Ein Funken Wahrheit

Nachdem wir die Treppe hinter uns gelassen hatten, bogen wir gleich in die erste Tür ab. Als wir die quietschende, hölzerne Tür öffneten, stieg mir gleich ein modriger Geruch in die Nase, der meine Mundwinkel weit möglichst nach unten zog.

Als Erstes betraten wir das Wohnzimmer. Es war nicht besonders groß, doch für die zwei Wochen sollte es wohl reichen. Eine kleine, aus grünem Leder, angefertigte Couch stand mitten im Raum und ihr gegenüber der Miniatur Fernseher. Die tristen und dunklen Farben erinnerten mich an das Haus meiner Großeltern, dass eindeutig eine Renovierung nötig hatte.
Die Küche schloss sich mit einem Türbogen an das Wohnzimmer an und war auch nicht sonderlich groß. Immerhin konnte sich dort eine einzelne Person recht frei bewegen... vorausgesetzt sie wog nicht über hundert Kilo!
Vom Wohnzimmer führten drei weitere Türen weg, die jeweils drei Schlafzimmer verbargen. Da sich der Rest meiner Familie schon zwei unter den Nagel gerissen, hatten, blieb mir nur noch das ganz linke übrig. Ziemlich unbegeistert schleppte ich meine Koffer dort hin und schmiss sie ohne Überlegung auf mein zukünftiges Bett. Ein paar Schlammkrümel fielen von den Rädern meines Koffers, doch die vielen bestimmt nicht auf. Angewidert starrte ich die Tagesdecke auf meinem Bett an.
Ein paar schimmlige Brotkrümel und einige undefinierbare Flecken zierten die Decke und veranlassten mich dazu meine Blicke abzuwenden. Und hier soll ich zwei Wochen wohnen? Ein Glück hatte ich Literweise Desinfektionsmittel eingesteckt, da die bisherigen Urlaubsziele auch nicht gerade luxuriös gewesen waren. Aber das hier toppt echt alles!

Ich erspähte dunkelgrüne Vorhänge und vermutete dahinter ein Fenster finden zu können. Vielleicht könnte ich auf diese Weise den modrigen Geruch beseitigen?
Vorsichtig zog ich die Vorhänge beiseite und viel fast in Ohnmacht, als ich dahinter aufgeregte, flatternde Motten sah. Panisch riss ich beide Fensterseiten auf und versuchte sie so gut es ging hinaus zu scheuchen.
Als ich das Fenster schließen wollte, viel mir auf, dass es schon mehr Mals geklebt worden war und sich nicht mehr richtig schließen ließ. Verärgert gab ich ihm einen starken Stoß und sah zu wie es mit voller Wucht zu viel. Mein kleiner Wutanfall hatte es nicht sonderlich beeindruckt und so ging es langsam, mit Ohrenbetäubenden Quietschen wieder auf.
Durch den kleinen Spalt erblickte ich ein paar graue Steine und als ich etwas näher heran ging, erkannte ich, dass es sich um Gräber handelte. Na super! Schon klar, keiner wollte das zimmer haben, das einen Ausblick zum Friedhof hatte. Langsam vielen ein paar Regentropfen auf die Gräber und färbten die hellgrauen Steine dunkel.
Innerhalb von Sekunden wurde der Regen heftiger und preschte nun mit voller Wucht gegen die Fensterscheiben. Das dies nicht folgenlos blieb, wurde mir schnell klar und so suchte ich einen Eimer, um das Wasser auffangen zu können. In meinem alten Kleiderschrank fand ich einen roten Eimer, den ich schließlich unter das Fenster stellte.

Nachdem ich mein Zimmer vor einer Überschwemmung bewahrt hatte, nahm ich meinen Koffer vom blauen Himmelbett und stellte ihn in die Ecke. Heute würde ich bestimmt nicht mehr dazukommen, meine Sachen in den Schrank zu räumen,... wenn ich das überhaupt wollte. Bei dem ganzen Dreck hier.
Ich runzelte meine Stirn, als mein Blick auf den dunkelbraunen Schreibtisch viel. Außer von einer Kerze, geformt als Totenkopf, wurde er von nicht geschmückt. Ob der Hotelbesitzer, sein „Hotel“ mit einem Spukschloss vertauscht hatte?
Ich war überzeugt davon, dass es als Spukschloss sicher mehr Einnahmen bringen würde und sie müssten es dafür nicht mal extra herrichten.
Ich wischte mit meinen Fingern, über die weißen Ablagen und schloss daraus, dass das Zimmermädchen, wohl schon längere Zeit in Urlaub gewesen sein musste.
Der Teppich war bläulich bis gräulich und hatte das gleiche Blümchenmuster, wie die Bettdecke meines Bettes. Als ich durch unser Zimmer lief, knarrten die dunklen Dielen unter meinen Füßen und brachten mich, dazu immer langsamer zu werden. Immerhin wollte ich meiner Familie heute nicht mehr über den Weg laufen.
Die Wände waren wie in der Empfangshalle recht dunkel und machten die Zimmer noch trister, als sie auch schon ohnehin waren.
Nachdem ich mich ein wenig umgesehen hatte, wollte ich ins Bad und mich Bett fertig machen, doch ich lief durch unser „Apartment“ und suchte vergebens nach dem Badezimmer. Ich fand nur meinen Dad der mir erneut eine Rede zukommen ließ, nicht so laut zu sein. Ich nutzte unser besonnenes Gespräch, um mich nach dem Badezimmer zu erkundigen.
„Wo ist das Klo?" Mein Dad reichte mir einen Schlüssel, den ich zweifelnd entgegen nahm und meinte:
„Ich gehe jetzt ins Bett bitte sei leise, wenn du wieder kommst." Er zog warnend die Augenbrauen hoch, drehte sich um und ging in sein Zimmer, wo noch grelles Licht brannte. Ich wollte ihn noch fragen wo das Bad ist.... ,aber egal ich würde es schon irgendwie finden, ich bin ja schließlich nicht blind. Diese Logik mal wieder! Da mietet man ein Apartment mit Küche und so weiter, aber ein Badezimmer ist nicht enthalten?
Ich ging aus der hölzernen Tür raus und stand schließlich im Flur. Ich schaute erst nach links, dort waren nur Zimmer anderer Gäste, das heißt wenn hier noch welche waren. Und der Putzraum.
Wo für hatten die hier bitte einen Putzraum? Sicher nicht zum Putzen! Und dann nach rechts. Dort war nur die Treppe, von der wir gekommen waren, aber sie führte auch nach oben, was ich vorhin nicht bemerkt hatte.
Neben mir stand ein Mädchen, sie musste in meinem Alter gewesen sein. Sie hatte langes, blondes und gelocktes Haar. Sie trug ein weißes Kleid und schöne schwarze Lackschuhe. Ich wollte sie ansprechen, doch da sah ich, das sie einen Ball aufhob und durch das Bild vom Grafen warf.
Ich hätte gedacht das der Ball abprallen würde, doch stattdessen ging er durch das Bild und kam auf der anderen Seite wieder auf. Zumindest hörte es sich so an. Auch wenn das verrückt klang. Ich weiß nicht wie ich es plausibel erklären sollte, aber es schien real zu sein.
Vielleicht träumte ich, aber im Traum wusste man meist nicht, dass man träumte, also konnte ich diese Möglichkeit ausschließen. Ich starrte das Mädchen entsetzt an, sie zog ihre Mundwinkel unecht weit nach oben und grinste mir fies entgegen. Ich hörte wie die Tür vom Putzraum aufging und schreckte zusammen. Der Mann von der Rezeption kam mir entgegen. Was er wohl darin gemacht hatte?
„Wer ist das Mädchen?" Seine Mundwinkel zogen sich noch weiter nach unten, auch wenn dies fast unmöglich schien. Sie schüchterte mich auf eine ungewöhnliche Weise ein, sodass ich mich nicht traute sie selbst zu fragen. „Welches Mädchen?", fragte er zu meiner Enttäuschung. Ich drehte mich zu ihr um... doch sie war weg... weg, wie nicht da! Nicht vorhanden, abwesend, einfach so mit einem Blinzel schlag! wie? Ich schien wirklich völlig müde zu sein, eine... Die Treppe war so laut, das wir sie gehört hätten, aber wo war sie dann?
Ich schaute ihn etwas verdutzt entgegen und versuchte mich unfreundlich zu retten:
„Hören sie schlecht? Ich suche das Bad!?" Nervös kauerte ich auf meiner unteren Lippe herum.
„Vielleicht hast du ja etwas an den Augen? Du stehst direkt davor.", sagte er wütend und ging an mir vorbei. Er berührte mich verärgert und etwas zu doll an der Schulter, sodass ich das Gleichgewicht verlor und mit den Armen wackeln musste um nicht um zu fallen. Er drehte sich noch einmal zu mir um und rief: „Da macht man schon ein Schild an die Tür und die Leute sehen es trotzdem nicht! Die Jugend ist einfach völlig verblödet." Die letzten Worte murmelte er in seinen nicht vorhandenen Bart und lief die Treppen hinunter. Ich drehte mich um...direkt gegenüber unseres Apartments war das Bad. Ich war peinlich berührt, doch zu stolz um mich zu Entschuldigen, außerdem war der Mann schon längst die Treppe runter gegangen und....
Ich ging in das Bad hinein, es war ziemlich groß. Links neben der Tür waren 3 weiße Waschbecken, an der Wand darüber hingen auch 3 weiße Spiegel genau angepasst. Gegenüber 3 Toilettenkabinen und hinten in der Ecke war eine alte, schon halb verrostete Badewanne die von einem Vorhang verdeckt war.
Über ihr war eine altes kleines Fenster, das auch schon bessere Zeiten erlebt zu haben schien. Die Wände bröckelten und der Boden, hatte sicherlich auch schon ein paar Jahre hinter sich. Sonst erschien der Raum ziemlich hell, aber im negativen Sinne. Über mir hing ein Kronleuchter, welcher schwer und am wertvollsten in diesem Raum wirkte.
Ich ging zum Spiegel um mich abzuschminken, wobei ich mich immer noch ärgerte, ihm nach dem Mädchen gefragt zu haben.
Vielleicht war ich ja verrückt geworden und dort war niemals ein Mädchen gewesen? Nein verrückt, ich? Niemals ich war perfekt, nun zweifelte ich an mir und das war allein die Schuld meiner Eltern! Ich schaute in den Spiegel und erschrak, mir wurde kalt uns heiß zu gleich. Ich riss vor Schreck meine Zahnbürste mit dem Ellenbogen vom Waschbecken Rand, sodass sie mit einem Knall zu Boden fiel und mich erneut zusammenzucken ließ. Mein Herz raste unglaublich schnell, so schnell das ich dachte es würde mir jede Sekunde aus der Brust springen.
Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass ich nicht alleine war. Das fiese Grinsen von eben hatte sie immer noch nicht abgelegt und die dunklen Schatten um ihre Augen machten mich nervös. Ihr blondes Haar war völlig zerzaust und an ihrer Wange befand sich ein blutiger Riss, der sich biss zu ihren Mundwinkel herunter zog. Verletzte und enttäuschte, grüne Augen blitzten mir entgegen. Meine Blicke wanderten ihren schmächtigen, dürren Körper hinunter. Blaue knie traten unter dem knappen Kleid hervor und wurden von triefendem Blut verfolgt.
Plötzlich aber, bekam das blutverschmierte Messer in ihrer Hand meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Als sie bemerkte, dass ich es entdeckt hatte, begannen ihre schmalen Finger sich um den Griff des Messers zu krallen. Fest entschlossen hob sie es in die Luft und kam in schnellen Schritten auf mich zu. Ein Messer! Warum hat sie ein Messer? Was zur Hölle wollte sie damit?


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Fairy Dust

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