mit ihm genießen. Doch es gibt wichtigeres. Luna. Ich will wissen, was los ist und will in mein Zimmer gehen, um nicht mit meinen Schlafshorts zu den Jungs zu gehen. Als ich schon auf dem Weg zu der Tür bin, greift Alex nach meinem Handgelenk und dreht mich zu sich. Seine Augen wirken noch immer ein wenig verschlafen und seine Haare sind wild durcheinander. Seine Miene wirkt ehrlich besorgt und ich will ihm sagen, dass wir uns beeilen müssen, doch er ist schneller. Er zieht mich an sich und drückt mir einen sanften Kuss auf meine Stirn. Dann lässt er mich wieder los und nickt mit seinem Kopf zur Tür.
Auch wenn ihm Luna's Verschwinden Sorgen bereitet, so schenkt er mir dennoch ein kleines Lächeln.

In meinem Zimmer angekommen, ziehe ich mir, so schnell ich kann, eine helle Jeans und eine schwarze Laufjacke an. Meine Haare binde ich zu einem unordentlichen Knoten und im Hüpfen ziehe ich mir meine Sneakers an. Als ich die Tür öffne, erblicke ich Alex, der an der gegenüberliegenden Wand gelehnt, auf mich wartet. Er stößt sich davon ab und ich folge ihm mit schnellen Schritten nach draußen. Dort angekommen warten bereits die Jungs auf uns und haben erneut diesen Ausdruck in ihren Gesichtern, der besagt, dass sie nicht gedacht hätten, dass ich diese Nacht mit Alex verbracht habe. Genauso wenig wie ich es gedacht habe. Kurze Zeit später ist dieser peinliche Augenblick überwunden, als Alex mit dunkler Stimme spricht.

„Was ist mit Luna?“

David übernimmt jetzt wieder das Wort, als die anderen zwei nervös zwischen David und Alex hin und her blicken.

„Wir wurden heute Nacht durch einen lauten Knall geweckt. Wir haben ihn alle drei gehört. Außer ihr vielleicht, denn ihr wart ja beschäftigt.“

Er kann sich ein verschmitztes Grinsen nicht verkneifen, doch kurz darauf ist er wieder bei seinem ernsten Gesichtsausdruck angekommen.

„Wir sind alle drei nach draußen und haben versucht das Geräusch ausfindig zu machen. Doch wir haben Nichts gefunden. Es war echt ein komisches Geräusch und irgendwie kam es mir so bekannt vor. Ich habe das Geräusch schon einmal gehört, bei einem Angriff auf unser Rudel. Eine Hexe hat den Schutzzauber durchbrochen, der unser Rudel beschützt hat. Nachdem ich mich erinnert habe, haben wir uns auf den Weg zu den anderen gemacht. Die anderen Mitglieder konnten es ebenfalls hören. Dann wollten wir nach Luna sehen. Doch als wir bei ihrem Haus ankamen, stand die Tür weit offen. Es war keine Luna weit und breit. Wir haben das ganze Revier abgesucht, haben sie aber nicht gefunden. Sie ist weg. Und es kann nur eine mächtige Hexe gewesen sein, die diesen Zauber brechen kann.“

Noch bevor irgendjemand etwas sagen kann, kommt ein leises „Salivana“ über meine Lippen.
Alle Blicke richten sich auf mich. Erst jetzt spüre ich wieder, wie Wut in mir heranwächst. Ich kann spüren wie sich meine ganze Energie auf dieses Miststück konzentriert. Sie versucht mir alles zu nehmen, was mir helfen könnte, Marius zu stoppen. Zuerst das mit Nathan und jetzt auch noch Luna. Ich spüre wie sich meine Körpertemperatur erhöht und meine Haut beginnt zu brennen. Und plötzlich verschwindet wieder alles um mich herum. Ich befinde mich wieder in dieser Welt. Doch dieses Mal ist es anders. Ich kann Luna sehen. Ich kann sehen, wie sie zusammengekauert in einer Ecke sitzt. Es sieht aus wie eine Zelle, doch ich kann keine Gitterstäbe erkennen. Ich versuche ein paar Schritte auf sie zuzugehen. Ich weiß nicht, was das hier ist. Wieder eine Vision? Als ich weitere Schritte auf sie zu mache, blickt sie plötzlich zu mir auf. Bei diesem Anblick erstarre ich. Ihre Augen sind blutunterlaufen und ihre Haut ist leichenblass. Erst jetzt erkenne ich die schweren eisernen Handschellen an ihren Gelenken, die durch eine schwere Kette miteinander verbunden sind. Ich will meine Hand nach ihr ausstrecken, doch sie entzieht sich mir. Was ist los?

„Anna, was machst du hier? Verschwinde.“

„Was ist hier los Luna?“

„Anna, wie kommst du überhaupt hier her? Du musst sofort von hier weg. Sie werden dich endgültig töten, wenn sie über deine neue Kraft Bescheid wissen.“

„Luna ich verstehe das nicht. Gerade noch war ich bei den Jungs. Sie haben nach dir gesucht. Was ist das für eine Vision? Wo bin ich und warum bist du hier? Komm mit mir.“

Sie schüttelt den Kopf und blickt mit Ehrfurcht in den Augen in meine.

„Ich wusste, das du stark bist, aber die Kraft sich zu teleportieren hätte ich dir noch nicht zugetraut. Ich habe dich unterschätzt. Anna es ist nur dein Geist, der hier ist. Dein Körper ist noch immer dort, wo dein Herz schlägt. Und jetzt musst du von hier weg, bevor sie zurückkommen und dich sehen. Mach dir keine Sorgen, du wirst das auch ohne mich schaffen. Und jetzt geh wieder zurück.“

Plötzlich höre ich Schritte die immer Näher kommen. Es ist alles so dunkel und es riecht modrig. Ich höre wie die Wassertropfen von der Decke auf den, mit alten Steinen, gesäumten Boden aufkommen. Es ist düster hier und ich kann Luna nicht alleine lassen. Doch je näher das Geräusch der Schritte und Stimmen kommen, desto nervöser wird Luna. Sie sieht mich flehend an und ich kann nicht anders, ich muss den Jungs Bescheid geben. Ich denke, dass ich weiß, wo ich hier gerade bin. Doch wie komme ich wieder zurück? Ich weiß ja nicht einmal mehr wie ich hier hergekommen bin. Ich versuche meine Augen zu schließen, um mich besser konzentrieren zu können. Doch es funktioniert nicht. Und je lauter diese Schritte auf dem nassen Steinboden werden, desto nervöser werde ich.

„Anna, konzentriere dich auf deinen Herzschlag und du wirst wieder zurückfinden.“

Luna's leerer Blick lastet auf mir und schweren Herzens tue ich, was sie gesagt hat. Ich konzentriere mich auf meinen Körper. An den Körper, der mit Alex und den anderen vor dem Haus ist. Der Zeitdruck macht es mir jedoch nicht leicht, denn ich weiß ich muss mich beeilen. Sie werden mich ansonsten entdecken.

Ich bin mir so sicher, dass Salivana hinter allem steckt und gerade als ich mich noch immer konzentriere um zu meinem Körper zurückzufinden, öffne ich reflexartig meine Augen. Ich habe gespürt, dass jemand vor mir steht. Mein Herzschlag erhöht sich und in diesem Moment wird mir klar, dass es zu spät ist. Ich blicke in diese Augen und mein Körper spannt sich an. Es ist ein blaues und ein grünes Auge und sie starren mich ebenso an, wie ich sie. Vor mir steht der Mensch, der mir mein Herz gebrochen hat.
Ich weiche zurück, als er einen Schritt auf mich zu geht. Schließe aus Angst meine Augen erneut, bevor ich kaum noch Luft bekomme und ich meine Augen wieder öffne.
Ich krümme mich und lege meine Hände an meinem Hals. Ich versuche so meine Atmung wieder zu finden. Ich blicke auf Schuhe und sehe, das ich wieder auf einem, mit Schotter gesäumten Boden, stehe und das Sonnenlicht darauf scheint. Ich bin wieder hier. Hier in Sicherheit bei Alex. Schon spüre ich eine wärmende Hand an meinem Rücken und höre eine besorgte Stimme.

„Ist alles in Ordnung?“

Es ist Alex und als sich meine Atmung wieder beruhigt hat und ich mich ebenfalls, richte ich mich wieder auf. In den Gesichtern der Jungs spiegelt sich Verwunderung. David kommt auf mich zu und legt seine Hand auf meine Schulter.

„Was war los? Du hast ausgesehen, als würdest du uns gar nicht zuhören.“

Ich muss ihnen alles erzählen. Ich muss ihnen sagen, dass wir Luna helfen müssen. Also fange ich an wie ein Wasserfall über meinen verrückten Trip zu erzählen.

„Ich...ich war gerade bei Luna...also ich weiß nicht wie...sie sagte irgendetwas von teleportieren...ich habe Luna gesehen, sie ist bei Nathan und Salivana. Sie muss in dem alten Schloß von Nathan sein. Dort wo das Ritual durchgeführt wird. Wir müssen zu ihr.“

Ich will mich schon auf den Weg machen, als Alex mich wieder an meiner Schulter zurückzieht.

„Du warst was? Wir können nicht einfach so dorthin.“

Sogar David, der ansonsten immer so optimistisch ist, schüttelt den Kopf und seine Finger gleiten durch sein langes Haar. Ich verstehe sie nicht. Wir sind zu fünft und könnten es mit ihnen aufnehmen. Hoffe ich. Doch je mehr ich darüber nachdenken, desto schneller verschwindet mein Wille, dort hinzugehen. Erst jetzt realisiere ich, dass ich Nathan gesehen habe. Sein Blick verwirrt mich noch immer. Irgendwie dachte ich, dass ich wieder etwas Gutes in diesen Augen gesehen hätte. Doch es kann nicht sein. Ich habe mich schon mehrmals in ihm getäuscht.

„Aber wir müssen ihr helfen. Sie sieht wirklich schrecklich aus.“

Alex blickt mich an und an seinen Augen kann ich erkennen, dass er besorgt ist. Besorgt um Luna, die sich gerade in den Fängen dieser kranken Leute befindet. An seinem Blick erkenne ich auch, dass er versucht nachzudenken. Er versucht eine Lösung zu finden.
David versucht mich währenddessen zu beruhigen und sucht meinen Blick.

„Anna, wir werden versuchen Luna zu retten. Aber versteh bitte, dass wir nicht einfach alles überstürzen können. Das Schloß ist eine Festung und ich bin mir ebenfalls sicher, dass sie nur darauf warten, dass wir kommen. Somit hätten sie ein leichtes Spiel und keiner würde sich ihnen bei der Durchführung des Rituals in den Weg stellen. Sie werden Luna bis dahin nichts antun. Sie brauchen ihre Kraft für das Ritual. Also werden wir versuchen uns für morgen vorzubereiten und sie ein für alle Mal auszuschalten.“

Ich versuche seinen Worten zu folgen. Doch als ich wieder zu Alex blicke, der noch immer nervös hin und her läuft, kommen mir Zweifel. Was, wenn ihr bis dahin etwas passiert? Aber irgendwie hat David ja recht. Morgen ist es soweit und für welchen Zweck würden sie Luna sonst brauchen?

„David, ich weiß ja nicht einmal, bei was ich euch helfen soll? Was soll ich den machen, um euch zu helfen? Ich habe meine Kräfte nicht einmal unter Kontrolle.“

Ein beruhigendes Lächeln kommt über seine Lippen und er blickt mich mit diesen weichen braunen Augen an, die mich ebenso beruhigen wie seine Stimme.

„Anna, du hast Kräfte, von denen du keine Ahnung hast, zu was sie imstande sind. Zu was DU imstande bist. Aber du wirst wissen, was zu tun ist. Du wirst uns beschützen. Ich bin dazu da um es dir leichter zu machen. Hast du vergessen? Ich bin dein Anker. Ich werde immer für dich da sein und wir sind unser Leben lang aneinander gebunden. Es gibt so vieles, was uns leichter fällt. Wir sind Geschwister. Wir sind die Kinder einer mächtigen Hexe. Wir sind Zwillinge und wir sind unsere Anker. Wir haben eine der größten Mächte und keiner weiß davon. Zumindest keiner von unseren Feinden. Das wird sie überraschen und du kannst uns mit deinen Kräften beschützen, während wir uns um diesen verrückten Jäger und dieses Hexenbiest kümmern.“

Alle um uns herum lauschen gespannt seinen Worten. Besonders Alex. Er hat seine Nachdenkphase unterbrochen. Ich selbst bin ebenfalls von diesen Worten fasziniert. Ich wusste ja, dass er mein Anker und mein Bruder ist, aber die anderen Sachen, die er noch erwähnt hat, lassen mich neugierig werden. Auch, Alex klingt überrascht.

„Wann hattet ihr vor, mir zu sagen, dass du ihr Anker bist?“

Alex sieht abwechselnd David und mich an, als hätten wir irgendetwas verbrochen. Doch David versucht ihn zu beruhigen.

„Was ist daran so schlimm?“

„Es ändert einfach alles. Jetzt wird mir so vieles klar. Deswegen hat sie so schnell deine Gestalt annehmen können. Ihr könnt eure Kräfte austauschen. Deswegen hat es Salivana auch auf Anna abgesehen. Tötet sie Anna, tötet sie auch dich und hätte dafür gesorgt, dass niemand sie aufhalten kann. Hätte sie euch eure Kräfte geraubt, wäre sie jetzt noch stärker.“

„Was hat das zu bedeuten? Wenn ich sterbe, stirbt auch David.“

Ich werfe den beiden einen fragenden Blick zu und warte ungeduldig auf eine Antwort. Alex hält Davids Blick gefangen und scheint wirklich wütend zu sein. Dann blickt David in meine Augen und ein schmerzendes Brennen legt sich erneut über mein Herz. Denn sein Blick ist gefüllt mit Schuld.

„Ich wollte es dir sagen, aber ich musste zuerst sicher gehen, dass du dich auf deine Kräfte konzentrierst. Es tut mir leid.“

„Deswegen bist du hier hergekommen? Um sicher zu gehen, dass ich nicht sterbe und du ebenfalls am Leben bleiben kannst?“

„Anna, jetzt beruhige dich. Du weißt, das ist nicht die Wahrheit. Du bist meine Schwester und mein Anker und ich würde niemals wollen, dass dir etwas zustößt. Nicht um meinetwillen, sondern deinetwegen. Bitte glaub mir.“

Sein Blick wirkt flehend. Seine braunen Augen durchbohren mich und ich glaube ihm.
Keine Ahnung wieso, aber seine Aura wirkt so ehrlich. Ja, ich kann seine Aura sehen, so wie ich sie in letzter Zeit bei vielen sehen kann. Es ist eine Gabe, die manchmal kommt und manchmal geht. Aber jetzt gerade zeigt sie mir klar und deutlich, dass ich meinem Bruder glauben kann. Und plötzlich wirkt Alex nicht mehr so wütend, als er etwas flüstert. Es ist kaum zu hören und doch hat es jeder verstanden.

„Es ist Zeit.“

Wir antworten fast alle im Chor. „Für was?“

„Ich kann es euch noch nicht erzählen, aber ich habe etwas, dass Marius aufhalten wird. Vertraut mir einfach. Jetzt sollten wir uns besser bereit machen für Morgen. Wir müssen es aufhalten. Wenn diese Macht wirklich ausgelöst wird, sind wir nicht mehr sicher. Sie wird einen Krieg gegen das Gute führen und zu meinem Bedauern wird sie stärker sein, als das Gute.“

Noch immer blicken wir verwirrt auf Alex. Zumindest David und ich. Die anderen hingegen scheinen zu wissen, was er damit meint. Sie stellen keine Fragen und nicken zustimmend.
Mike ist der erste, der Alex nach der weiteren Vorgehensweise fragt.

„Also, was ist der Plan?“

Alex's Haltung ist aufrechter als sonst. Sein Blick ernster als sonst und dieses helle Blau verschwindet aus seinen Augen. Ich habe ihn schon einmal so gesehen, aber es fühlt sich anders an als damals.

„Also, ich habe einen Plan. Aber da jetzt Luna nicht mehr hier ist, müssen wir jemanden finden, der für sie einspringt. Der Schutzzauber ist zu stark für eine Hexe. Wir brauchen jemanden, der ihn mit ihr spricht. Leider fällt mir nur eine Hexe ein, die stark genug ist.“

Er stoppt und in seiner Stimme höre ich so etwas wie Reue. Und schon spricht Mike diesen Namen aus, bei dem Alex's Augen traurig wirken und dennoch ein kleiner Funken Enttäuschung durchschimmert.

„Lexa.“

Ich spüre, wie Alex sich neben mir versteift und nach einer anderen Lösung zu suchen versucht. Aber ich weiß, dass Lexa stark ist. Ich habe es selbst gesehen. Und ich weiß auch, dass sie nicht so einfach zurückkehren wird. Alex hat sie verbannt und jetzt will er es einfach wieder zurücknehmen, weil er sie braucht. Ich denke, das wird sie nicht gerade erfreuen. Doch ich weiß auch, dass wir sie irgendwie davon überzeugen müssen. Und ich weiß auch, dass ich das kann. Sie war gut zu mir. Ich kann sie überzeugen.

„Ich werde gehen und sie holen.“

Alle, außer David sehen mich ungläubig an. Alex wirkt jetzt noch wütender als vorhin.

„Du bist verrückt geworden. Du kannst nicht einfach wieder in diese Welt spazieren. Sie werden dein Bathory-Blut riechen. Du wärst schon einmal fast aufgeflogen.“

Ich weiß es und ich kann mich noch bestens daran erinnern. Doch ich weiß auch, dass sie sonst keinem hier mehr vertrauen wird, als mir. Bevor ich noch etwas sagen kann, platziert sich David schützend vor mir.

„Ich werde sie begleiten. Mit unserer Kraft kann sie auch meinen Geruch annehmen und keiner wird merken, dass Bathory Blut in uns fließt. Ich werde nicht zulassen, dass ihr etwas passiert. Das weißt du?“

Alex wirkt nachdenklich, als er seine Finger erneut durch sein braunes Haar gleiten lässt. Ich merke wie sich in seinem Kopf ein durcheinander entwickelt. Er versucht abzuwägen, was er tun soll. Doch David kommt mir zuvor.

„Ich werde mit Anna dorthin gehen. Ich kenne diese Welt. Ich war schon oft dort. Ihr werdet versuchen hier alles in Ordnung zu bringen. Ich verspreche dir Alex, ihr wird nichts passieren. Du weißt, wir haben jetzt keine Zeit für eine andere Lösung. Und, wenn diese Lexa genauso stark ist, wie du sagst, dann ist das unsere einzige Möglichkeit.“

Alex nickt widerwillig. Ich weiß, er würde mich nicht gehen lassen, wenn er David nicht vertrauen würde und ich würde ebenso nicht gehen, wenn ich ihm nicht vertrauen würde.

„Na gut. Aber seid vorsichtig. Ich gebe euch nur einen Tipp, meine Schwester ist ein Sturkopf. Sie wird sich nicht so einfach überzeugen lassen. Wir werden uns hier um den Rest kümmern. Seht zu, dass ihr bald wieder hier seit.“

Jetzt weiß nun auch David, dass Lexa, Alex's Schwester ist. Und ich bin ebenso überrascht, dass es eigentlich bei ihnen genauso ist, wie bei David und mir. Nur, dass ich meinen Bruder erst jetzt gefunden habe und Alex seine Schwester vor Jahren verloren hat. Doch sie ist eine Hexe und er ein Werwolf. Genauso wie bei mir und David.

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beta
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