Herbert

Als Tom Monika in mein Arbeitszimmer geführt hatte, saß Werner bei mir und schüttelte den Kopf! "Irgendwie komm ich da nicht mit! Wie habt ihr das gemacht und wer ist Tommy? Ist das ein Unehelicher von dir oder...? Entschuldige, Michael, aber wie konnte Selina wissen, wie sie Monika dazu bringen kann...?" - "Werner, ich seh da jetzt selbst nicht ganz durch! Ich weiß nur soviel: Unterschätze niemals meine Frau! Thomas ist der Sohn, meiner verstorbenen Exfreundin, aber das ist eine lange Geschichte. Ich führe ihn als Sohn in meinem Herzen und ich weiß, dass er deiner Tochter gut tut! Mehr brauche ich nicht zu wissen! Ich vertraue ihm und das solltest du auch tun! Mir ist jeder Weg recht, wenn ich dir deinen Wunsch nach einer gesunden Tochter erfüllen kann, Werner!" Selina kam zurück. "Monika hängt jetzt am Tropf. Sie wird vermutlich einschlafen, aber ich denke sie träumt süß, befindet sie sich doch in der von ihr gewünschten Gesellschaft. Tommy passt gut auf sie auf." - "Entschuldigen sie Selina, wie konnten sie wissen...?" - "Als sie mit Michael sein Büro verlassen haben, habe ich unser Gespräch dahin geführt, dass sie in unserer Klinik jederzeit Besuch empfangen könnte, auch ihren Freund zum Beispiel. Sie sagte sie hätte keinen. Ich fragte sie, ob sie denn für einen schwärme und sie erzählte mir von einem Jungen aus der Parallelklasse, der aber nichts von ihren Gefühlen wüsste. Sie beschrieb ihn mir und ich hegte sehr schnell den Verdacht, dass es sich um Tommy handelt. Um das herauszufinden sah ich unsere einzige Chance darin, sie zum Essen einzuladen. Tommy wusste nichts davon, hat aber offenbar die selben Gefühle für ihre Tochter, Herr von Kurzhagen." - "Selina, bitte, wir sollten uns längst duzen!" Er reichte Selina die Hand. "Werner. -  Ich kann nicht glauben, wie gekonnt du meine größten Probleme löst!" - "Freu dich einfach darüber! Wir tun das auch!"

 Thomas nahm wahr, wie Moni entspannt die Augen schloss. Seit er Moni vor zwei Jahren auf dem Pausenhof das erste Mal gesehen hatte, hatte er von ihr geträumt. Nach ein paar Recherchen aber, hatte er sich das aus dem Kopf geschlagen. Die Tochter des Oberstaatsanwalts! Da hatte er sowieso keine Chance. "Von Kurzhagen", eine "Von"! Die würde sich mit dem Waisen Thomas Weber wohl kaum abgeben. Und plötzlich steht Selina mit ihr in der Tür und er geht mit ihr zu Tisch. Er konnte sein Glück kaum fassen. Sie hatte ihm eben gestanden, dass sie sich auch nicht getraut hatte, ihn anzusprechen... 
Selina kam nach einer knappen Stunde. Monika lag friedlich da und atmete ganz ruhig und entspannt. Tom hielt ihre Hand. Wieder küsste er ihre Finger. "Moni!" sagte er sanft, "Wach auf! Selina ist da. Die Infusion ist durch!" Moni schlug die Augen auf. "Es war doch kein Traum! Du bist noch da!" hauchte sie. Selina hatte gelächelt, als sie gesehen hatte, wie liebevoll Tom sie geweckt hatte. Auch jetzt lächelte sie die beiden an. Sie befreite Moni von der Nadel und bat sie, morgen nicht zu frühstücken, denn man würde ihr Blut abnehmen. Sie halfen ihr gemeinsam, sich aufzusetzen und Selina maß noch ihren Blutdruck. "Du bleibst jetzt noch ein paar Minuten sitzen, damit dir beim Aufstehen nicht schwindlig wird. Ich nehme an, es wird dir nichts ausmachen, mit Moni hier zu warten und sie dann in den Salon zu führen, Tom." lächelte sie wissend. "Nein, nein! Nicht das Geringste, Selina!" Als sie das Zimmer verlassen hatte, wandte er sich wieder Moni zu. "Monika, mir ging es genauso wie dir, ich wagte nicht, es dir zu sagen, weil ich Angst davor hatte, du würdest mich auslachen." - "Das hätte ich nie getan, Tommy, auch nicht, wenn ich nichts für dich empfunden hätte! Aber das tue ich ja! Und zwar schon lange!" Sie war ihm nun ganz nah. "Lass uns aufstehen!" sagte sie, als hätte sie Angst vor einem Kuss, doch als sie standen, schaute sie ihm wieder tief in die Augen.  "Und du bist wirklich kein Traum?" flüsterte  sie, legte ihre Hände um seinen Hals und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen. "Komm! Sie warten auf uns!"

Der nächste Tag begann für mich mit einem Telefonat mit Mirko. Gleich morgens um sieben, bevor Mirko zur Arbeit fuhr, erwischte ich ihn beim Frühstück. Die Verabschiedung war für Donnerstag geplant und ich fragte ihn, ob er kommen wolle. Er werde selbstverständlich da sein und er würde versuchen, mit Mira zu kommen. "Das würde mich ganz besonders freuen Mirko! Rufst du mich an, sobald du die Reisedaten hast?" - "Wieso Reisedaten?" - "Ich würde an deiner Stelle fliegen. Da seid ihr im Nu da und braucht nicht in der Hitze Stau zu stehn! Die Flugkosten übernehm ich, Mirko! Vom Flughafen nehmt ihr ein Taxi zum Palais oder zur Klinik, je nach Ankunft!" - "Ist gut! Ich meld mich! Aber die Kosten trag ich selbst, Michael!" - "Sei nicht so stur, Mirko, ich will mich nicht mit dir streiten!" - "Ja, ja! Ich meld mich Micha!"

"Michael?" - "Guten Morgen, mein Sohn! Was treibt dich denn schon aus dem Bett?" - "Monika. Ich meine... Ich möchte sie nicht alleine lassen heute! Ich habe ihr versprochen, dass ich in die Klinik komme." - "Sag mal Tom, läuft da was zwischen euch beiden?" -  "Kennst du das Gefühl, verliebt zu sein, in jemanden, dem man es nicht sagen kann? Sowas war das bis gestern! Aber jetzt, haben wir es beide ausgesprochen und ich hoffe sehr, ihr macht sie wieder gesund!" - "Das hoffe ich auch, Tommy! Hast du eigentlich eine Fahrerlaubnis für einen Roller oder sowas?" - "Ja, hab ich. Aber kein Fahrzeug!" - "Das lässt sich ändern!" - "Wie meinst du das?" - "Wir kaufen eins! Du musst mobil sein und selbst von A nach B können. Du kannst nicht den ganzen Tag in der Klinik vor den Behandlungszimmern warten." - "Wie, wir kaufen eins?" - "Na wie man das halt so macht. Wir gehen zum Händler, suchen eins aus, bezahlen es und melden es an. Fertig!" - "Dazu werden meine Ersparnisse nicht reichen! Ich spare nämlich auf den Führerschein." - "Ich glücklicherweise nicht, Tom! Übrigens: Die hat was, die Kleine! Die hätte mir auch gefallen, in deinem Alter!" Selina war schon vorgefahren in die Klinik, um Monika und ihren Vater zu empfangen, ich fuhr mit Tom ein Kleinmotorrad kaufen und anmelden, damit der Junge mobil war. Er bekam eine geländegängige Maschine und vernünftige Kleidung und einen Helm dazu, damit er sich unabhängig bewegen konnte. Er freute sich riesig. "Aber bitte pass auf, dass du dir nicht weh tust damit!"  Dann fuhr ich in die Klinik. Als ich in mein Büro gehen wollte, saß Marion im Vorzimmer und begrüßte mich. Daran hatte ich ja gar nicht mehr gedacht! Ich begrüßte sie und informierte sie über den normalen Tagesablauf und ihre Aufgaben. Ines hatte ihr schon die Post und die Unterschriftenmappe gebracht und ihr den Usus soweit erklärt, als er sie bisher betroffen hatte. "Ach ja, Herr Montar, Ihre Mutter war vorher da, in Begleitung eines Herren, den sie ihnen vorstellen wollte. Sie käme später nochmal vorbei, hat sie gesagt." - "Danke Marion. Wir beide werden jetzt einmal durch die Klinik marschieren und sie dem Personal vorstellen." Ich ging mit ihr gleich einmal zu meiner Frau, weil ich nicht wagte, sie nicht als Erste aufzusuchen. Selina riss sich offenbar sehr zusammen, denn man konnte nicht einen Hauch von Eifersucht erkennen, Ich gab ihr noch ein Küsschen, als wir sie wieder verließen. "Liebling!" rief sie mir nach. "Deine Mutter hat eine Überraschung für dich!" - "Was denn?" - "Das wirst du schon sehen, aber du wirst erstaunt sein." - "Da bin ich mal gespannt!" Ich ging mit Marion zu allen Abteilungen und auch in die Kantine und stellte sie als meine zukünftige rechte Hand vor. Als wir zurück im Vorzimmer meines Büros waren, meinte sie. "Herr Montar, ich möchte mich noch einmal bedanken, dass sie mir diese große Chance geben! Ich hatte keine Ahnung, von der Insolvenz und habe sehr gern dort gearbeitet. Ich habe mir eine Wohnung angeschafft, die ich abbezahlen muss und stand auf einmal ohne Arbeit da und jetzt bin ich sehr froh, dass ich für sie arbeiten darf." -  "Ich auch, Marion! Denn wenn sie sich mal eingearbeitet haben, werden sie mir eine große Hilfe sein. Mein Freund Bertie hat sich für sie verbürgt, also müssen sie ein Prachtmädel sein! Was soll da noch schief gehen? Sehen sie sich ihren Arbeitsplatz genau an und eruieren sie, was ihnen fehlt. Schreiben sie alles zusammen und dann kaufen wir ein, damit sie durchstarten können. Ich bin bis auf Weiteres im Büro. Machen sie sich mit allem vertraut und scheuen sie sich nicht, zu fragen, wenn sie wo nicht sicher sind!" 
Es war schon mal angenehm, das Marion die ganzen Telefonate abfing, die auf der Klinikleitung hereinkamen. Jene Leute, die mich direkt kontaktieren wollten, konnten brauchten also meine Handynummer. "Herr Montar, ihre Frau Mutter möchte zu ihnen." - "Schicken sie sie herein, Marion!" Mutter kam herein, gefolgt von jenem Herrn, den ich schon mehrmals in ihrer Gesellschaft gesehn hatte. "Guten Morgen, Mutter! Was führt dich zu mir?" Eröffnete ich das Gespräch, während ich den beiden bedeutete, auf der Ledergarnitur Platz zu nehmen. Mutter ließ es sich nicht nehmen, mir ein Küsschen auf die Wange zu drücken. "Michael, erinnerst du dich an Herbert Koller. Er war vor zwei Jahren Patient bei euch und ist zur Kontrolle hier. Ich gab ihm die Hand und sagte: "Ich kann mich dunkel an dieses Gesicht erinnern." - "Du wirst es jetzt öfter sehen, Michael! Wir werden heiraten!" Ich war platt. "Aber Mutter, so schnell...?" - "Wir waren vor über vierzig Jahren schon mal ein Paar, mein Junge. Herbert ist dein Vater..."

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