Gefährliches Wissen

Peter saß mit ausdruckslosem Gesicht da. Er mußte erst verarbeiten, was Leitner erwidert hatte. Er hatte mit Vielem gerechnet, nicht jedoch mit einer Bestätigung seiner gewagten Theorie. Er hatte eigentlich angerufen, um diesen "blödsinnigen" Gedanken los zu werden. 
"Peter, was ist denn los?" fragte Ricarda, doch Peter besann sich, dass er Leitner Neuigkeiten versprochen hatte und dieser immer noch am anderen Ende der Leitung darauf wartete. Er musste diese Neuigkeiten nun so verpacken, dass Irina nicht ins Spiel kam. Außerdem bestand durchaus die Gefahr, abgehört zu werden, deshalb fragte er Leitner, ob es nicht besser wäre, sich auszutauschen, wenn er mit Ricarda in Stuttgart ihre Sachen holen würde. Auch Konrad Leitner konnte die Befürchtung nachvollziehen und so einigte man sich, kurzfristig ein Treffen abzuhalten, wenn die Zeit gekommen wäre.  Nachdem ihre Daten bekannt waren, war es einfach zu gefährlich, am Telefon zu diskutieren. Auf diese Weise hätte es auch für Irina sehr gefährlich werden können und das hatte sie nun wirklich nicht verdient. Die Datensicherheit unserer Handys wird heute bei weitem überschätzt. In Deutschland wird praktisch jedes Gespräch mitgeschnitten, in Österreich ist anzunehmen, dass ebenfalls gelauscht wird. Interessanter Weise sind es nicht etwa die eigenen Geheimdienste, sondern vorwiegend ausländische. Die USA haben ihre eigene Behörde dafür, die NSA, die weltweit Telefonate abhört und auswertet. Natürlich könnte das dem rechtschaffenden Otto-Normalverbraucher, der sich nichts zu Schulden kommen lässt, egal sein, rechtens ist es deshalb noch lange nicht. Durch Nine-Eleven kam es zum Patriot-Act, der dem Amerikaner Dinge erlaubt, für die ihn früher jeder Staatsanwalt gesteinigt hätte. Und diesen Patriot-Act wendet er im westlichen Ausland, insbesondere in good old Germany im großen Stil an. Die Österreicher werden dabei nicht verschont. Deutschland kann sich ohnehin nicht helfen. Dieser Umstand wird zu gerne totgeschwiegen, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass die Besatzungsmacht USA sich ihre Geheimdienstgrenzen in Deutschland selbst dorthin schiebt, wo sie ihr genehm sind.    
Echelon, wie diese Abhör-Organisation heißt, arbeitet aber nicht nur für die National Security Agency der AMIs. Es verkauft seine Dienste weltweit und fragt auch nicht nach Lächerlichkeiten wie Datenschutz. Tatsache ist, das die NSA aber die besten Dechiffriermöglichkeiten bei verschlüsselten Nachrichten hat. Trotzdem werden Nachrichten aus aller Herren Länder aufgezeichnet und auf bestimmte Wörter überprüft. Und zwar die von den Österreichern genauso, wie von den Deutschen oder Briten.  Fällt also in einem Privatgespräch das Wort Geheimdienst oder irgend eine terrorverdächtige Floskel, werden die Gesprächsteilnehmer genauer unter die Lupe genommen. Dazu braucht es keine Verschlüsselung. Wenn ganz normale Bürger durch Stichworte auffallen   geraten sie in den Focus der Geheimdienste. Peter war diese Tatsache durchaus bekannt und er wusste um die Gefahr, in der sie sich befanden.  
"Ich muss euch was erklären." eröffnete er daher Ricarda und Gernot. "Wir sind wirklich in was geraten, das mächtiger und gefährlicher ist, als man glauben möchte und ich gehe davon aus, dass unsere Telefongespräche nicht mehr sicher sind. Wir sind für die Großen zu einem Sicherheitsrisiko geworden. Sie wissen nur noch nicht, wie groß dieses Risiko durch unsere Kenntnis der Dinge schon geworden ist und dass wir uns dieser Tatsache durchaus bewusst sind. Wüssten sie das, würden wir bereits observiert. Das heißt, sie dürfen keinesfalls erfahren, das wir im Besitz der Kamera sind und dass wir, wie man so schön sagt, zu viel wissen! Es ist Zeit, an Irina und Leonhard zu berichten. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich hier nur mit Hilfe meiner besten Freunde wieder rauskomme, deshalb stellt sich für mich die Frage, ob wir Rupert ins Boot holen. Dazu möchte ich aber vorher mit Irina sprechen. Was haltet ihr davon?"  - "Ich werde mich hüten, deinem Instinkt zu misstrauen. Ich respektiere dich als Leithammel!" gab Gernot an und Ricarda meinte: "Ich hab keinen anderen Plan, als dir zu folgen, Liebling." - "Gut, dann fährst du bitte in deine Werkstatt und sorgst dafür, dass Toni dicht hält. Ricarda und ich fahren zu Leonhard. Gernot, wir rufen dich an, wenn wir näheres wissen. Ich schlage vor, dass wir uns nach Absprache mit Rupert im Felsenkeller treffen und die weitere Vorgangsweise besprechen." - "Alles klar! Machts gut, ihr zwei!"               

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