Das Land des dunklen Mondes (2)

Auch die Wasserlieferungen, welche einmal wöchentlich in der Obsidian Stadt eintrafen, nahmen ihre Aufmerksamkeit kaum in Anspruch. Diese wurden jeweils mit riesigen Flugschiffen in der Form eines Drachen, hergebracht. Die Schiffe besassen lederartige Schwingen, gestützt von einem hölzernen Gerüst. Aellia wusste, dass sie auch durch magische Kräfte in der Luft gehalten wurden. Denn immer wenn so ein Schiff am grossen Dock, das sich im oberen Drittel der Stadt befand anlegte, erkannte sie die magische Aura, die wie ein weisser Schein um das Schiff lag. Sie als Zauberkundige, konnte Magie im Gegensatz zu den anderen ihres Volkes, sehen. Die Drachenschiffe wurden von hochgewachsenen, kräftigen geflügelten Wesen gesteuert. Ihre Haut war irgendwie ledrig und von roter Farbe. Ihre Augen meist dunkelbraun bis schwarz. Die vorwiegend langen Haare ebenfalls. Sie trugen schwarze Lederrüstungen mit roten Drachenmotiven verziert. Lange Schwerter, oder furchteinflössende Keulen, waren ihre bevorzugten Waffen. Ihre Magier, welche die Schiffe vermutlich in der Luft hielten, waren in rote Roben mit einem goldschwarzen Drachenmotiv auf der Brust, gekleidet. Goldene Umhänge lagen um ihre Schultern.

Aellia wusste nicht woher sie genau kamen und zu welchem Volk sie gehörten. Im üblichen Sprachgebrauch, nannte man sie Drakonier. Sie  waren hoch geachtet, da sie die Harpyas mit Wasser versorgten. Natürlich sammelten letztere auch Regenwasser in speziellen Reservoirs. Es regnete hier aber nur selten, dafür aber heftig. Die Regenzeit war keine angenehme Sache, denn dann lag meist über allem ein dichter Nebel aus Dampf, der durch das Auftreffen des Regens, auf dem lavareichen Planeten, zustande kam. In dieser Zeit verschwand auch das Antlitz der Göttin vollkommen hinter einer undurchdringlichen Wolkendecke. Die Harpyas waren sich jedoch im Klaren, dass der Regen eins der wertvollsten Geschenk von Lilithia war, denn mit dem aufgefangenen Regenwasser, konnten sie ihre kargen Felder bestellen und mussten sicher niemals verdursten.

Der Berg, auf dem Aellia sich aufhielt und der sich auf einem der kleineren Nebenfragmente des Planeten befand, hatte man einen wunderbaren Blick auf das Reich des dunklen Mondes. Es war ein faszinierendes Schauspiel, wie sich über die hunderten, eben noch im roten Schein des Tages schwebenden, meist nach unten spitz zulaufenden Felsgebilde, das dunkle Antlitz der Göttin schob. Die Obsidian Stadt leuchtete noch einmal auf, als begrüsse sie die grosse Lilithia. Die Lavafälle die unterhalb des Hauptkontinents herabstürzten, verstrahlten immer noch ein blutrotes Licht. Es war das einzige Licht, das es in dieser sonst stockfinsteren Nacht gab. Wenn Aellia sich umblickte, erkannte sie auch die andern vulkanischen Aktivitäten, auf den verschiedensten, kleineren Planetenscherben. Doch für sie war das nicht alles. Sie sah in der Dunkelheit genauso gut wie am Tag. Ihre Augen hatten sich im Laufe der Jahre, den eher düsteren Gegebenheiten angepasst. Sie besass wolfsähnliche Augen. Wenn es heller war, funkelten diese saphierblau. Eine eher seltene Farbe bei ihrem Volk. Wenn es dann ganz finster wurde, sonderten ihre Augen ein geheimnisvolles, silbernes Leuchten ab, wie es sonst bei Wölfen der Fall war. Das konnte auf Fremde sehr unheimlich und bedrohlich wirken. Das machte die Rasse der Harpyas aus. Sie waren auf der einen Seite wunderschön, meist mit ebenmässigen, menschlichen Gesichtern und wohlgeformten Körpern. Ihre vollen Brüste waren nackt, manchmal nur mit einem Büstenhalter, aus meist körpereigenen Federn bedeckt. Von der Hüfte bis etwa zu den Oberschenkeln, besassen sie ein glänzendes Gefieder, das auch ihre Scham weitgehend bedeckte. Von den Oberschenkeln abwärts, war das Gefieder dann wieder nicht so dicht und es wurden wieder grössere Flächen von Haut sichtbar. Neben ihrer Schönheit waren die Harpyas jedoch sehr gefürchtet, weil sie eine gewaltige Kraft und etwas Gefährliches ausstrahlten. Sie waren wie ihre Göttin Lilithia. Lilithia galt als eine der ältesten Göttinnen überhaupt. Die Harpyas glaubten sogar, sie sei die allererste Göttin gewesen.

Einst als die Welt noch jung war und es noch drei Reiche gab: Das Reich des Himmels, der Erde und der Unterwelt, hatte Lilithia den Weltenbaum bewohnt, der alle Ebenen miteinander verband. Sie besass Verbindung zu den Kräften des Himmels und auch der Unterwelt- dem Reich der Toten. Die anderen Götter und Göttinnen fürchteten sie wegen ihrer Kraft, ihrer Eigenständigkeit. Sie wollten sie bändigen, aber es gelang ihnen nicht. Lilithia  sollte sich damals dem ersten Gottmenschen fügen, indem sie ihm bei der Paarung seine Wünsche erfüllte. Aber Lilithia weigerte sich, wollte sich keinesfalls unterordnen. Schliesslich verliess sie das einstige Paradies freiwillig und zog hinaus in ein karges Land, wo sie viele verschiedene Kinder aller Art gebar, die dann die irdische Welt bevölkerten. Lilithia war die Tochter der Luft und der Erde gleichermassen und die Harpyas glaubten, dass sie von ihr abstammten. Darum waren sie wie ihre Göttin, unbändig und stolz und kein männliches Geschöpf, sollte sie jemals auf irgendeine Weise unterwerfen!

Das harpische Volk wurde demzufolge auch von einer Königin regiert und es lebte auf einem kargen Planeten, wie einst Lilithia. Die Harpyas suchten nicht nach dem Paradies, denn das Paradies hatte sich schon zur Zeit ihrer Göttin als Ort erwiesen, der alles andere als paradiesisch war. Nein, die Harpyas lebten ihr ganz eigenes Leben! Und diese Leben, stand unter dem ganz besonderen Segen der dunklen Mondgöttin...

Comments

  • Author Portrait

    Guten Morgen. Das zweite Kapitel ist noch immer so episch geschrieben wie das erste und die Welt nimmt mehr und mehr Gestalt an. Die Gründe, warum dies eine matriarchale Gesellschaft ist, sowie die Hintergründe zur Göttin, sind spannend und nachvollziehbar. Ich frage mich jedoch, ob es nicht im Sinne der Leserbindung besser wäre, wenn du in diesem Kapitel schon deutliche Handlung einbaust. Deine Welt kennenzulernen ist interessant, am Ende ist man aber doch hier, um eine Geschichte erzählt zu bekommen, und das kam bisher zu kurz. Du hast hier deine Heldin weiter beschrieben, was mich jedoch etwas verwirrt zurückgelassen hat, war, dass du nach jeder Beschreibung angefügt hast, dass dies typisch für ihre Rasse ist. Nun weiß ich also eher, wie sie aussieht, kenne aber noch immer keine Alleinstellungsmerkmale. Das ist erstmal nicht tragisch, aber doch ein wenig verwirrend. Die oben angemerkten Punkte tun übrigens dem Spaß, den ich beim Lesen habe, keinen Abbruch, es sind nur Gedanken darüber, wie du noch interessanter für Leser werden kannst.

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