Kapitel 15

                                                                      15

Es ist schon fast zwölf Uhr als ich wach werde. Zum Glück ist heute Sonntag und ich kann mich ausschlafen. Nach den ganzen Erlebnissen endlich mal etwas Positives. Meine Erste Tätigkeit ist unter die Dusche zu springen. Ich war gestern echt vollkommen geschafft und hätte es nicht mehr fertig gebracht, auch nur eine Sekunde länger wach zu bleiben.
Das war echt dringend notwendig. Als ich mich fertig angezogen habe, höre ich meinen Magen knurren. Ich denke erst jetzt nach wann ich das letzte Mal etwas gegessen habe. Ich glaube es war gestern am Morgen. Doch sicher bin ich mir nicht. Durch die ganzen Erlebnisse habe ich nicht wirklich darauf geachtet. Doch jetzt meldet sich mein Magen und ich habe wirklich Hunger. Also gehe ich zum Kühlschrank um zu sehen was sich darin befindet. Doch schnell wird mir klar, dass ich nicht einmal zum Einkaufen gekommen bin. Aber dass ist das Positive wenn ein zweiter Kühlschrank im Haus ist. Also gehe ich durch die Tür in das Haus um mir von dort etwas Essbares zu holen. Die Treppen knarren unter mir und ich kann eine bekannte Stimme wahrnehmen. Und schneller als ich denken kann, habe ich auch das Gesicht zur Stimme. Ich kann es nicht glauben als ich ihn sehe. Das kann doch nicht sein Ernst sein? Ich bleibe wie angewurzelt stehen und an meinem Blick ist sicherlich nicht zu übersehen wie überrascht ich bin. Es ist Marius. Er sitzt mit meinem Vater am Tisch und sie sehen auf als ich die Treppen runterkomme. Ich denke ich sehe nicht richtig, aber es ist wirklich Marius der mit meinem Vater am Tisch sitzt und mit ihm redet. Als wäre Gestern nichts passiert. Und sofort ist meine Wut auf ihn wieder da. Jetzt geht er wirklich zu weit. Zuerst mich, dann Sandra und jetzt meine Familie. Die Wut übermannt mich fast und ich balle meine Hände zu Fäusten. Ich muss mich normal verhalten. Er soll mir meine Schwäche und meine Wut nicht anmerken. Denn dann denkt er, dass er bereits gewonnen hat und alles mit mir machen kann.
„Anna, Schatz komm doch und begrüße meinen Kunden. Mister Decker und ich haben gerade eine Baubesprechung.“
Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen, aber als ich Marius blödes Grinsen sehe, wird mir übel. Was erlaubt er sich eigentlich? Ich dachte wirklich, dass er nach Gestern aufgegeben hat. Gegen meinen Willen gehe ich zu ihm. Er hält mir bereits seine Hand entgegen. Es kostest mich eine Menge Überwindung um danach zu greifen und ihm die Hand zu schütteln.
„Freut mich dich kennenzulernen, Anna.“
Er drückt mit seiner Hand so fest zusammen, dass ich sie sofort wieder zurückziehe. Meine Handfläche schmerzt und ich muss mit meiner anderen Hand darüber streichen. Will damit den Schmerz wegbekommen. Doch dieser ist sofort verschwunden, als ich sein hässliches Grinsen sehe. Ich habe noch nie in meinem Leben so etwas dunkles wie ihn gesehen. Es ist nicht ein Funken Gutes in ihm. Er ist durch und durch böse. Er will sich an meiner Familie vergreifen. Doch ich bin nicht auf den Mund geflogen und so versuche ich ihn aus der Reserve zu locken.
„Was wollen sie den bauen Mister Decker?“
Ich versuche ihm dabei nicht in die Augen zu sehen und gehe an ihm vorbei, um mir ein Glas Wasser zu holen. Jetzt ist mein Hungergefühl wie weggeflogen und zu meiner Überraschung antwortet er mir wirklich.
„Ich habe mir hier ein Stück Land gekauft und brauche ihren Vater, um das Haus zu planen und natürlich auch zu bauen.“
Was will er? Er will hierbleiben, was soll das? Ich will einfach dass er aus unserem Leben verschwindet und mich, meine Familie und meine Freunde in Ruhe lässt.
„Also haben sie vor, dass sie sich hier sesshaft machen?“
Ich kann mir die Frage nicht verkneifen.
„Ich werde so wie es aussieht eine sehr lange Zeit hierbleiben.“
Kaum merklich betont er seine Worte. Eine sehr lange Zeit. Ich weiß, dass mein Vater sicherlich nichts von seiner Boshaftigkeit mitbekommt. Aber ich. Ich könnte gerade an die Decke gehen. Er versucht mich zu provozieren. Versucht mich fertig zu machen. Mein Vater scheint absolut gar nichts von unseren Blicken mitzubekommen, denn er geht gerade die Pläne durch, die Marius ihm gegeben hat. Wie kann er nur so verlogen und falsch sein? Doch was er kann, dass kann ich schon lange. Ich spiele sein Spiel mit und versuche mir nichts anmerken zu lassen. Ich will mich nicht von ihm einschüchtern lassen, oder zumindest will ich nicht, dass er merkt dass ich Angst vor ihm habe.
„Wenn sie es so lange hier aushalten! Es ist wirklich eine sehr kleine Stadt.“
Ich versuche sein böses und falsches Grinsen zu erwidern, auch wenn ich mich dabei wirklich konzentrieren muss. Aber seine Boshaftigkeit ist einfach nicht zu überbieten. Ich hasse ihn. Was will er noch von uns? Ich halte es nicht länger aus in seiner Gegenwart und muss irgendetwas unternehmen. Ich gehe wieder zurück in meine Wohnung. Durch die Aufregung kann ich nicht mal wirklich atmen. Wie kann er nur so hinterhältig sein? Ich bin so wütend und bin froh als ich die Türe hinter mir schließe. Ich muss etwas tun. Ich kann ihn nicht einfach machen lassen was er will. Aber was soll ich nur tun? In meiner Verzweiflung kommt mir eine Idee. Ich will es eigentlich nicht aber ich brauche ihn. Er muss mir helfen. Mit meinen zittrigen Fingern wähle ich seine Nummer und hoffe er hebt ab. Wenn mir Jemand helfen kann, dann er. Ich warte angespannt und laufe nervös in meinem Zimmer herum. Bis ich die vertraute Stimme höre, die mir Gestern das Herz gebrochen hat.
„Anna, geht es dir gut?“
Ich höre Alex's Stimme am anderen Ende der Leitung und obwohl er mich so verletzt hat, bin ich froh darüber.
„Alex, ich wollte dich eigentlich nicht anrufen. Aber du musst Marius von hier wegschaffen. Ich weiß nicht was er vor hat, aber ich traue ihm nicht.“
„Was hat er gemacht?“
„Er ist in unserem Haus und unterhält sich mit meinem Vater.“
„Ich weiß.“
In seiner Stimme merke ich zwar, dass er mir das nicht wirklich sagen wollte aber trotzdem ärgert es mich. Das hatte ich schon wieder vergessen. Er beobachtet Marius. Das war auch der Grund wieso er mich benutzt hat. Und schon ist die Wut auf ihn wieder da.
„Wieso machst du dann nichts?“
„Anna, ich kann ihn nicht einfach überwältigen. Ich....wir müssen auf den Richtigen Zeitpunkt warten. Er ist stark und ein Jäger, auch wenn wir in der Überzahl sind, ist es gefährlich und ich will mein Rudel nicht unnötig in Gefahr bringen.“
„Also dein Rudel ist wichtiger als meine Familie. Wichtiger als unschuldige Menschen?“
Ich bin wütend auf ihn. Ich weiß, dass er mich ausgenutzt hat, aber meine Familie? Dass ist etwas ganz anderes. Ich könnte gerade ausflippen.
„Anna, mach dir keine Sorgen. Ich verspreche dir, deiner Familie wird nichts passieren. Er hat einen Plan, so wie wir. Und damit er seinen Plan zu Ende führen kann, darf er keine Aufmerksamkeit erregen. Also wird er auch niemanden umbringen oder verletzten. Vertrau mir.“
„Dir vertrauen? Nach allem was du mir angetan hast?“
„Es tut mir leid. Ich wollte nie, dass es so weit kommt. Und ich verspreche dir, ich werde dafür sorgen, dass er dir und deiner Familie nichts antut.“
„Ich hoffe es.“
Wütend lege ich auf und werfe mein Telefon auf das Bett. Ich bin einfach so enttäuscht von ihm und auch von mir selbst, dass ich ihm geglaubt habe und meine Gefühle für ihn zugelassen habe. Ich bin verzweifelt, was soll ich bloß tun? Wie soll ich bloß meine Familie beschützen? Ich bin zu schwach um Marius zu besiegen. Ich habe nicht die Kraft. Aber ich weiß wer die Kraft hat um ihn endgültig aus der Stadt zu vertreiben. Nathan. Ich muss zu ihm. Ohne länger darüber nachzudenken ziehe ich mir meine Sachen an und gehe zügig die Treppen nach unten. Ich möchte vorher nochmals nachsehen was Marius und mein Vater machen. Ich hoffe wirklich dass Alex alles unter Kontrolle hat. Auch wenn ich ihm nicht glauben sollte, aber das mit Marius ist sein größtes Anliegen. Und darum gehe ich davon aus, dass ich ihm in diesem Punkt vertrauen kann. Er darf nicht zulassen dass Marius meiner Familie etwas antut. Obwohl er mir das angetan hat, sehe ich in ihm doch noch etwas Gutes. Denn eins weiß ich mit Sicherheit, er ist nicht so Böse wie Marius. Und dennoch hoffe ich, dass ich mich nicht irre. Als ich die Treppen hinuntergehe höre ich nur Stille. Ich bekomme Panik und beschleunige meine Schritte. Doch es ist niemand mehr da. Mein Atem wird schneller und ich suche mit meinen Augen die Küche ab. Nichts. Vielleicht sind sie draußen. Mit Schwung öffne ich die Tür nach draußen und halte nach den beiden Ausschau. Zu meinem Glück stehen die beiden bei dem Wagen meines Vaters und diskutieren über irgend Etwas. Mein Vater entdeckt mich und sieht mich ein klein wenig verwirrt an. Ich denke er bemerkt dass ich nicht gerade entspannt bin.
„Anna, wo willst du denn hin?“
Schnell Anna, lass dir etwas einfallen. Die beiden sollen nicht merken, dass ich mich fast zu Tode erschreckt habe, weil ich sie nicht mehr gesehen habe.
„Ich wollte gerade ein bisschen frische Luft schnappen und eine Runde gehen.“
Ich denke die beiden haben es mir abgekauft. Mein Vater hat ein Lächeln aufgesetzt und ich wünschte mir so sehr dass er bemerkt in welche Gefahr er sich gerade bringt. Aber was soll ich machen? Ich weiß nicht was ich sagen oder tun soll. Ich weiß nur, dass ich meine Familie schützen muss.
„Wir wollten gerade zu Mister Decker’s Grundstück fahren, du kannst gerne mitfahren.“
Ich soll mitfahren? Zu diesem Mistkerl? Nein Danke. Doch gerade als ich mit einem „Nein“ antworte, fällt mir ein, dass es doch ganz interessant wäre, zu sehen wo es ist und wo sich dieser Mistkerl in Zukunft aufhalten wird. Und gerade als sie in den Nissan Navara meines Vater einsteigen, öffne ich schnell die Tür und hüpfe ins Auto. Natürlich werde ich von beiden fragend angestarrt. Besonders von Marius. Doch dieser scheint eher überrascht zu sein als sich zu freuen. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen, dass mich doch noch die Neugierde gepackt hat.
„Ich hab es mir anders überlegt, es ist sicherlich ein Schönes Grundstück und ich würde es gerne sehen. Ich hoffe es ist kein Problem Mister Decker?“
Er versucht freundlich zu bleiben. Aber ich kann an seinem Blick erkennen, dass es ihm doch nicht so recht ist, wenn ich sie begleite. Ich bin gerade ein klein wenig schadenfroh und kann mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen.
„Absolut kein Problem, Anna.“
Und schon rollt der Nissan aus der Einfahrt und es kann losgehen. Ein bisschen unwohl ist mir schon bei dieser Sache, da ich weiß, zu was Marius im Stande ist. Aber ich kann meinen Vater nicht alleine mit ihm lassen und ich will auch sehen wo dieses Grundstück ist. Wir fahren die Landstraße entlang. Mein Vater und Marius unterhalten sich über irgendwelche Holzarten. Keinen Plan was sie da bereden. Und als wir an der alten Party-Scheune vorbeikommen, erinnere ich mich daran, wie ich ihm dass erste Mal begegnet bin. Als er mich so fest am Arm packte und er mich zu Tode erschreckt hat. Ich wusste damals schon, dass er kein Guter Mensch ist. Aber hätte ich gewusst was er von mir will, wäre ich so schnell wie möglich von hier verschwunden.
Wie fahren noch weitere zehn Minuten, bis wir an einem Waldstück rechts halten und mein Vater den Wagen abstellt. Was soll dass hier? Ich kann Nirgends ein bebaubares Grundstück erkennen. Alles um uns herum ist von Bäumen bedeckt. Wir befinden uns mitten im Wald. Doch sie schnallen sich ab und steigen aus. Misstrauen kommt über mich. Was hat er hier vor? Wird er uns etwas antun? Ist er deswegen hier her gefahren. Aber wenn Alex wirklich hinter ihm her ist und er in der Nähe ist, wird er mir hoffentlich helfen wenn etwas passiert. Ich vertraue Alex zwar nicht mehr, aber ich kann einfach nicht glauben dass er es zulassen würde, wenn Marius uns etwas antun will. Ich atme kurz durch und steige aus. Jetzt bin ich es, die fragend vor ihnen steht. Ich weiß nicht was wir hier sollen. Hier ist wirklich nichts außer Bäume. Weit und breit kein Haus oder irgendetwas was auf menschliche Zivilisation hinweist. Und als ich noch verwirrt neben dem Auto stehe, gehen die beiden zielstrebig in den Wald.
„Komm Anna, wir müssen hier durch.“
Mein Vater winkt mir mit der Hand. Er und Marius befinden sich schon mitten im Gestrüpp und verschwinden zusehends hinter den Bäumen und Sträuchern. Gerade noch so kann ich sie sehen und versuche aufzuholen. Es dauert dann auch nicht lange, da bin ich wieder in ihrer Nähe. Ich kann es mir nach ein paar Minuten Fußweg nicht verkneifen und muss fragen.
„Was machen wir hier? Das sieht nicht nach einer normalen Wohngegend aus?“
Nicht anders zu erwarten dreht sich Marius zu mir um und grinst mich an. Ich hasse ihn. Und als ich mich gerade noch über Marius blödes Grinsen ärgere, stehen wir vor einem alten Eisentor. Es sieht sehr verwildert aus. Das ganze Tor ist mit Efeu überwachsen. Neben dem Tor sieht man die Überreste einer alten Mauer. Ich bin erstaunt, hier ist also doch etwas. Auch wenn es etwas von „Horrorfilm“ hat, bin ich neugierig und folge den beiden durch das Tor, dass sich unter einem lauten Quietschen öffnet. Vor uns, mitten im Wald, erhebt sich ein altes, zerfallenes kleines Schloss. Es sieht wirklich sehr schön aus, auch wenn es ziemlich verwildert aussieht, hat es etwas Beruhigendes. Und für einen kurzen Moment vergesse ich Marius und bin einfach nur erstaunt über dieses Gebäude. Es kommt mir so bekannt vor, als wäre ich schon einmal hier gewesen. Aber das ist natürlich nicht möglich und so verwerfe ich den Gedanken und staune noch immer über diesen Ort. Es ist so friedlich hier. Ich entdecke einen Garten und sehe dort Rosen und ohne darüber nachzudenken bewegen sich meine Füße auf den schönen Rosenbogen zu. Ich fühle mich, zu meiner Überraschung wohl hier. Die rosafarbenen Blüten lassen mich noch mehr staunen. Ich kann nicht anders als an den Rosen zu riechen, sie sehen einfach zu verführerisch aus. Doch als ich daran rieche und die Rose an dem Stiel anfassen will, steche ich mich an den Dornen. Ich fluche kurz und drücke auf die Wunde. Es ist eine sehr kleine Verletzung aber blutet wie eine große. Mein Blut tropft auf den Boden und als ich nach unten sehe, dorthin wo sich auch die rote Flüssigkeit verabschiedet hat, sehe ich plötzlich etwas. Unter dem mit Efeu bewachsenen Boden. Ich gehe in die Knie und versuche den Efeu zur Seite zu schieben. Es sieht aus wie eine Art Statue. Es ist das Abbild einer Frau. Aber leider fehlen die Hände und die steinerne Skulptur macht auch sonst keinen guten Eindruck. Es überrascht mich nicht, denn die Statue steht ja auch nicht mehr, sondern liegt am Boden und ich denke mal, dass schon sehr lange. Ich entdecke noch einen Art Sockel und eine Aufschrift darauf. Man kann die Aufschrift kaum lesen. Also nehme ich meine Finger und versuche die Buchstaben vom alten Moos zu befreien. Und als ich es ein wenig sauber gemacht habe, kann ich mit Mühe den Namen Elisabeth erkennen. Darunter steht auch noch ein Name aber ich kann nur die ersten zwei Buchstaben erkennen, ein B und ein A. Keine Ahnung was das zu bedeuten hat. Hier ist noch eine Zahl eingraviert, sehr schwer zu entziffern aber nach ein paar Versuchen sieht es für mich aus, als würde es 1618 heißen. Ich bekomme fast nicht mit dass sich jemand hinter mir befindet. Erst als ich das rascheln des Laubes hinter mir höre, schrecke ich hoch und drehe mich um.
„Das ist die Jahreszahl, falls es dir nicht klar ist.“
Es ist Marius der vor mir steht und mich wieder einmal mit seinem blöden Grinsen ansieht. Am liebsten würde ich ihm dieses Grinsen aus dem Gesicht schlagen. Er macht mich so verdammt wütend.
„Es tut mir leid, dass war mir absolut nicht klar, danke.“
Ich kann es mir nicht sparen sarkastisch zu sein. Am liebsten würde ich ihn einfach verschwinden lassen. Und als ich mich wieder einmal über ihn ärgere, fällt mir erst jetzt auf, dass mein Vater nicht bei ihm ist. Ich werde panisch und stehe auf.
„Was hast du mit ihm gemacht?“
Ich bin kurz vorm durchdrehen und will an ihm vorbeilaufen um meinen Vater zu suchen, als er seine rechte Hand ausstreckt und mich festhält. Ich versuche mich zu wehren. Doch er ist stark. Zu stark um mich gegen ihn wehren zu können.
„Lass mich sofort los. Was hast du gemacht?“
Er grinst mich wieder nur an und ich überlege ernsthaft ihm jetzt und hier eine zu scheuern. Aber ich weiß auch, dass es nichts bringen wird. Denn er ist einfach zu stark und das würde seine Bosheit nur noch mehr steigern. Falls das überhaupt möglich ist.
„Keine Sorge ich habe nichts gemacht. Noch nicht.“
Dieses miese Schwein. Was soll dass heißen, noch nicht? Doch plötzlich höre ich meinen Vater.
„Also Herr Decker. Es ist schon sehr alt. Aber es ist nicht Unmöglich es wieder aufzubauen.“
Ich bin überglücklich als mein Vater mit seinem geliebten Klemmbrett vor mir steht und sich Notizen macht. Marius reagiert schnell und lässt meinen Arm los. Innerlich wünsche ich mir gerade, dass mein Vater alles gesehen hätte und erkennen würde das Marius nicht ehrlich ist und alles für sein Ziel riskiert. Denn dann würde sich sicher auch mein Vater von ihm fernhalten. Aber Marius ist mir einfach immer einen Schritt voraus. Er sieht zu meinem Vater als er ihn hört und setzt wieder einmal seinen bekannten Blick auf. Jedes mal wenn er das macht bekomme ich so eine Wut und verstehe nicht wie man so falsch sein kann. Alleine schon wie er auf Knopfdruck wieder einen freundlichen Ton in der Stimme hat, als er meinem Vater antwortet, bringt mich um den Verstand.
„Wunderbar Mister Parson. Dann können wir wieder zurück fahren.“
Mein Vater nickt nur und sie machen sich auf den Weg. Ich blicke noch einmal zurück zu der verfallenen Statue und frage mich welcher Name da noch darauf eingraviert ist. Ich bin mir sicher Marius weiß es. Blöd nur, dass ich ihn nicht fragen kann und definitiv auch nicht will. Und so folge ich Marius und meinem Vater zum Wagen. Ich gehe wieder ein paar Meter hinter ihnen und bekomme nur am Rande mit, dass sie sich über dieses Gebäude unterhalten. Mit meinen Gedanken bin ich ebenfalls noch immer bei diesem Gebäude. Warum habe ich das Gefühl, dass ich schon einmal hier war? Dieser Weg und auch das alte Eisentor kommen mir so vertraut vor. Ich lasse meine Finger über die Baumstümpfe neben mir streichen und fühle die harte Rinde an meinen Fingerspitzen. Auch bei dieser Berührung habe ich dieses vertraute Gefühl. Dieses Gefühl, alles schon einmal gespürt und gesehen zu haben. Einen Augenblick später, stehen wir schon wieder vor dem Wagen meines Vaters. Mein Bauchgefühl sagt mir gerade ich soll wieder zurück. Es ist ein unerklärliches Gefühl. Ein Gefühl, das mir so neu ist.
„Anna, bitte steig ein.“
Plötzlich wird dieses Verlangen, zurückzukehren, unterbrochen als Marius vor mir steht und mir die Tür aufhält. Das soll doch wohl ein schlechter Witz sein? Aber er muss natürlich den Guten spielt, damit mein Vater nicht merkt, wie falsch er eigentlich ist. Ein wenig wehmütig setzte ich mich in den Wagen. Als ich meinen Blick dem Wald zuwende, dort an der Stelle wo der Weg zur Straße führt, kommt dieses Gefühl wieder in mir hoch. Ich muss nochmals hier her. Irgendetwas zieht mich an diesen Ort und ich kann es immer noch nicht erklären.
Die ganze Fahrt über versuche ich mir genauestens zu merken wo wir lang fahren. Denn ich muss herausfinden wieso ich zu diesem Ort eine derartig unerklärliche Verbindung habe. Und als wir kurz vor unserem Haus sind, schwirrt mir eine Frage durch den Kopf. Was will Marius mit diesem Haus? Es steckt sicher eine Geschichte dahinter. Es muss etwas zu bedeuten haben. Besonders wenn sich Marius dafür interessiert. So hinterhältig wie er ist. Die Frage ist, was hat er vor und wieso habe ich diese Verbindung zu diesem Ort? Mir brennen wieder einmal so viele Fragen auf den Lippen. Doch ich weiß nicht wer mir diese beantworten kann, außer Marius. Doch bevor ich ihn Frage, beiße ich mir vorher die Zunge ab.
Als wir in unsere Hauseinfahrt einbiegen, konzentriere ich mich um mir nochmals alles genau einzuprägen. Ich darf einfach nichts vergessen, ich muss mir den Weg merken. Ich bleibe noch einige Sekunden im Wagen sitzen und versuche meine Erinnerungen, in meinem Gedächtnis abzuspeichern bevor ich aussteige und gedankenverloren die Tür etwas zu fest zuschlage.
Zu meiner Freude verabschiedet sich Marius gleich von meinem Vater. Er kommt auch auf mich zu und reicht mir seine Hand. Doch was er kann, das kann ich schon lange. Und so sehe ich zuerst zu meinem Vater. Dieser sieht uns zum Glück nicht zu. Ich will Marius einfach nicht die Hand reichen. Jede Berührung ist für mich eine Qual. Und so grinse ich ihn nur an und wende mich um ins Haus zu gehen. Doch bevor ich auch nur einen Schritt vorwärts setzen kann, packt er mich an meinem Handgelenk. Ich drehe mich zu ihm um und versuche mich aus seinem starken Griff zu befreien. Doch er ist einfach zu stark und so bin ich gezwungen stehenzubleiben.
„Ich weiß was du gefühlt hast und ich kann dir alle deine Fragen beantworten. Du musst mir nur ein klein wenig Blut von dir überlassen.“
Wie kann er wissen was ich gefühlt habe? Ich bin mir sicher, dass das zu seinem Plan gehört. Und so gerne ich auch etwas über dieses Gefühl und dieses Haus wissen möchte, werde ich ihn sicher nicht darum bitten. Er will mein Blut. Er will das beenden was er in dieser Nacht angefangen hat. Doch auf keinen Fall werde ich ihm dabei helfen. Er setzt wieder sein falsches Grinsen auf und lässt mich zum Glück los. Ich bleibe wie angewurzelt stehen, doch Marius dreht sich um und geht zu seinem Wagen. Er steigt in den schwarzen Porsche ein und mit lautem Gedröhne fährt er los. Als der Wagen hinter den Häusern verschwindet überkommt mich ein Gefühl der Erleichterung. Endlich ist er wieder weg. In seiner Gegenwart verspüre ich immer Angst und versuche jedes Mal mit Mühe diese Angst zu überspielen.
Als ich die erste Anspannung nun los bin, folge ich meinem Vater, der bereits auf dem Weg zur Haustüre ist. Jetzt oder nie. Ich muss ihm die Frage stellen, die mich schon die ganze Fahrt über beschäftigt hat.
„Was will Mister Decker eigentlich von dir?“
Mein Vater bleibt kurz vor der Eingangstüre stehen und sieht mich fragend an. Normalerweise interessiere ich mich nicht für seine Arbeit. Deswegen auch dieser Blick, denn er gerade aufsetzt. Erstaunt und etwas überrascht von meiner Frage, versucht er mir zu antworten.
„Dass was Alle meine Kunden wollen Anna, ich soll ihnen etwas bauen.“
Er lächelt mich an und schüttelt den Kopf. Doch ich bleibe bei meiner Ernsthaftigkeit. Ich muss erfahren was Marius vor hat. Er muss Etwas im Schilde führen.
„Dad. Das ist mir schon klar. Aber was genau will er?“
„Mister Decker will dieses alte Schloss wieder aufbauen und ich soll ihm dabei helfen, es wieder originalgetreu aufzubauen.“
Ich verstehe nicht was es mit diesem Schloss auf sich hat, aber ich kenne Marius mittlerweile schon so gut, dass ich weiß, das es nichts Gutes bedeuten kann. Und gerade als ich meinen Vater nach dem Grund fragen will, wieso Marius das Schloss wieder aufbauen will, unterbricht uns Mikaela, die gerade mit ihrem Fahrrad in die Einfahrt biegt. Ich will nicht das sie etwas von Marius mitbekommt und sie dadurch auch in Gefahr ist. Also erspare ich mir meine Frage und begrüße sie stattdessen. Sie hat die heutige Nacht bei ihrer Freundin verbracht und hat natürlich einiges zu berichten. Ich lächle nur als sie mit meinem Vater in die Küche geht und sie ihm alles genauestens erzählt. Ich kenne meinen Vater, er ist geduldig und hört sich jedes Wort gerne an. Bei diesem Anblick wird mir wieder klar, dass ich nicht zulassen darf, das ihnen etwas passiert. Diese beiden Menschen sind die einzige Familie was ich noch habe und sie wissen Nichts über diese kranke Welt. Ich muss dringend einen Weg finden um Marius aufzuhalten. Nur das Problem ist, dass ich es alleine nicht schaffe. Auf dem Weg über die Treppen zu meiner Wohnung kommt mir eine nicht so angenehme Idee. Auch wenn ich es nicht will, ich muss Alex um Hilfe bitten. Er ist der Einzige der über Marius Plan Bescheid weiß. Oder wenigstens weiß, wie man ihn ausschalten kann. Hoffe ich zumindest.
Ohne zu zögern hole ich mein Telefon aus der Tasche und wähle seine Nummer. Es macht mich noch nervöser, da ich nicht weiß wie er reagieren wird. Besser gesagt, wie ich reagieren werde macht mir ebenfalls Angst. Er hat mich angelogen und mich benutzt. Als ich daran denke, überkommt mich wieder diese Trauer. Es ist das selbe Gefühl das ich hatte, als ich Jaimie mit Steve erwischt habe. Dieses Gefühl lässt mich wütend und traurig zugleich werden. Ich hasse dieses Gefühl und ich kann es nicht verdrängen. Aber ich muss mich jetzt einfach darauf konzentrieren, Informationen zu erhalten. Also muss ich wohl oder übel meine Gefühle hinten anstellen.
Es läutet und läutet, aber Niemand geht ran. Nervös laufe ich in meinem Zimmer auf und ab. Er muss ran gehen. Auch wenn ich es mir noch immer nicht wirklich eingestehen will, brauche ich seine Hilfe. Als sich nach einer Weile die Sprachbox meldet, lege ich mein Telefon enttäuscht auf den Schreibtisch vor mir. Was soll ich jetzt tun? Ich kann nicht tatenlos herumsitzen und warten bis Marius den nächsten Schritt macht. Das Gefühl von vorhin verwandelt sich in Hilflosigkeit. Auch dieses Gefühl kenne ich nur zu gut. Und gerade als ich schon aufgeben will, reißt mich ein lautes Klopfen aus meinen Gedanken. Erschrocken drehe ich mich um und sehe zu dem Fenster. Das Gesicht hinter der Scheibe, versetzt mir, ohne es zu wollen einen kleinen Stich in mein Herz. Einerseits freue ich mich ihn zu sehen, da ich Hoffnung habe, dass er mir mit Marius helfen kann, aber dann kommt auch das Gefühl von Enttäuschung wieder über mich. Als würde ich mich für das bevorstehende Gespräch wappnen, atme ich noch einmal tief ein. Am Fenster angekommen, öffne ich es und klettere nach draußen. Alex hat sich bereits am Dachvorsprung niedergelassen und ich setze mich, mit etwas Abstand neben ihn. Es ist ein komisches Gefühl, hier zu sitzen. Denn das letzte Mal haben wir uns hier geküsst und die Erinnerung trifft mich, wie eine Ohrfeige.
„Anna.“
Er sieht mich nicht mal an und an seinen Gesichtszügen und den dunklen Augen merke ich, dass ihm dieses Situation ebenso zu schaffen macht wie mir. Das wäre dann auch etwas was wir gemeinsam haben. Ich bin auch nicht glücklich darüber was alles passiert ist. Wäre es anders gelaufen und er hätte mich nicht angelogen, wären wir jetzt vielleicht glücklich. Aber ich muss jetzt meine Gefühle zur Seite schieben. Ich muss alles tun um meine Familie zu beschützen.
„Was machst du hier?“
„Du hast mich angerufen und ich war in der Nähe.“
Sein Blick ist noch immer starr nach vorne gerichtet. Als wären die Bäume vor ihm eine Seltenheit und wären faszinierender als alles andere. Doch ich denke es besser zu wissen. Er kann mir nicht in die Augen sehen. Auch wenn ich ihn niemals wirklich durchschauen konnte, auch jetzt nicht. Aber eines spüre ich. Er hat ein schlechtes Gewissen. Diese Erkenntnis macht es mir etwas leichter in seiner Nähe zu sein.
„Was hat er vor. Ich meine Marius?“
Er scheint überrascht zu sein, dass ich ihn nach Marius frage und nicht mit ihm über seinen Fehler sprechen will. Er dreht seinen Kopf zu mir und sieht mich mit seinen, zu meinen bedauern, wunderschönen Augen an. Auch wenn er mir weh getan hat, diese Augen sind so außergewöhnlich. Dieser Blick so traurig, es ist fast so als würden diese Augen, den ganzen Schmerz und die Fehler die er gemacht hat, wieder gutmachen wollen.
„Er will sein Ritual zu Ende bringen.“
„Das ist mir klar. Ich will wissen, was er alles für dieses Ritual machen muss?“
Die Farbe seiner blauen Augen ändert sich in ein Nachthimmel-Blau und seine Augen scheinen mich zu mustern. Es sieht fast so aus, als würde ihm etwas auf den Lippen liegen, dass er unbedingt loswerden möchte. Jedoch zucken nur seine Mundwinkel als seine Lippen sich wieder zu einem angespannten schmalen Strich zusammen pressen. Scharf zieht er die Luft ein und dreht sich wieder von mir weg um seinen Blick wieder nach vorne zu richten.
„Anna, es ist nicht so einfach wie du denkst. Er muss uns vorher noch zu dem Grab führen.“
Grab? Ich weiß nichts von einem Grab. Ich verstehe auch nichts von Ritualen und kann mir einfach nicht vorstellen, dass so etwas funktionieren kann. Wobei ich auch bis vor kurzem nicht an Vampire und Werwölfe geglaubt habe.
Auch wenn er nicht gerade den Eindruck macht, als würde er mir gerne antworten, versuche ich weiter hartnäckig zu bleiben, um an meine Antworten zu kommen.
„Welches Grab?“
Er ist einige Sekunden still und sagt nichts. Er sitzt nur neben mir und ich habe das Gefühl, dass mich die Stille, die uns umgibt, bald erdrücken wird. Es ist nicht mehr so wie noch vor einigen Tagen. Es hat sich etwas Grundlegendes zwischen uns geändert. Die Vertrautheit, die ich einst in seiner Nähe gefühlt habe, scheint wie weggeblasen zu sein.
„Ich habe gefragt welches Grab? Wo soll das Grab sein, Alex?“
Er zögert sehr lange, als wolle er mir nicht sagen, um was genau es hier geht. Er dreht seinen Kopf wieder in meine Richtung und seine Augen bleiben an meinen hängen. Er holt tief Luft, bevor er die Worte fast schon auszuspucken scheint.

„Es ist das Grab von Elisabeth Bathory. Es muss irgendwo hier in der Nähe sein. Wir verfolgen ihn schon seit Jahren und er hat bereits alles, was er braucht, bis auf das Grab und den Stein. Und natürlich auch noch mehr Blut.“

Bathory hieß meine Ur-Großmutter mit Nachnamen. Und schon dämmert es mir. Den Namen, den ich heute auf dem Stein der Statue gesehen habe. Elisabeth Bathory. Darum will Marius dort hin. Doch was will er dort? Ich kämpfe gegen den Drang an, Alex die Neuigkeit zu erzählen. So lange ich nicht weiß, ob ich ihm in dieser Hinsicht vertrauen kann, was Marius betrifft, werde ich dieses Geheimnis nicht mit ihm teilen.

„Wie alt müsste das Grab sein?“

Er sieht mich sehr überrascht an, als würde er ahnen, dass ich etwas weiß.

„Laut der Legende ist Elisabeth 1620 gestorben. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Aber man geht davon aus, dass sie in einem ihrer Verstecke beerdigt wurde. Beerdigt mit einem Stein. Einem Edelstein an einer Kette befestigt. Anna, solltest du etwas darüber wissen, dann musst du es mir sagen?“

Ich kann es ihm noch nicht sagen, ich muss zuerst etwas von ihm wissen. Will mehr über seinen Plan erfahren. Für den er mich verraten hat.

„Wieso willst du, dass er dich zu diesem Grab führt?“

Er zögert auch dieses mal wieder mit seiner Antwort und macht mich fast wahnsinnig damit.

„Wir suchen schon seit Generationen nach den Überresten von Elisabeth und dem Edelstein.“

„Und für was brauchen die Werwölfe diesen Stein und vor allem, was wollt ihr mit den Überresten von Elisabeth?“

Er sieht wieder nach vorne und ich habe den Eindruck als wolle oder könnte er mir nicht die Wahrheit sagen. Der Moment erinnert mich unwillkürlich an die Situationen mit ihm, in denen er einfach plötzlich verschwunden ist oder mir nicht sagen konnte, was mit ihm los war. Und schon fühle ich wieder diese Trauer. Er hat mir wirklich sehr viel bedeutet und ich kann mir nicht vorstellen, wie man einem Menschen so etwas vorspielen kann. Jemanden anzulügen ist eine Sache. Ihm aber dann Gefühle vorzuspielen, ist für mich nicht nachvollziehbar.

„Das ist doch klar. Wir wollen verhindern, dass noch mehr Jäger die Möglichkeit haben dieses Ritual durchzuführen.“

Die Antwort versetzt mir einen weiteren Stich in die Magengrube. Denn es hat sich für mich nicht ehrlich genug angehört. Hätte ich nur damals, als ich ihn kennengelernt habe, besser darauf geachtet, was sich ehrlich anhört und was nicht. Vielleicht hätte ich so manches verhindern können. Ich kann ihm nicht glauben. Vor allem die Aussage, dass sie es finden wollen, um weiteren Schaden zu verhindern. Ich frage mich auch, ob die Frau im See etwas damit zu tun hatte. Das Einzige was ich erwarte, ist doch nur Ehrlichkeit. Doch so wie es aussieht, kann ich sie nicht von Alex erwarten. Wieder einmal meldet sich diese Enttäuschung in mir. Ich bin enttäuscht, dass er mich schon wieder anlügt. Doch wie hätte es auch anders kommen sollen? Er war nie ehrlich zu mir, wie konnte ich es dann jetzt erwarten? Aber einen Versuch wage ich noch. Diese Frage muss ich ihm einfach stellen. Auch mit der Gefahr hin, dass er mich wieder anlügt.
„Hast du etwas über diese Frau herausgefunden?“
Er sieht mich verwirrt an und ich denke, er ist überrascht, dass ich es nicht verdrängt habe. Er zögert wieder kurz und strapaziert damit nur noch mehr meinen, ohnehin schon sehr dünnen Geduldsfaden.
„Ja ich habe etwas herausgefunden. Aber ich weiß nicht ob du bereit bist dafür.“
„Alex. Ich war nicht bereit für das Alles.“
Um es ihm zu verdeutlichen, gestikuliere ich wild mit meiner Hand um mich und auch um seine Gestalt, bevor ich weiterspreche.
„Und trotzdem bin ich hier und rede mit dir. Einem Werwolf. Also werde ich schon auch mit deiner Antwort klar kommen. Irgendwie muss ich ja.“

Die Sekunden verstreichen und mein Herz klopft wie wild in der Hoffnung, dass ich mit den Worten, die Alex gleich über die Lippen bringen wird, klar komme.
Dass ich bereit bin, in diese Welt zu gehen, mit dem Gewissen, nie wieder davor weglaufen zu können.

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beta
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