Das Land des dunklen Mondes (21)

Der junge Solianer erwachte mit klopfendem Herzen. In seinem Kopf drehte sich alles. Er wurde von den verschiedensten Gefühlen durchströmt. Er kannte diese leidenschaftliche Art der sexuellen Vereinigung nicht. Mit den Feminas in dieser Welt, war das ganz anders. Doch diese Göttin, diese wunderschöne, kraftvolle Göttin, war eine wirklich einzigartige Frau! Die Göttin hatte den Gott unterworfen, wie es die Seherin ihm gesagt hatte. Doch anstatt sich darüber zu grämen, hatte Heliosus sie einfach geküsst und dann genommen und beide schienen die ganze Zeit ihren Spass zu haben, auch während des Kampfes. Das berührte Trojanas irgendwie seltsam. Er wusste nichts recht damit anzufangen. Wenn ihn eine Frau so unterworfen hätte…er hätte das als schreckliche Schande empfunden. Oder vielleicht doch nicht? Etwas faszinierte ihn an dem Gedanken einer solchen Frau zu begegnen. Immerhin hatte die Göttin den Gott ganz fair geschlagen. Sie war ihm ebenbürtig und… war so ganz anders, als Trojanas sie sich vorgestellt hatte. Er hatte sie bisher nicht anders als die restlichen Feminas dieser Welt gesehen. Vielleicht noch etwas erhabener, aber mit allen weiblichen Schwächen, dem Gott keinesfalls ebenbürtig. Doch das was er hier gesehen hatte, vermittelte ihm ein ganz anderes Bild. Ein Bild, das ihn irgendwie sehr verunsicherte und das gefiel ihm nicht, darum versuchte er seine Unsicherheit damit zu überspielen, dass er sich einredete, dieser Traum sei nur eine Ausgeburt seiner Phantasie gewesen, welche wegen des Geschwätzes der Seherin, etwas mit ihm durchgegangen war. Mit diesen verwirrenden Gedanken, fiel er dann schliesslich in einen unruhigen Schlaf.

Aellia war glücklich. Nannios und sie hatten sich ausgesprochen und er hatte ihr versichert sie nie mehr zu drängen und sein Verständnis über ihre Reaktion geäussert. Sie ihrerseits, hatte ihm über ihre neuen Erkenntnisse berichtet und ihm ihr Herz ausgeschüttet. Bisher hatte sie das noch bei niemandem auf diese Weise getan, aber bisher war ihr ihr Schmerz auch noch nicht so bewusst gewesen. Sie begann ihr bisheriges Leben immer mehr in Zweifel zu ziehen, die Richtigkeit der Handlungen ihres Volkes. Je mehr Tage sie mit Nannios verbrachte, seine Welt kennen lernte, mit ihm die sexuellen Wonnen teilte, umso näher fühlte sie sich ihm und den Lunariern, welche langsam das Misstrauen ihr gegenüber verloren und sie mehr und mehr in ihre Gesellschaft integrierten. Wahrlich war die Harpya immer noch etwas anders, etwas rebellischer vielleicht, temperamentvoller, aber gerade das schien die Leute in Nannios Welt irgendwie zu faszinieren. Einige Männer begannen sich für sie zu interessieren und immer mehr der Frauen, suchten in ihr eine Freundin. Dennoch verspürte Aellia auch Heimweh. Sie wollte zurück in ihre Welt, doch sie hatte sich vorgenommen nichts zu tun, was den Lunariern schaden würde. Sie wollte sich für dieses Volk bei ihrem Volke einsetzen, sich darum bemühen, dass die Harpyas die Lunarier nicht zwangen für ihren Fortbestand zu sorgen, sondern nach anderen Lösungen gesucht wurde. Ihn ihr wuchs der Gedanke heran, Nannios über den Männer- Notstand bei den Harpyas zu informieren, vielleicht hatte auch er eine Idee, wie Aellias Volk vor dem Untergang bewahrt werden konnte.

So also nutzte sie den Moment, als sie und Nannios sich gerade nach einer weiteren, wunderschönen, körperlichen Vereinigung an ihrem Lieblingsplatz auf dem Grat zwischen den Flüssen ausruhten. Der Mond war mittlerweile nur noch als eine dünne Sichel am nachtschwarzen Himmel zu sehen. „Bald tritt die dunkle Mondgöttin auch bei uns hervor“, sprach Nannios gerade, während er gedankenverloren nach oben blickte. „Du musst deine Heimat doch recht vermissen“, „Ja, das tu ich und… mir wird das Herz schwer, wenn ich daran denke, was meinem Volke in einiger Zeit droht.“ „Was meinst du damit?“ fragte Nannios. Er war jetzt ganz aufmerksam, sah sie mit seinen, im Dunkeln schimmernden Augen an, während er sich auf seinem linken Arm aufstützte. Aellia fiel es auf einmal schwer weiter zu sprechen, ein dicker Kloss schien plötzlich in ihrem Hals zu stecken. „Wir…werden schon bald vollkommen ausgerottet sein.“ „ Ausgerottet? Aber was sagst du da?!“ „Es ist leider so. Wir werden bald ausgerottet sein, weil…wir bald keine Männer mehr haben, die mit uns Kinder zeugen.“ „Ihr habt zu wenig Männer?“ „Ja…“ sie dachte angestrengt darüber nach, ob sie Nannios in alles einweihen sollte. Sie entschloss sich, es zu tun. Nur dass ihre Königin und Hohepriesterin vor hatten, fremde Masculinas wenn nötig mit Gewalt in ihre Welt zu bringen, verschwieg sie. „Ich weiss, dass du dir das nicht vorstellen kannst Nannios, aber bei uns ist es tatsächlich so. Uns fehlen Männer. Ich habe dir doch schon gesagt, dass wir ein sehr matriarchalisches Volk sind und nun ja…männliche Nachkommen weniger geschätzt werden, als weibliche. Wegen dieser männerfeindlichen Lebensweise, haben sich unsere Gene im Laufe der Jahrhunderte darauf eingestellt, mehr weibliche, als männliche Kinder zu empfangen. Ich glaube darum mittlerweile, dass unser extrem matriarchalisches System grossen Schaden angerichtet hat. Wir haben auch zu wenig darauf geachtet, unsere Kinder in einem geborgenen, liebevollen Umfeld, wo Vater und Mutter gleichermassen gegenwärtig sind, aufwachsen zu lassen und so unseren weiblichen Nachkommen auch kein gutes Männerbild vermittelt. Auch ich hatte kein gutes Männerbild bis… ich dich traf. Bis ich dein Volk traf, welches alles so vollkommen anders sieht und bei dem alles irgendwie ausgewogen ist. Bei euch sind weiblich und männlich gleichwertig und darum habt ihr wohl auch nicht dieselben Probleme wie wir. Mein Volk lebt so vollkommen abgeschieden vom Rest der Welt, das habe ich auch erst erfahren, seit ich hier bin. Wir sind dort oben sehr allein und unser reines Blut, war bisher eins unserer höchsten Güter. Aber wir haben uns damit selbst eine Falle gestellt, wir haben einst diese Einsamkeit gewählt, in der trügerischen Sicherheit, dass dies der richtige Weg ist, das dies zu unserem Volke passt, aber wir haben nicht weiter gedacht. Weisst du, ich habe das alles bis vor kurzem noch als den einzig richtigen Weg angesehen. Habe kaum mal unser Leben als Harpyas in Frage gestellt. Es interessierte mich nicht, was ausserhalb meiner Welt geschieht, bis…ich den Auftrag erhielt, nach andern uns ähnlichen Völkern zu suchen, um unseren Fortbestand zu sichern. Da wurde mir klar, dass da etwas fürchterlich schief gelaufen sein muss. Ich hätte mit einigen andern meines Volkes bald aufbrechen sollen, um andere geflügelte Völker zu finden. Man wollte mich intensiv auf diese Mission vorbereiten. Doch dann war da der Angriff der Gorgonas-schreckliche Geschöpfe mit Schlangenhaaren und tödlichen Blicken. Einer dieser Blicke hat mich getroffen und mir diese schlimme Wunde am Rücken zugefügt. Dann bin ich abgestürzt… endlos lange, bis ich hier wieder erwachte. Ich war überhaupt nicht vorbereitet, ich landete einfach bei euch und dann… hat sich alles verändert!

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