Ein Funken Wahrheit

Ich hörte nicht auf nach den mysteriösen Augen in der Dämmerung zu suchen, doch irgendwann wurde ich ungeduldiger und widmete meine Aufmerksamkeit dem Geschehen, im Auto. Warum musste ich überhaupt mit in diesen dämlichen Urlaub? Ich war bereits reife sechzehn und konnte damit ohne größere Probleme, ein paar Wochen selbst auf mich aufpassen. Nicht mal unser kleiner Klassenstreber musste noch mit in den Urlaub seiner Eltern.

Na gut das erzählte er, dass die ganze Klasse dem keinen Glauben schenken konnte, ist doch Nebensache.

„Dad? Kannst du mal die Heizung runter drehen? Hier sind gefühlte tausend Grad drin."
„Sag mal bist du krank?", fragte mein Bruder und zog sich seine braune Strickjacke provokativ an.
„Ich friere voll."
„Eigenartig das dir das jetzt erst auffällt.“ Meinen Blicken konnte er nicht lange standhalten und so wandte er sie schon nach wenigen Augenblicken von meinen Augen ab. Dad machte das Auto an,... zumindest versuchte er es und er versuchte es nochmal. Aber es funktionierte nicht.

„Dad!“ Energisch drehte er den Autoschlüssel rum und hoffte das Aufheulen des Motors hören zu können.
„Dad mach jetzt keinen scheiß!“ Nach ein paar weiteren Versuchen gab er es auf, zog den Schlüssel raus und bemerkte verschüchtert:

„Ich schätzte wir müssen laufen.“ Dem letzten Wort hatte er noch etwas Aufschwung verliehen, damit er nicht ganz so bedeppert wirkte.
„Shit! Ich werde hier garantiert nicht aussteigen, durch die Kälte laufen und nicht einmal wissen ob wir richtig sind. Ich bleibe hier!", und verschränkte selbstbewusst die Arme vor der Brust.
„Also 1. hör auf immer zu fluchen, deine Geschwister gewöhnen sich das noch an und nur auf den Wunsch einer Dame, ... ähm werden wir... hm hier nicht warten. Wo rauf sollten wir auch warten? Das sich der Tank von alleine auffüllt? Wir laufen, holt eure Koffer wir gehen sofort los, bevor es richtig dunkel ist und...und keine Widerrede!" Ich war so wütend auf sie und Dad. Bekamen sie in ihrem Leben überhaupt etwas auf die Reihe?
„Wir könnten warten, bis hier jemand vorbei fährt und uns mitnimmt,... aber Moment mal geht ja nicht, weil wir am Arsch der Welt sind. Wohl möglich war seid tausenden von Jahren niemand mehr hier! Na ja das würde auch die katastrophalen Straßenstrukturen erklären."
„Jetzt komm mal runter und sprich in einem anderen Ton mit mir! Ich habe mir das nicht ausgesucht, also hol' nun deine Sachen, anstatt dich nur zu beschweren und selbst keine bessere Idee zu haben!"
Aber ich habe mir das ausgesucht, oder was wollte sie mir gerade damit sagen?

Mit ihrer Ansagen stiegen wir aus und jeder nahm das mit was ihm am Wichtigsten war. Warum war ich denn nun schon wieder an allem schuld?

War es nicht mein Vater gewesen, der es nicht geschafft hatte, den Tank aufzufüllen? Was hatte ich denn nur damit zu tun? Warum ich? Vor Wut stampfte ich mit meinem linken Fuß auf den kalten, matschigen und doch harten Boden auf. Wobei ich mir einen Schmerzensschrei verkneifen musste, da der harte Boden meine Zehnknochen wohl möglich gebrochen hatte. Ein paar Sekunden verschnaufte ich mit zusammengekniffenen Augen, wobei mir fragende Blicke meines Bruders entgegen kamen.
Nachdem ich meinen schmerzenden Fuß halbwegs ignorieren konnte, holte ich mir 2 Koffer und lief mit Tom in einem schnellen Schritt vor. Seine genervten Gesichtszüge sprachen Bände und ich musste mich nicht sonderlich anstrengen, um zu verstehen, dass er alles andere als angetan von Mum's Idee war.

„Das ist doch völlig bescheuert.", murmelte ich vor mich hin.
„Was?", mischte sich Dad ein, der sich unbemerkt an meine rechte Seite gehaftet hatte. Was mischte er sich überhaupt ein? Hatte irgendjemand mit ihm gesprochen? Nein!
„Wir sind in England irgendwo auf dem Land, keiner von uns kann genügend Englisch um sich hier gut verständigen zu können, wenn denn hier jemand vorbei kommen würde! Was nebenbei bemerkt so wahrscheinlich ist als würdest du im Lotto gewinnen und damit meine ich unmöglich, denn ich will bemerken das wir am Arsch der Welt sind und..."

Ich wollte weiter sprechen,... weiter schreien, doch Mum unterbrach mich schnell.
„Hast du eine bessere Idee?" Verdutzt blickte ich ihr entgegen. Ich? Warum ich? Dad war doch an allem Schuld. Und sie selbst auch, denn sie hat das Hotel ausgesucht und...
„Sorg' dich lieber um eine Alternative, anstatt hier rum zu motzen!", riss mich Dad aus den Gedanken. Er unterstützte sie doch nur, weil er wusste das sie ihn sonst anschnauzen würde!
„Jop", sagte ich kurz und überlegte während dessen, was diese Idee beinhalten würde.
„Die da wäre?"
„Ähm,... also,... ich." Meine Mum würdigte mich mit kritischen Blicken. „Warum ich eigentlich? Darf ich mich nicht auch mal aufregen?", fragte ich wütend und war nicht gewollt meine Stimmung zu ändern.
„Doch, aber was bringt uns das weiter?"
„Ihr könntet ja auch mal überlegen."
„Du versuchst dich doch nur vor deiner Antwort zu drücken! Komm jetzt, sonst sind wir am Sankt Nimmerleinstag immer noch nicht da!", viel mir Tomi in den Rücken, der mit seinen braunen und schulterlangen Haaren, im Wind ebenfalls Probleme hatte.

„Sankt Nimmerleinstag", das benutzten doch nur meine Eltern! Er wusste sicherlich nicht einmal was es bedeutete und plapperte nur irgendetwas nach. Es reichte mir schon, wenn meine Eltern das benutzten und ich mich jedes Mal fragte in welchem Jahrhundert sie doch stecken geblieben waren.

„Wie wär's denn mit telefonieren? Wäre immerhin sinnvoll!", antwortete ich schnippisch und war froh das mit diese Idee eingefallen war.
„Oh du bist ja eine ganz Schlaue", brüllte mein kleiner, nerviger Bruder vor Lachen und schaute mich mit seinen schokoladenbraunen Augen schadenfroh entgegen.
„Halt doch die Klappe!", murmelte ich vor mich hin.
„Alex! Lass deinen kleinen Bruder in Frieden!"
„Er hat doch angefangen!", entgegnete ich ihr, was sie gekonnt ignorierte.
„Wo sind wir im Kindergarten?" Ich verspürte den Drang, etwas aufmüpfiges darauf zu antworten, doch mir viel nichts ein. Schnell begann ich mein Handy aus meiner Jackentasche zu kramen und stellte meine Koffer ab. Daraufhin blieben auch alle anderen stehen und starrten wie gebannt auf mich.

Meine Hände musste ich dafür aus den Handschuhen nehmen und nun fror ich noch mehr als ohnehin schon.
„Ja, schaut nicht so, dass macht mich nervös..." Ich schaltete es an, doch es stürzte gleich wieder ab, da mein Akku fast leer war, vom Musik hören.
„Sorry mein Handy ist leer.", sagte ich schnell, hoffte das es nicht weiter auffiel und steckte es peinlich berührt wieder in meine Jackentasche. Ich hatte zwar mein Notstrom Kabel dabei, aber das war so weit weg in meinem Koffer verkramt,... außerdem hatten die anderen auch ein Handy.

Mein Dad holte sein altes Tastenhandy raus und schaltete es an. Er hielt es wie ein Bekloppter in die Luft und gab mir den Anlass, den Kopf zu schütteln.
„Kein Netz.", sagte er schließlich, obwohl diese Antwort für mich ziemlich unnötig war.
„Ja mein Handy hätte auch kein Netz, wenn ich es aus dem Museum für antike Sachen geklaut hätte!", rief ich und ging sauer weiter.

Meinem Dad gab ich nun die Schuld, das meine Idee auch nicht funktioniert hatte. Zumindest pushte ich so mein Ego wieder etwas höher und versuchte mir die Bestätigung zu geben, dass meine Idee nur wegen ihm nicht funktioniert hatte. Mum und Tom holten ihre Handys ebenfalls raus, aber auch sie blieben erfolglos.
„Ja, ich könnte mir auch etwas besseres Vorstellen, Prinzessin.", lachte Dad und machte eine kurze Pause. Schön das ihm immer noch zum Lachen zu Mute war. Ich könnte heulen! Wetten meine Freunde sitzen jetzt am Strand und lassen sich von irgendwelchen heißen Typen verwöhnen?
„Außerdem wenn dein Handy so gut ist, hättest du ja nicht dein ganzes Akku für Musik verwenden müssen!“
„Ja, ist okay, gib mir ruhig wieder die Schuld! Wer rechnet denn auch damit, das du zu doof bist den Autotank aufzufüllen? Also normaler Weise müsste das ein Autofahrer können, obwohl...“, bemerkte ich mit einem schadenfrohen Lächeln. Sein leichtes Aufstöhnen und seine Blicke sprachen Bände.

„Und Ja, ich könnte mir auch etwas besseres vorstellen, am Strand mit ein paar süßen Typen, aber nein stattdessen muss ich mit meinen altmodischen Eltern durch den Arsch der Welt latschen.“
„Wie bitte?“, fragte mein Dad verwundert, auch meine Mum machte ein erschrockenes Gesicht, wo ich genau erkennen konnte, dass es bloß gestellt war.
„Ja,.. schau nicht so irgendwann musste ich das ja auch mal sagen.“
„Also süße Jungs, so etwas sollte dich nun wirklich noch nicht interessieren, du bist 16!“ Tom hustete und stieß mir in die Rippen, denn er war der Einzige der wusste das ich schon lange einen Freund hatte und das sollte auch so bleiben! Ich weiß echt was er denkt in welcher Zeit wir sind, er kann wohl froh sein das er noch nicht Opa ist.

Der kalte Wind umschmeichelte mein Gesicht und verpasste meinem Körper eine Gänsehaut.

Meine langen roten Haare, wurden vom Wind zerzaust und mein Eyliner, der heute Morgen noch perfekt gesessen hatte, saß nun sicher schon auf den Augenbrauen.
„Wie lange wollen wir noch im Nirgendwo laufen?“, fragte ich und atmete schwer aus.
„Also ich wollte jetzt nicht so unbedingt am Straßenrand übernachten.“, lachte meine Mum spöttisch.
„Hast du denn eine bessere Idee?“, hackte mein Dad nach.
„Warum soll ich immer die Ideen haben? Ihr seid auch noch da.", antwortete ich schnell, um überspielen zu können, dass ich auch keine Ahnung hatte. Mittlerweile war es draußen schon schummrig geworden und ich begann mir Sorgen zu machen, dass wir schon bald nicht mal mehr die Straße sehen könnten.
„Mum! Ich laufe nicht weiter, ich habe Hunger, Durst und ich muss aufs Klo! Können wir hier nicht übernachten?“, flehte Tom plötzlich und verschränkte bockig seine Arme vor der Brust .
„Nein, jetzt komm weiter Tomi, du wirst es wohl noch ein wenig aushalten, oder? Wenn du solch ein Hunger hast...“, sie machte eine kleine Pause und ließ etwas Luft aus ihrem Mund entweichen.
„Wir haben noch Essen in meinem Rucksack.", sprach sie ruhig und liebevoll weiter. Wie freundlich sie sein konnte, doch leider zeigte sie diese freundliche Seite nur meinen Geschwistern. Darauf hin hielten wir wieder an und Tom kramte das Zeug aus der Tasche. Da es so kalt war, wollte ich meine Hände nicht unnötig belasten, trotz meines knurrenden Magens. Warum hatte er eigentlich schon wieder Hunger? Hatte er nicht vor einer knappen Stunde etwas gegessen?

Plötzlich hörte ich wieder das Rascheln von vorhin, zwei feuerrote Augen schauten mir erneut entgegen, als ich in die Richtung des Geräusches sah. Solch feuerrote Augen, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte.

Ich hielt mir meine linke Hand vor den Mund, um einen Angstschrei zu vermeiden. Das Wesen schaute mich an und lächelte.

Mit weit aufgerissenen Augen trotzte ich diesen erschreckenden Blick. Ich wollte mich langsam weg bewegen, doch diese Augen hinderten mich daran und ließen mich fast zu Stein werden.


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Fairy Dust

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