Das kristallene Medaillon (Teil 31)

Miowa nahm den Blumenstrauss und roch daran, dann wandte sie sich Pia und Benjamin zu. „Was wollt ihr von mir?" fragte sie mit süsser Stimme. „Warum habt ihr mir Blumen gebracht?" Benjamin erwiderte in schmeichelndem Tonfall: „Wir wollten dir damit eine Freude machen, oh schönste aller Nymphen." Miowa schien dieser Tonfall äusserst zu behagen und sie erwiderte: „Ich danke euch, doch habt ihr nicht etwas von einem Geschäft gesagt?" „Aber ja, oh Herrlichste," antwortete Benjamin. „Wir haben noch ein Geschenk für dich. Ein Geschenk, das deiner Schönheit noch viel mehr Ausdruck verleihen wird." „Ach wirklich? Was denn für ein Geschenk?" wollte die Nymphe wissen und schwamm neugierig näher. Benjamin machte vorsichtshalber einen Schritt zurück und sprach: „Wir werden es dir zeigen, Blume aller Wasser. Doch zuerst hätten wir noch eine Frage an dich, wenn du erlaubst." „Du scheinst mir ein Junge mit guten Umgangsformen zu sein," erwiderte Miowa. „Deshalb werde ich auf deine Frage antworten." „Ist es wahr, dass du mit den Waldelfen verfeindet bist?"

Miowas Gesicht nahm bei dieser Frage einen verkniffenen Ausdruck an und sie erwiderte: „Ja, ich bin allerdings mit ihnen verfeindet." „Aber warum denn?" wollte Benjamin wissen. „Sie haben mir meinen geliebten Schmuck gestohlen. Doch was kümmert euch das?" Die blauen Augen der Nymphe blickten nun äusserst misstrauisch. Benjamin merkte, dass er jetzt mit der Wahrheit rausrücken musste, deshalb sprach er, während er nochmals zwei Schritte zurück machte: „Ich bin hier, um dir ein Angebot zu machen." „Was für ein Angebot?" Der Junge packte nun den Schmuck aus und hob ihn hoch: „Diesen Schmuck haben die Waldelfen extra für dich angefertigt. Sie wollen dir damit jenes Collier ersetzen, dass einer ihrer Brüder, dir vor vielen Jahren gestohlen hat. Das Original konnte leider nicht mehr gefunden werden. Dafür gehört hier noch ein Armband dazu."

„Zeig her!" rief die Nymphe mit verlangendem Blick. Benjamin jedoch trat ausser Reichweite und sagte: „Ich schwöre dir, dass alle Steine echt sind, doch ich werde es dir erst geben, wenn auch du uns etwas entgegengekommen bist." „Was wollt ihr?" „In den letzten Jahren sind fünf Elfen, wie vom Erdboden verschwunden. Wir wollen wissen, ob du dafür verantwortlich bist." „Vielleicht," sprach die Nymphe. „Vielleicht auch nicht." „Ich finde das überhaupt nicht nett von dir," schaltete sich nun Pia wütend ein. „Die Waldelfen haben extra für dich diese Schmuckstücke aus ihrem Besitz angefertigt, um dir ein Friedensangebot zu machen und du bist so verbohrt, dass du nicht mal verraten willst, ob du die fünf Elfen entführt hast. Die Goldene Tanne sagte uns, dass ihr Nymphen friedliche Geschöpfe seid, doch du bist wirklich kein Vorbild. Bisher haben wir immer sehr liebevolle Wesen angetroffen. Aber du bist eben doch böse." „Ich bin keineswegs böse!" rief die Nymphe. „Warum kommst du den Elfen dann nicht etwas entgegen?" fragte Benjamin. „Du kannst sie doch nicht ständig für etwas hassen, was einer ihrer Brüder einst angestellt hat. Dieses Collier und dieses Armband sollte dich eigentlich für deinen Verlust entschädigen. Beides zusammen, ist mehr wert als dein altes Collier." „Auch wenn nichts, meine altes Collier jemals zu ersetzen vermag,“ meinte die Nymphe „so zeigt es doch den guten Willen des Waldvolkes. Sie haben sich tatsächlich viel Mühe mit diesem Schmuck gegeben. „Vielleicht war ich ja doch etwas festgefahren." „Schön, dass du das einsiehst," meinte Benjamin. „Wirst du uns nun etwas entgegenkommen?" „In Ordnung. Was wollt ihr für den Schmuck?" „Wir bitten dich, die fünf Waldleute wieder freizugeben, falls du sie gefangen hältst. Sofern sie nicht schon tot sind." „Sie leben noch. Ich halte sie in einer Höhle unten im Wasser gefangen." „Wirst du sie frei lassen und in Zukunft mit dem Waldvolk in Frieden leben?" Die Nymphe zögerte eine Weile. Doch dann erwiderte sie: „Ja, wenn ihr mir den Schmuck gebt, will ich ihnen verzeihen. Dieser Krieg hätte vielleicht schon viel eher beendet werden sollen." „Ja, das glaube ich auch," sprach Benjamin und reichte Miowa den Schmuck. Diese betrachtete ihn verzückt und legte ihn sofort an. Mit dem Armband jedoch hatte sie etwas Probleme. „Komm ich helfe dir," anerbot sich Pia und legte ihr das wertvolle Armband um das zarte, weisse Handgelenk. Es passte wie angegossen.

Die Nymphe sah Pia freundlich an und ein Lächeln umspielte ihren Mund. „Es ist wunderschön," sagte sie. „Danke." „Danke nicht uns, danke den Elfen." „Ja, das tu ich, aber erst erfülle ich meinen Teil der Abmachung. Wartet hier!" Miowa tauchte unter Wasser und war sogleich verschwunden. „Wenn sie ihr Versprechen nur hält," sagte Markuloz, der nun ebenfalls zu den Jugendlichen getreten war. „Sie wird," antwortete Benjamin. „Pia hat ja auch genug an ihr Gewissen appelliert. Nun will Miowa uns bestimmt beweisen, dass sie nicht böse ist." „Ich bin so froh, dass ihr sie milde gestimmt habt!" „Einfach war's nicht." „Doch ihr habt es geschafft. Das ist die Hauptsache."

Sie konnten ihr Gespräch nicht weiterführen, denn auf einmal, tauchte ein Kopf aus dem Wasser auf und dann noch einer und noch einer. Es waren die fünf vermissten Elfen! „Oh beim grossen Schöpfer, ihr lebt!" schrie Markuloz. „Ihr lebt alle!" Ohne weiter zu überlegen, sprang er ins Wasser und schwamm seinen Brüdern entgegen.

Diese wirkten etwas bleich, waren sonst jedoch gesund. Strahlend umarmten sie sich gegenseitig, lachten und jubelten. „Miowa hat ihr Wort gehalten!" rief Pia „sie hat es tatsächlich gehalten. Sie ist also doch nicht böse." „Siehst du sie irgendwo?" fragte ihr Bruder und recke den Hals. „Nein... oder doch! Dort ist sie. Sie schwimmt zu Markuloz. Er scheint Probleme zu haben. Vermutlich sind seine nassen Kleider zu schwer." Der alte Gnom, befand sich tatsächlich noch immer an derselben Stelle und schien nicht mehr vorwärts zu kommen. Die anderen, hatten bereits das Ufer erreicht und kletterten an Land. „Da stimmt was nicht!" schrie Pia. „Wir müssen ihm helfen!" Sie wollte gerade ins Wasser springen, doch dann hielt sie inne. Die Nymphe, hatte Markuloz bereits unter den Armen gepackt und zog ihn hinter sich her zum Ufer. Erst als der Elfenfürst wieder festen Boden unter den Füssen spürte, liess sie ihn los. Sie hatte Markuloz das Leben gerettet! Dieser und die anderen schauten Miowa mit grösstem Respekt an. Dann watete der Älteste zu ihr hin und reichte ihr die Hand. Sie erwiderte den Händedruck und damit war der neue Friede zwischen dem Waldvolk und der Teichnymphe besiegelt!

Im Dorf, herrschte eine grosse Freude darüber. Markuloz gab Pia und Benjamin zu Ehren ein grosses Fest. „Wollt ihr nicht noch etwas hierbleiben?" fragte der kleine Runkoloz. „Wir können leider nicht. Wir müssen unsere Suche fortsetzen," erwiderten die Geschwister. „Wir werden euch sehr vermissen," sprach Markuloz „und euch nie vergessen." „Wir euch auch nicht," antwortete Pia. „Grüsst Hungoloz von uns, wenn er nach Hause kommt!" „Ja, das werden wir." „Und gebt ihm den goldenen Zapfen wieder zurück," fügte Benjamin hinzu „so hat er eine Erinnerung an die Goldene Tanne." „Ja aber..." wollte Markuloz protestieren. „Nichts aber! Ihr könnt ihn besser gebrauchen als wir. Hier ist er! Nun lebt wohl!" „Ja, lebt wohl und tausend Dank!"

 


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