Meine Mitbewohnerin, ihres Zeichens Akademikerin, und ich saßen mal wieder in unserem Sommerwohnzimmer und schwitzten, wie es sich für ein richtiges Sommerwohnzimmer gehört. Während wir also dieser äußerst schweißtreibenden Tätigkeit frönten, zog der Himmel langsam zu. Die Wolken färbten sich von fluffig weiß zu dräuend grau, auch ihre Entfernung zu uns verkürzten sie in vermutlich unheilvoller Absicht. Zuerst ganz zaghaft fielen vereinzelt Tropfen herab, dann wurden es mehr, bis sich ein wahrer Sturzbach über uns ergoss. Der Wind blähte sich auf und trieb das Wasser bis zu uns heran, dass wir das Schauspiel nicht mehr in der Lounge im Trockenen genießen konnten. In Windeseile rafften wir unsere Schätze zusammen. Die Kissen und Decken. Die Hemden und Socken von der Spinne. Der Laptop, der als Hilfsmittel für all die wunderbaren Geschichten diente. So viele Hände waren uns nicht gegeben, die wir nun benötigten. Unsere Schnurmonster, die schon beim ersten hereingewehten Tropfen das Weite gesucht hatten, waren indes auch keine große Hilfe, wenn man davon absah, dass sie nicht mehr im Wege standen. Der Boden des Sommerwohnzimmers entpuppte sich ob der Fluten als eine wahre Schlinderbahn, wie wir sie gerne als Kinder gehabt hätten, dass wir uns nun nicht mehr in der gebotenen Eile bewegen konnten, so wir nicht Hals oder auch alternativ Ohren brechen wollten.
Binnen Minuten war der Spuk vorbei, so dass wir alles, was vormals draußen, nun aber herinnen ward, wieder an den ursprünglichen Platz trugen. Ermattet von diesem ungewohnten Tun saßen wir wieder in der Lounge und sinnierten darüber nach, ob es tatsächlich zu einer Abkühlung gekommen wäre oder nicht. Die Wolken hatten sich, vermutlich nur, um uns zu täuschen, entfernt und ihr Aussehen in ein freundliches Grau verwandelt, als ein seltsam vertrauter Ton an unser Ohr drang. War dies gar ein Donnergrollen und kein schwerer LKW? Wir schauten uns an.
„Ist denn schon Donnerstag?“ Fragte mich meine Mitbewohnerin trocken.